ABO

Metalband Heaven Shall Burn hämmerte Wien zufrieden ins Bett

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Heaven Shall Burn gehen auf der Bühne kompromisslos zu Werke
©Barracuda Music, CANDYWELZ, APA
So brachial wird das Wiener Gasometer nur selten im Jahr durchgeschüttelt: Die deutsche Metalband Heaven Shall Burn enterte am Donnerstagabend die Bühne vor gut gefülltem Haus und machte von der ersten Sekunde an klar, dass sie nicht willens ist, Kompromisse einzugehen - sei es musikalisch oder ihre gesellschaftspolitische Haltung betreffend. Mit rastlosem Schlagzeug, treibenden Gitarren und einem Frontalangriff auf Klargesang eroberten sie die Konzerthalle im Sturm.

von

Mit dem Album "Heimat", das auf dem Cover einen röhrenden Hirsch in einem brennenden Wald zeigt, legten sie im Vorjahr das zehnte Album ihrer ca. 30-jährigen Bandgeschichte vor und schafften es in Österreich auf Platz vier der Albumcharts. Ihrem aggressiven, irgendwo zwischen Metalcore und Melodic-Death-Metal angesiedelten Stil blieben sie treu. Zwar ist wenig Platz für ausgefeilte Soli, dafür aber umso mehr Raum für Tempo und Soundwände, die krachend über die Hörerinnen und Hörer hereinbrechen.

Und auch ihre Standpunkte - gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung sowie für Freiheit, Natur und das Einstehen für die Schwächsten - verschleiert die großteils vegan lebende Band abermals nicht. Im Gegenteil hämmert sie Sänger Marcus Bischoff mit seinem schmerzhaft-intensiven Schreigesang förmlich in die Gehörgänge seiner Zuhörerschaft.

Ganz am Anfang des Intros "Ad Arma" von der jüngsten Platte hört man noch Vögel zwitschern. Rasch übernehmen wehmütige Streicher, die in Kombination mit dem Backdrop, das eine zerstörte, in nebelgrau getauchte Stadt zeigt, die Grundstimmung für den mit opulenter Orchestrierung inklusive ukrainischem Chor ausgestatteten Opener "War is the Father of All" setzt. "An age of suffering and misery descends", heißt es da wenig erbaulich, während Scheinwerfer die Bühne in kaltes Licht tauchen, sich der Schlagzeuger warm spielt und Bischoff seine Stimmbänder schon mal antestet.

Mit "Voice of the Voiceless" katapultieren die Thüringer ihre Fans ins Jahr 2004 zurück und mit "My Revocation of Compliance" rufen sie zwischen groovenden Passagen, bei denen kaum ein Kopf still hält, den Kampf gegen Ignoranz aus. Spätestens mit dem wuchtigen "Counterweight" haben sie die Menge im Griff.

Für den Fall, dass jemand nicht verstanden haben sollte, aus welcher Richtung der Wind hier weht, hat Gitarrist Maik Weichert auch noch eine Ansage parat: Es sei unfassbar, dass gegenwärtig so viele junge Leute im Krieg sterben müssten, während sie eigentlich Familien gründen sollten. Den beschaulichen und nachdenklichen Song "Armia" - sofern so etwas existiert, wenn einem jemand ins Ohr schreit - widmeten sie daher den Menschen in der Ukraine, als Zeichen, dass "wir sie nicht vergessen". "Es ist eine Schande, dass die ganze Menschheit zuschaut", so Weichert.

Abseits davon war wenig Platz für Ansagen oder anderen Schnickschnack, galt es doch die Stimmung am Kochen zu halten - mit dem Überhit "Endzeit", der mit seiner schieren Wucht und zum Mitgrölen einladenden Songzeilen ("We are the final resistance / We're fighting to the last") für Gänsehaut sorgt, ein leichtes für das Quintett. Einen größeren Moshpit muss man bei einem Konzert dieser Dimension erst einmal finden. Auch im Zugabenblock war beim neuen Song "A Whisper from Above" gefühlt die halbe Halle in einem Circle Pit anzutreffen. Da konnte auch der doch recht verwaschene Sound die Stimmung nicht mehr trüben.

Sie würden vielleicht nicht mehr zum "brandheißen Scheiß" zählen, aber für "einfach geil" reiche es allemal, übte sich Sänger Bischoff in Bescheidenheit und freute sich, dass man mit dem Wiener Publikum alles machen könne. "Ich gehe sehr zufrieden ins Bett", zog er ein Resümee, das wohl viele nach eineinhalb Stunden Metal in Reinform teilten.

(Von Lukas Wodicka/APA)

(S E R V I C E - www.heavenshallburn.com )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Barracuda Music/CANDYWELZ

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER