Philip Rachinger ist Chef of the Year, die Brüder Obauer verabschieden sich mit dem Award für ihr Lebenswerk und 97 Restaurants tragen vier Hauben. Dazu vergibt der Weinguide erstmals 100 Punkte. Alle Preisträger, Rankings und Neueinsteiger des Gault&Millau 2027 im Überblick.
Für die 48. Ausgabe des Gault&Millau Restaurantguide 2027 wurden knapp 800 Restaurants in ganz Österreich besucht, getestet und bewertet. Das Ergebnis zeigt eine klare Verschiebung nach oben: 97 Betriebe erreichen vier Hauben, im Vorjahr waren es 82. Bei den Ein-Hauben-Lokalen gibt es dagegen ein Minus von 17 Betrieben. Neu im Guide ist ein eigenes Kapitel zu Cafés und Konditoreien.
Die Herausgeber Martina und Karl Hohenlohe sehen die Branche im Aufbruch: „Nach Jahren, in denen die Branche vor allem über Krisen, Kosten und Personalmangel gesprochen hat, rückt wieder stärker in den Mittelpunkt, worum es eigentlich geht: Kochen, Gastgeben und Genuss.“
Gault&Millau 2027 auf einen Blick
Bewertete Restaurants: knapp 800
Fünf Hauben: 8 Restaurants (Vorjahr 9)
Vier Hauben: 97 Restaurants (Vorjahr 82)
Chef of the Year: Philip Rachinger, Ois im Mühltalhof, Neufelden
Lebenswerk: Karl und Rudolf Obauer, Werfen
Weinguide: über 2.000 verkostete Weine, erstmals drei Weine mit 100 Punkten
Erscheinungstermin: 20. Oktober 2026
Chef of the Year 2027: Philip Rachinger
Die wichtigste Auszeichnung des Jahres geht ins Mühlviertel. Philip Rachinger führt das Ois im Mühltalhof in Neufelden als Vertreter der sechsten Generation. Nach Stationen im Wiener Steirereck und bei Pierre Gagnaire ist er in das Haus seiner Familie zurückgekehrt. Das Restaurant trägt vier Hauben und 18,5 Punkte.
Gekocht wird in der offenen Küche für Gäste an fünf Tischen, regional inspiriert und mit Produkten aus nächster Umgebung. Ein vorab geschriebenes Menü gibt es nicht: Bei der „Carte Blanche“ lassen sich die Gäste überraschen.
Der Guide würdigt auch Rachingers Engagement abseits des Herds. Mit der „Wirtshausroas“ belebt er jedes Jahr leer stehende Gebäude in Neufelden, holt internationale Köchinnen, Köche, Winzerinnen und Winzer in den Ort und macht den Ortskern zur Bühne. Gemeinsam mit Lukas Mraz und Felix Schellhorn bildet er die „Healthy Boy Band“.
Philip Rachinger (Mitte) mit den Herausgebern Martina und Karl Hohenlohe. Foto: Hannes Winkler/Gault&Millau
© Hannes Winkler/Gault&MillauLebenswerk: Die Brüder Obauer sagen Adieu
Nach 47 Jahren schließen Karl und Rudolf Obauer ihr Restaurant in Werfen und ziehen sich auf eigenen Wunsch in den Ruhestand zurück. Letzter Öffnungstag ist der 26. Oktober 2026. Gault&Millau zeichnet die Brüder dafür mit dem Award für ihr Lebenswerk aus.
Rudolf Obauer lernte das klassische Handwerk unter anderem bei Troisgros, Émile Jung und Alain Chapel. In Werfen verbanden die Brüder französische Klassik mit tiefer regionaler Verwurzelung und einem Hauch fernöstlicher Exotik. Aus einem Salzburger Landgasthof wurde so über Jahrzehnte eine Adresse von Weltrang. Das Haus galt zudem als Kaderschmiede: Zahlreiche Spitzenköchinnen und Spitzenköche des Landes haben hier gelernt.
Mit der Schließung sinkt die Zahl der Fünf-Hauben-Restaurants von neun auf acht.
