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Süßstoffe und Darmbakterien: Was eine Laborstudie mit 39 Zuckerersatzstoffen zeigt

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Person hält eine weiße Tasse in den Händen
Süßstoffe stecken in Getränken, Süßigkeiten und Fertigprodukten (Symbolbild)©Towfiqu barbhuiya/Unsplash

Süßstoffe gelten oft als neutral für den Stoffwechsel. Ein Team der Universität Cambridge hat 39 davon an 25 Arten von Darmbakterien getestet: Drei von vier veränderten im Labor das Wachstum mindestens einer Art. Was die Studie zeigt und was nicht.

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39 Süßstoffe, 25 Bakterienarten

Süßstoffe stecken in Light-Getränken, Süßigkeiten, Desserts, Snacks und Frühstücksflocken. Ob sie im Darm einfach durchrutschen, hat ein Team der MRC Toxicology Unit der Universität Cambridge im Labor untersucht. Die Forschenden züchteten 25 Arten von Darmbakterien einzeln, darunter nützliche, neutrale und potenziell schädliche, und setzten sie 39 handelsüblichen künstlichen und natürlichen Süßstoffen aus.

Die Ergebnisse sind im Juni im Fachjournal Molecular Systems Biology erschienen und werden derzeit international wieder breit geteilt. Erstautorin ist Sonja Blasche, die Arbeit leitete Kiran Patil.

Drei von vier Süßstoffen wirkten auf Bakterien

Rund drei Viertel der getesteten Süßstoffe veränderten das Wachstum mindestens einer Bakterienart. Manche bremsten es, andere stoppten es ganz, auch bei Bakterien, die mit einem gesunden Darm in Verbindung gebracht werden. „Süßstoffe werden oft als stoffwechselneutral vermarktet, aber unsere Studie stellt diese Vorstellung infrage“, sagt Blasche.

Danach kombinierte das Team die Süßstoffe mit Koffein, Vanillin, dem Süßstoff Advantam und acht häufig verwendeten Medikamenten. In mehr als 100 Fällen veränderte die Kombination die Wirkung: 34-mal wurde der Effekt stärker, 68-mal schwächer.

Die auffälligste Kombination

Am stärksten fiel eine Kombination aus Isosteviol, einer von Stevia abgeleiteten Verbindung, und dem Antidepressivum Duloxetin auf. Gemeinsam hemmten sie zwei Bakterienarten deutlich, Roseburia intestinalis und Parabacteroides merdae. Beide gelten als wichtig für Verdauung und Stoffwechsel.

In einer künstlichen Gemeinschaft aus allen 25 Arten sank durch diese Kombination die Vielfalt der Mikroben, und das Gleichgewicht zwischen den Arten verschob sich. In weiteren Versuchen war die veränderte Bakteriengemeinschaft für bestimmte Körperzellen giftiger und beeinflusste Zellen, die an Entzündungen und Immunreaktionen beteiligt sind.

Was die Studie nicht zeigt

Alle Versuche fanden in Laborkulturen statt, nicht im Menschen. Ein echter Darm beherbergt weit mehr als 25 Bakterienarten, und welche Mengen eines Süßstoffs tatsächlich im Darm ankommen, kann sich von den Laborbedingungen unterscheiden. Die Forschenden betonen selbst, dass weitere Studien nötig sind, bevor sich sagen lässt, ob Süßstoffe die Gesundheit auf diesem Weg direkt beeinflussen.

Die Studie zeigt also nicht, dass Menschen, die Duloxetin einnehmen und Süßstoffe konsumieren, einen Schaden davontragen. Sie liefert Hinweise, welche Kombinationen in Tierversuchen und Studien mit Menschen genauer geprüft werden sollten. Welche der 39 Süßstoffe neben Isosteviol und Advantam welche Wirkung hatten, nennt die Mitteilung der Universität nicht im Einzelnen.

Was das für den Alltag bedeutet

Zur Frage, ob Süßstoffe beim Abnehmen helfen, gibt es bereits eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Die WHO rät seit 2023 davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen, weil sie langfristig keinen Nutzen beim Körperfett zeigen. Die Empfehlung ist als bedingt eingestuft und gilt nicht für Menschen mit bestehendem Diabetes.

Wer Medikamente wie Duloxetin einnimmt, sollte sie wegen der Laborergebnisse keinesfalls eigenmächtig absetzen. Fragen zur Ernährung während einer Behandlung lassen sich mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder in der Apotheke klären. Wer Süßes reduzieren möchte, kann sich schrittweise an weniger Süße gewöhnen, statt Zucker nur durch Süßstoffe zu ersetzen.

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