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Sie porträtieren zwölf mehr oder weniger genussfreudige Päpste, wie die Tageszeitung "La Repubblica" (Dienstag) berichtet. So etwa Bonifatius VIII. (1294-1303), den Papst des ersten Heiligen Jahres 1300, der Pastete, Fasan in Traubensaft und Lamm, dazu frisches Gemüse und Obst vom Lande schätzte. Gespeist wurde mit Besteck aus Gold, Tischdecken aus Seide aus Lucca oder Pariser Leinen.
Leo XIII. dagegen, in dessen Tradition sich der heutige Papst Leo XIV. durch seine Namenswahl ausdrücklich stellt, liebte bei Tisch keine Ausschweifungen, sondern bevorzugte vielmehr "eine strenge Diät": mittags ein wenig Fleisch, ein Schnitzel oder einen Hühnerflügel und Gemüse, abends Reste, vielleicht kalt. Zu großen Anlässen kamen bei ihm aber auch anspruchsvollere Menüs mit gebratenen Vögelchen am Spieß oder Seezungen mit Mandeln sowie Schoko-Desserts auf den Tisch des Hauses.
Der gebürtige Franzose Clemens VI. (1342-1352) schätzte Hühnercreme à la Avignon, Rebhuhn-Suppe und Kastanien sowie gegrillte Schweinelende samt einem Dessert aus Orangenschalen in Honig, begossen mit einem Glas Châteauneuf-du-Pape. Martin V. (1417-1431) stand auf gefüllte Täubchen mit Weißwein aus Orvieto.
Der letzte im Buch beschriebene Papst, Johannes XXIII. (1958-1963), ist auch der bescheidenste im Reigen: Der Papst des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) liebte eine schlichte Polenta aus seiner norditalienischen Heimat Bergamo.
Mariangela Cianti Rinaldi, Historikerin und Expertin für kulinarische Kultur, und Lavinia Rinaldi von der Kulturstiftung Palazzo Strozzi ergänzen ihre Berichte über die Päpste mit Beschreibungen der kulinarischen Traditionen ihrer jeweiligen Zeit. Obwohl Völlerei im katholischen Katechismus zu den sieben Todsünden wie Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Habgier und Wollust, gehört - gutes oder teils ausschweifendes Essen sei eine der am ehesten tolerierten "Laster" der Päpste, so die These der Autorinnen.






