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"Wahnsinn. Auch wenn man schon einige sein eigen nennen darf, ist man überwältigt", betonte Otto Jaus bei der Übernahme des Amadeus in der Marx Halle. Paul Pizzera wies darauf hin, dass der prämierte Song "Hoffnung über Angst stellt". Bernhard Speer nahm die Trophäe für besten "Live-Act des Jahres" gemeinsam mit dem Gitarristen und Produzenten Daniel Fellner entgegen, seinen Kollegen Christopher Seiler meldete er krank. "Na endlich", so Seiler, als er den Amadeus in Händen hielt. "Ich glaub der Live-Award ist ein Award, auf den wir schon lange pochen. Er ist nicht selbstverständlich. Ich glaube, er ist unserem Stadionkonzert geschuldet." Im Sommer 2025 hatten Seiler & Speer das Wiener Ernst-Happel-Oval ausverkauft. Als dann das Duo auch noch in der Sparte "Pop/Rock" abräumte, raunte Speer in Richtung des abwesenden Seiler: "Geh scheich di! Da ist er einmal nicht da."
"Wenn wir zumindest einen heimnehmen könnten, wär das schon ein Wahnsinn", hatte Florian Ritt von der Folkshilfe am roten Teppich gemeint. Als das selbsternannte "Quetschn-Synthi-Pop"-Trio dann tatsächlich mit einem Amadeus in der Königskategorie gewürdigt wurde, sagte er: "Das Album heißt 'bunt', manchmal tendiert man dazu, dass man schwarz-weiß denkt." Heute aber werde gefeiert! Dafür gab es Applaus von den Gästen, unter denen sich auch der diesjährige ESC-Starter Cosmo und Vorjahressieger JJ befanden.
Melissa Naschenweng setzte sich in der Sparte "Schlager/Volksmusik" zum siebenten Mal in Serie durch. Einen solchen durchgehenden Run in einer Kategorie wie die Villacher Sängerin konnte bis dato kein anderer Act hinlegen. Naschenweng hat insgesamt sogar bereits acht einschlägige Amadeus-Auszeichnungen auf ihrem Konto. "Das ist echt net normal", freute sie sich. "Man könnt' glauben, man ist das irgendwann gewohnt. Aber ich steh' mit demselben Herzklopfen auf dieser Bühne." Naschenweng kündigte anlässlich der Show den Sendetermin des Spielfilms "Herzklang - Zurück zu mir" an, in dem sie in einer Hauptrolle debütiert. ORF 1 zeigt diesen am Karsamstag, 4. April. Überraschenderweise spiele sie "eine Sängerin".
Was die Gesamtzahl betrifft, bleiben (die heuer nicht nominierten) Wanda mit bisher zwölf Trophäen Rekordhalter. Der abwesende Parov Stelar holte sich wie zuletzt 2021 den Preis in der Sparte "Electronic/Dance" und rangiert mit nun bisher elf Trophäen knapp dahinter - ebenso wie RAF Camora, der sich wieder in der Rubrik "Hip Hop/Urban" durchsetzte. "Wir haben wirklich keine Rede vorbereitet", versicherte der aus Dubai heimgekehrte Star. Er wies mit Blick auf seinen langjährigen Videoregisseur Shaho Casado darauf hin, wie wichtig das Team um einen Artist sei: "Ehrt eure Produzenten und Videografen, sonst werdet ihr scheiße aussehen und keinen Amadeus gewinnen."
Erstmals ausgezeichnet wurde Caro Fux: Die steirische Mundart-Popsängerin sicherte sich den "Songwriter des Jahres"-Amadeus. Den Preis widmete sie ihrer verstorbenen Oma und "allen Menschen, die uns bedingungslos lieben".
Als bester "Alternative"-Act setzte sich wie im Vorjahr Sängerin Oska durch, unter den "Hard & Heavy"-Nominierten die rein weibliche Rockband Vulvarine ("Oida! Saugeil!"), die es mit dem live dargebotenen Song "Fool" aus ihrem Album "Fast Lane" krachen ließ. 5/8erl in Ehren freuten sich über den Amadeus im Genre "Jazz/World/Blues". Das Album "Petrichor" von Klangkarussell wurde für den "Best Sound" prämiert.
Peter Cornelius nahm zum Abschluss den Amadeus für sein Lebenswerk aus der Hand des Komponisten Peter Janda entgegen. Diese Auszeichnung war bereits im Vorfeld bekannt - ebenso wie der FM4-Award für Nenda. Für Cornelius gab es Standing Ovations: "Ich bin jetzt seit über 50 Jahre in diesem Metier unterwegs", sagte der Singer-Songwriter. "Ich habe die ganze Geschichte der Deutschen Schallplatten-Industrie miterlebt. Das Goldene Zeitalter." Vieles sei unterhaltsame gewesen, manches nicht. Er erinnerte an die Sechziger-Jahre, als die Sänger ihre Songs selbst zu schreiben begannen, was ihn prägte. Für junge Kunstschaffende könne er keine Ratschläge geben. Denn mit der KI sei der Deckel der Büchse der Pandora weggesprengt worden. "Wir wissen nicht, was das noch mit uns allen veranstalten wird."
"Der Begriff Lebenswerk ist mir etwas fremd", sagte Cornelius gegenüber der APA. "Ich spiele heuer 25 Konzerte, ich veröffentliche ein neues Album, das heißt 'Glassplitter', und ich fühle mich überhaupt nicht so, dass man mir das Lebenswerk verleiht, was so abschließend klingt. Aber das ist immer noch besser, als wenn man es posthum tut. Es ist eine schöne Auszeichnung, aber sie klingt ernster und dramatischer, als ich es wahrnehme."
Tom Neuwirth moderierte die "Generalhauptversammlung der österreichischen Musikszene", wie er die Veranstaltung bezeichnete. Elf österreichische Acts bildeten das musikalische Programm. Aufgetreten sind in der vom ORF übertragenen Show u.a. Ina Regen, Alexander Eder, Lemo sowie Esther Graf & Ness. Sängerin Päm gab mit einer Performance des Powersongs "Bäng Bäng PÄM" einen Vorgeschmack auf ihr am Freitag (13.3) erscheinendes zweites Album "Kunstfigur". Bibiza brachte "eine kleine Kostprobe von neuer Musik" mit, den Song "Frank". Die launige Begründung zuvor am roten Teppich, warum die fetzige Rocknummer weniger als zwei Minuten dauert: Er habe nicht mehr Bock gehabt.
(S E R V I C E - https://aama.at )
