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Damals veröffentlichte Regen innerhalb von zwölf Monaten zwei Alben, eines erreichte Platz drei der Charts, eines sogar die Spitze. "Ich habe den Goldenen Saal im Wiener Musikverein ausverkauft und große Konzerte gespielt. Ich war mit meiner Band auf ausverkaufter Tournee. Trotzdem wurde ich zu Jahresende mit der wirtschaftlichen Realität konfrontiert, dass ich meine Eltern um Geld bitten musste, weil ich sonst nicht gewusst hätte, wie ich meine Miete zahlen soll", schilderte Regen. Wie es dazu kam, dürfe sie nicht näher erzählen. Nur so viel: "Ich musste für Probleme gradstehen, die ich nicht verursacht habe."
Ein Vertrauensbruch habe tiefe Risse in ihrem Weltbild hinterlassen. "Und die Aufräumarbeiten machten mich wahnsinnig müde", erzählte die 41-Jährige. Gleichzeitig galt es, aufrechten Verpflichtungen nachzukommen. Eine davon war eine Songwriting-Session mit dafür aus Hamburg eingeflogen Kollegen. Diese erwies sich als Glücksfall: "Dabei habe ich gespürt, dass die Musik mir das Leben rettet."
Sie hätte sich auch aus der Öffentlichkeit zurückziehen und Musik nur noch für sich selbst machen können, sagte Regen. "Aber spätestens bei dem Lied 'Liebe ist Widerstand' - deswegen wurde das auch die erste Single aus dem Album - hab' ich gespürt: Nein, Kunst hat eine Verantwortung. Erst recht in so krisenzerrütteten Zeiten wie die, die wir eigentlich schon seit Corona alle empfinden, kann Kunst ein Angebot sein für eine Pause, für neue Gedanken, für Mitgefühl, für Hoffnung. Alle diese Angebote will ich gern weiterhin zur Verfügung stellen."
Mit "Revolution der Liebeslieder" schließe sich ein Kreis zu ihrem ersten Album "Klee", so Regen. Das Handgemachte, Analoge verbinde die beiden: "Ich hab ganz viel Wert darauf gelegt, dass jedes Instrument von einem Menschen gespielt wird. Nichts auf diesem Album ist KI. Das ist auch ein Widerstand, den ich gerade leiste und leisten muss für meinen Beruf. Ich glaube, die menschliche Schöpfungskraft ist ein total wichtiger Prozess - den sollten wir uns nicht wegnehmen lassen, nur weil eine KI schnellere Ergebnisse liefert. Ich wollte, dass es so viel menschelt, wie es geht."
Auf den Albumtitel angesprochen, sagte Regen: "In Zeiten, wo alle, die mit offenem Herzen leben, spüren, dass Hass und Spaltung zunehmen, könnte das Vermögen, einen Diskurs zu führen, im Dialog zu sein und für ein Miteinander einzutreten, das bunter ist und nicht nur in Schwarz-Weiß denkt, die Revolution der Liebeslieder sein." Das Album sei, "obwohl es aus einer zerrütteten Zeit in mir kommt, das vielleicht versöhnlichste und definitiv das liebevollste. Es bietet auch Versöhnung an. Gleichzeitig bespricht es Themen, die einfach benannt gehören, vor denen wir uns nicht verschließen dürfen."
Ihre Meinung will Ina Regen auch weiter offen aussprechen. "Gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, ist das Unterscheidungsmerkmal zwischen Kommerz und Kunst", hielt Regen fest. Als Feministin stehe sie in der Tradition von vielen Frauen, "die unbequem waren und Frauen aus ihrer Entrechtung heraus begleitet haben". Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. "Ich weiß, was ich heute mache, nämlich als Frau auf einer Bühne stehen und für meine Lebensrealität einzustehen, war Generationen vor mir verwehrt. Aber wir leiden immer noch unter struktureller Benachteiligung."
(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - www.inaregen.at )