Karl Hohenlohe, Karl Obauer, Martina Hohenlohe und Rudolf Obauer (v. l.). Foto: Hannes Winkler/Gault&Millau
© Hannes Winkler/Gault&MillauRanking: Die acht Fünf-Hauben-Restaurants Österreichs
Die Höchstwertung 2027 liegt bei 19 von 20 Punkten. Diese acht Restaurants teilen sich die Spitze, die Reihenfolge folgt den Bundesländern:
Amador, Wien (19 Punkte)
Konstantin Filippou, Wien (19 Punkte)
Silvio Nickol Gourmet Restaurant, Wien (19 Punkte)
Steirereck im Stadtpark, Wien (19 Punkte)
Landhaus Bacher, Mautern, Niederösterreich (19 Punkte)
Döllerer, Golling, Salzburg (19 Punkte)
Ikarus, Salzburg (19 Punkte)
Stüva, Ischgl, Tirol (19 Punkte)
Ranking: Alle Restaurants mit 18,5 Punkten
Direkt hinter der Spitze folgen 15 Restaurants mit 18,5 Punkten und vier Hauben. Vorarlberg und Wien stellen jeweils drei davon:
Aend, Wien
Doubek, Wien
Mraz & Sohn, Wien
Taubenkobel, Schützen am Gebirge, Burgenland
Das Bootshaus, Traunkirchen, Oberösterreich
Ois im Mühltalhof, Neufelden, Oberösterreich
Kräuterreich by Vitus Winkler, St. Veit im Pongau, Salzburg
SENNS.Restaurant, Salzburg
Die Weinbank, Ehrenhausen an der Weinstraße, Steiermark
Harald Irka am Pfarrhof, St. Andrä im Sausal, Steiermark
Die Forelle, Weissensee, Kärnten
Gourmet Restaurant Hubert Wallner, Dellach/Maria Wörth, Kärnten
Griggeler Stuba, Lech am Arlberg, Vorarlberg
Rote Wand Chef’s Table, Lech am Arlberg, Vorarlberg
Kilian Stuba, Hirschegg im Kleinwalsertal, Vorarlberg
Ranking: Die stärksten Neueinsteiger und Aufsteiger
Mehrere neue Lokale starten gleich in der Vier-Hauben-Liga. Die bestbewerteten Neueinsteiger und Konzeptänderungen 2027:
Shiki Omakase, Wien: 17,5 Punkte. Joji Hattori bringt ein Fine-Dining-Format für nur acht Gäste nach Wien.
Arlicious, St. Anton am Arlberg: 17,5 Punkte, vier Hauben
Ansitz 12, Lienz: 17 Punkte
Aurea, Wildschönau: 17 Punkte
Aufsteiger des Jahres ist das St. Peter Stiftskulinarium mit dem Restaurant Peter in Salzburg. Es springt von 13 auf 15,5 Punkte.
Neu mit vier Hauben: 18 Restaurants steigen auf
Mit 17 Punkten neu in der Vier-Hauben-Liga sind diese Restaurants, die meisten Aufsteiger stellt die Steiermark:
Steiermark: Artis, Genießerei am Markt, Lieperts, Thaller, Wörgötter
Oberösterreich: Bergergut (Afiesl), Waldschänke (Grieskirchen), Paula (St. Wolfgang), Lukas Kapeller (Steyr)
Tirol: Ullrs Wine & Dine, Bou4, Atelier Freund-Schafft, Chef’s Table by Gesser
Kärnten: Gamskogelhütte Fine Dining, Rouge Noir
Niederösterreich: Kolm
Vorarlberg: Fuxbau
Wien: Jola, Österreichs erstes veganes Fine-Dining-Lokal
Alle Awards des Restaurantguides 2027
Neben dem Chef of the Year und dem Lebenswerk vergibt der Guide Auszeichnungen in 13 weiteren Kategorien, dazu die Future Awards für jedes Bundesland.
