Eine Studie mit mehr als 460.000 Erwachsenen findet keinen Zusammenhang zwischen der Gesamtmenge an hochverarbeiteten Lebensmitteln und Darmkrebs. Entscheidend ist offenbar, was genau auf dem Teller liegt: Fleischprodukte gehen mit einem höheren Risiko einher, Vollkorn und Milchprodukte mit einem niedrigeren.
Kein Zusammenhang beim Gesamtkonsum
Wer viele hochverarbeitete Lebensmittel isst, erkrankt laut einer großen US-Studie insgesamt nicht häufiger an Darmkrebs. Forschende des National Cancer Institute werteten dafür Daten von 461.682 Erwachsenen aus. Zwischen der Gesamtmenge an hochverarbeiteten Lebensmitteln und dem Darmkrebsrisiko fanden sie keinen Zusammenhang. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift PLOS Medicine erschienen.
Beim Blick auf einzelne Lebensmittelgruppen zeigte sich aber ein differenziertes Bild. Hochverarbeitete Fleischprodukte gingen mit einem höheren Risiko einher, hochverarbeitete Vollkorn- und Milchprodukte dagegen mit einem niedrigeren. „Wir haben keinen Zusammenhang zwischen dem Gesamtkonsum hochverarbeiteter Lebensmittel und dem Auftreten von Darmkrebs beobachtet“, sagt Studienleiterin Erikka Loftfield.
So wurde die Studie gemacht
Die Daten stammen aus der NIH-AARP Diet and Health Study. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren beim Start 1995 und 1996 zwischen 50 und 71 Jahre alt und füllten einen Fragebogen zu ihrer Ernährung aus. Im Mittel wurden sie 18,8 Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit erkrankten 10.075 von ihnen an Darmkrebs.
Die Forschenden verglichen das Fünftel mit dem höchsten Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel mit dem Fünftel mit dem niedrigsten. Das Risiko unterschied sich praktisch nicht. Der errechnete Wert lag sogar leicht unter jenem der Vergleichsgruppe, der Unterschied war statistisch aber nicht bedeutsam.
Fleischprodukte erhöhen das Risiko, Vollkorn senkt es
Pro täglicher Portion Fleisch aus hochverarbeiteten Produkten stieg das Darmkrebsrisiko um rund acht Prozent. Rund drei Viertel des verarbeiteten Fleisches, das die Teilnehmenden aßen, stammten aus solchen Produkten. Bei Vollkornprodukten aus hochverarbeiteten Quellen sank das Risiko pro täglicher Portion um rund 13 Prozent, bei entsprechenden Milchprodukten um 25 Prozent.
Die Forschenden vermuten, dass sich schützende und schädliche Bestandteile im Gesamtwert gegenseitig aufheben. Wer rechnerisch zehn Prozent der hochverarbeiteten Lebensmittel durch kaum verarbeitete ersetzte, hatte ein um zwei Prozent geringeres Darmkrebsrisiko. Das Team sieht die bestehenden Empfehlungen bestätigt: mehr Vollkorn, Ballaststoffe, Milchprodukte und Kalzium, weniger verarbeitetes Fleisch.
Wurst bleibt ein bekannter Risikofaktor
Der Befund zum Fleisch passt zu früheren Einschätzungen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation stuft verarbeitetes Fleisch wie Wurst, Schinken oder Speck seit 2015 als krebserregend für den Menschen ein, vor allem wegen des Zusammenhangs mit Darmkrebs.
Die Studie hat Grenzen. Die Teilnehmenden waren überwiegend ältere weiße US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner, die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf jüngere oder vielfältigere Gruppen übertragen. Die Ernährung wurde nur einmal zu Beginn erfasst, spätere Änderungen fehlen. Zudem wuchs das Angebot hochverarbeiteter Produkte während der Studienzeit. Als Beobachtungsstudie kann die Arbeit keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen.
Quellen: Abar, Loftfield et al., PLOS Medicine 2026, DOI 10.1371/journal.pmed.1005251, IARC Monographs Volume 114
