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"Klimt war sehr oft bei uns an der Anatomie und hat im Seziersaal die menschliche Anatomie studiert", erklärt Markus Müller, Rektor der MedUni Wien, bei einer Pressekonferenz. Auch habe sein Gesamtwerk stark mit der Beschreibung der unbewussten Sexualität zusammengehangen. "Das, was Sigmund Freud in seinen Werken beschrieben hat, kann man in Zeichnungen von Gustav Klimt sehr gut nachempfinden". Daneben hätten die damals neuen Mikroskope Künstlern "ganz neue Welten" eröffnet. Die goldenen Muster bei Klimts "Danaë" oder das Fischauge in den "Wasserschlangen I" hätten etwa die Form von Eizellen, wie der Eingang zur Ausstellung nahelegt. Durch den Blick in die "Zellenwelt", erläutert Kurator Tobias G. Natter, wäre "jede Fantastik von der Wirklichkeit übertroffen" worden.
Trotzdem mag diese Verbindung von Klimt und den Wissenschaften nicht ganz intuitiv erscheinen. Immerhin dreht sich ein großer Teil des Ausstellungskonzepts um "Die Medizin" - für Natter das "Skandalbild der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts" par excellence. Denn als eines von Klimts drei Fakultätsbildern war es ursprünglich für den Festsaal der Universität Wien angedacht, löste jedoch enormen Widerstand in der Wissenschaft aus und war dort letztlich nie zu sehen.
Die Hygieia, griechische Göttin der Gesundheit, wendet sich mit kaltem Blick von einer Säule aus gekrümmten Menschen und Todesmasken zur Rechten ab, während links eine schlafende, nackte Frau ihren Arm in Richtung der Menschenkette ausstreckt. Das war wohl zu viel Pessimismus, "den die Auftraggeber nicht sehen wollten", so Natter. Von den großen medizinischen Innovationen war im Bild gleichzeitig nichts zu sehen. Es kämen "nicht einmal die beiden Hauptaspekte der Medizin" vor, "weder die Heilkunst, noch die Prophylaxe".
Es sei ihm um den Fluss des Lebens gegangen. Dahingehend sei die Wissenschaft in Klimts Kunst aber nicht wegzudenken, geht es nach Christiane Druml, Direktorin des Josephinums: "Klimt hat natürlich genauso wie vor ihm Leonardo oder Michelangelo Anatomie gelernt, um eben diese Zeichnungen auch originalgetreu dem menschlichen Körper anzunähern." Die ausgestellten Originalzeichnungen und Skizzen zeigen Darstellungen nackter Körper, aber auch jene Werke, die sich ganz spezifisch mit Anfang und Ende des Lebens beschäftigen.
Seit 2024 ist das ursprünglich circa vier mal drei Meter große Monumentalwerk in Übergröße und koloriert am Anna-Spiegel-Forschungsgebäude am Campus der MedUni Wien zu sehen. Im Josephinum befindet sich nun eine verkleinerte Reproduktion in Schwarz-Weiß. Denn eigentlich fielen alle Fakultätsbilder während der NS-Zeit einem Brand zum Opfer und blieben in der Gesamterscheinung lediglich als farblose Aufnahmen erhalten. Für den Campus wurde die "Die Medizin" mithilfe von KI eingefärbt.
(S E R V I C E - "Gustav Klimt und die Medizin. Bilder zum Fluss des Lebens" von 26. März bis 28. Juni 2026 im Josephinum - Medizinhistorisches Museum Wien)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Josephinum/Daniel Hinterramskogler/Daniel Hinterramskogler