Die Preisträgerinnen und Preisträger
Chef of the Year: Philip Rachinger, Ois im Mühltalhof, 4120 Neufelden
Lebenswerk: Karl und Rudolf Obauer, Obauer, 5450 Werfen
Service Award: Larissa Andres, Jola und Lara, 1010 Wien
Sommelière des Jahres: Nina Fink, Gasthaus Haberl & Fink’s Delikatessen, 8262 Ilz
Patissière des Jahres: Janina Trogisch, Tannenhof, 6580 St. Anton am Arlberg
Newcomerin des Jahres: Noemi Zagoni, Elements, 6580 St. Anton am Arlberg
Aufsteiger des Jahres: St. Peter Stiftskulinarium, Restaurant Peter, 5020 Salzburg
Wirtshaus des Jahres: Landgasthaus Reif, 4072 Alkoven
Wiener Wirtshaus des Jahres: Gasthaus Ubl, 1040 Wien
Weinkarte des Jahres: Heunisch & Erben, 1030 Wien
Weinkarte mit Österreich-Schwerpunkt: Biohotel Gralhof, 9762 Neusach
Bierkarte des Jahres: Bierhotel Loncium, 9640 Kötschach-Mauthen
Barkeeper des Jahres: Philipp Loidolt, Michal Zavacky und Franz Taferner, Intermezzo Bar, Hotel InterContinental Wien, 1030 Wien
Gastronom des Jahres: Toni Mörwald, Mörwald „Toni M.“, 3483 Feuersbrunn
Ambassador des Jahres: Yotam Ottolenghi
Future Awards 2027 nach Bundesland
Wien: Rosi, 1150 Wien
Burgenland: Ziegelwerk Gasthaus, 2485 Wimpassing an der Leitha
Kärnten: Villa Verdin x Kerschbaumer, 9872 Millstatt am See
Niederösterreich: Das Markthof, 3041 Siegersdorf
Oberösterreich: Magas Deli, 4780 Schärding
Salzburg: Der Schützenwirt, 5412 St. Jakob am Thurn
Steiermark: Kabuff, 8020 Graz
Tirol: die Wilderin, 6020 Innsbruck
Vorarlberg: Ernele im Romantikhotel Das Schiff, 6952 Hittisau
Female Power: Sechs Award-Siegerinnen
Frauen prägen den Jahrgang 2027 über alle Disziplinen hinweg. Noemi Zagoni überzeugt als junge Chef de Cuisine im Elements im Hotel Arpuria in St. Anton und ist Newcomerin des Jahres. Janina Trogisch, Patissière des Jahres, ist im Tannenhof in St. Anton zugleich Souschefin. Larissa Andres, Gastgeberin und Geschäftsführerin von Jola und Lara in Wien, erhält den Service Award.
Nina Fink vom Gasthaus Haberl & Fink’s Delikatessen in Walkersdorf bei Ilz ist eine der jüngsten Certified Sommelières Österreichs und Sommelière des Jahres. Im Weinguide ist Dorli Muhr die erste Preisträgerin der neuen Kategorie Weingut des Jahres, Winzerin Tamara Kögl ist Entdeckung des Jahres. Laut Guide steigt vor allem bei Neugründungen die Zahl der Küchenchefinnen deutlich.
Female Power bei der Präsentation der Gault&Millau Guides 2027. Foto: Hannes Winkler/Gault&Millau
© Hannes Winkler/Gault&MillauKulinarische Hotspots: Weissensee, Arlberg, Oberösterreich und Graz
Weissensee: Die Kärntner Gemeinde zählt 758 Einwohnerinnen und Einwohner und hat dennoch acht ausgezeichnete Betriebe. Fünf davon wurden aufgewertet. Sandra Egger, Küchenchefin im Das Leonhard, zählt zu den starken Frauen des Jahrgangs.
Die Forelle: 18,5 Punkte, vier Hauben
Rouge Noir: 17 Punkte, neu mit vier Hauben
Das Loewenzahn: drei Hauben, Punkteplus
Biohotel Gralhof: drei Hauben, Weinkarte des Jahres mit Österreich-Schwerpunkt
Hotel zum Weissensee: neu mit drei Hauben
Das Leonhard: neu mit drei Hauben
Wirtshaus by Stefan Glantschnig: neu bewertet, zwei Hauben
Arlberg: St. Anton stellt mit Noemi Zagoni und Janina Trogisch zwei Award-Gewinnerinnen. Das Arlicious startet mit vier Hauben, das Elements mit drei, das Museum wurde mit zwei Hauben neu aufgenommen. In Lech steigerten fünf der 17 bewerteten Betriebe ihre Punkte, das La Fenice schaffte den Sprung zu drei Hauben.
Oberösterreich: Neben dem Chef of the Year kommt auch das Wirtshaus des Jahres aus dem Bundesland. Das Landgasthaus Reif der Familie Haberfellner im Eferdinger Becken holte die erste Haube. Das Genießerhotel Bergergut in Afiesl ist Gourmethotel des Jahres und erhielt erstmals vier Hauben.
Graz und Steiermark: Graz ist die dynamischste Landeshauptstadt: Acht Betriebe steigerten ihre Punkte. Die Genießerei am Markt gewinnt zwei Hauben dazu, Artis und Starcke Haus je eine. Neu bewertet sind das Vina mit drei und das Rauch&Rebe mit zwei Hauben. Die ganze Steiermark kommt auf 19 Aufwertungen, elf neue Betriebe und sechs Lokale mit einer zusätzlichen Haube.
Die Trends 2027: Kürzere Menüs, mehr Gemüse, mehr Butter
Weniger Gänge: Aus zwölf Gängen werden sechs oder sieben. Weniger Komponenten auf dem Teller verlangen perfekte Garpunkte, aromatische Tiefe und ausgewogene Saucen.
Klassiker neu interpretiert: Fein Gebratenes, zart Geschmortes, kräftige Fonds und der selbstbewusste Einsatz von Butter sind zurück. Gemüse wie Karotten, Kohl, Sellerie, Pilze oder Rüben wird zum Hauptdarsteller.
Alkoholfreie Begleitung: Kompositionen aus Fermenten, Kräutern, Tee oder Verjus werden mit derselben Sorgfalt entwickelt wie Weinbegleitungen.
Fine Dining wird nahbarer: Offene Küchen, kleine Counter und flexible Menüformate ersetzen steife Etikette.
Weinguide 2027: Erstmals 100 Punkte
Für die 39. Ausgabe des Weinguides verkostete eine 15-köpfige Jury unter Chefredakteur Bernhard Degen über 2.000 Weine, Sekte und erstmals auch alkoholfreie Alternativen, blind und öffentlich. Zum ersten Mal in der Geschichte des Guides wurde die Höchstwertung von 100 Punkten vergeben, gleich dreimal:
Moric: Blaufränkisch Alte Reben L 2023
Tement: Sauvignon Blanc Südsteiermark DAC Ried Zieregg XT GSTK 2017
Dorli Muhr: Blaufränkisch Carnuntum DAC Ried Spitzerberg-Obere Spitzer 1ÖTW 2023
Als Traumjahrgänge gelten 2023 und 2025: Die Wachau glänzt mit 2025ern, Steiermark, Leithaberg und Carnuntum mit 2023ern. Rekord auch beim Sekt: Erstmals erreichen drei österreichische Sekte 98 Punkte.
Weinguide 2027: Die Preisträger
Weingut des Jahres: Weingut Dorli Muhr, 2472 Prellenkirchen
Entdeckung des Jahres: Tamara Kögl, 8461 Ratsch an der Weinstraße
Freiheit des Jahres (beste alkoholfreie Alternative): Ex Sparkling, Familie Weixelbaum, 3491 Straß im Straßertale
Sekt des Jahres: Chardonnay Ried Schrickerberg Brut Sekt Austria Große Reserve 2021, Zuschmann-Schöfmann, 2223 Martinsdorf
Alternativer Wein des Jahres: Sauvignon Blanc Spätfüllung 2022, Georg Nigl, 2380 Perchtoldsdorf
Weinhändler des Jahres: Morandell, 6300 Wörgl
Hotelguide 2027: Die Hotels des Jahres
Auch der Hotelguide kürt seine Sieger. Hotel des Jahres ist das eriro in Ehrwald in Tirol.
Hotelguide 2027: Die Preisträger
Hotel des Jahres: eriro, 6632 Ehrwald
Ambiente des Jahres: Townhouse Weisses Kreuz, 5020 Salzburg
Neueröffnung des Jahres: The Companion, 1150 Wien
Familienhotel des Jahres: Reiters Finest Family Hotel, 7431 Bad Tatzmannsdorf
Gourmethotel des Jahres: Genießerhotel Bergergut, 4170 Afiesl
Grünes Hotel des Jahres: Naturhotel Forsthofgut, 5771 Leogang
Longevity-Hotel des Jahres: Vivamayr Medical Health Resort, 9082 Maria Wörth
Wellnesshotel des Jahres: Stanglwirt Bio- & Wellnessresort, 6353 Going am Wilden Kaiser
Südtirol: Sonderpreise vorab
Der Restaurant- und Hotelguide Südtirol 2027 erscheint im Februar 2027 erstmals gemeinsam mit Gault&Millau Italien. Drei Sonderpreise wurden bereits in Wien vergeben:
Culinary Ambassador Südtirol: Marc Bernhart, Mamesa im Hotel Weisses Kreuz, Burgeis/Mals
Rising Star Südtirol: Kevin Trafoier, Kuppelrain, Kastelbell
Hotel des Jahres Südtirol: Ansitz Heufler by Niederkofler, Rasen-Antholz
Preise und Erscheinungstermine
Restaurant-, Wein- und Hotelguide im 3er-Paket: 49 Euro, erschienen am 20. Oktober 2026 (Restaurantguide 768 Seiten, Weinguide 416 Seiten, Hotelguide 528 Seiten)
Hotelguide Österreich 2027: 9,90 Euro, erschienen am 1. Oktober 2026
Restaurant- und Hotelguide Südtirol 2027: 14,90 Euro, erscheint im Februar 2027
Herausgeber: Martina und Karl Hohenlohe
Quelle: Gault&Millau Österreich. Weitere Quelle (Fünf-Hauben- und 18,5-Punkte-Liste): 1000things.at, meinbezirk.at
