Viele Eltern beschäftigt die Frage, wie sie ihre Kinder fit fürs Leben machen können. Was muss der Nachwuchs schon möglichst früh lernen, um später einen Startvorteil zu haben? Kinder auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten, kann eine Herausforderung sein. Schließlich heißt das für die Erwachsenen, nach und nach Verantwortung abzugeben und ihren Sprösslingen immer mehr Vertrauen zu schenken.
Was müssen Kinder für später wirklich lernen?
Grob kann man zehn Kategorien identifizieren, in denen der Nachwuchs bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres halbwegs sattelfest sein sollte:
Umgang mit Geld
Zeitmanagement
Konfliktlösung
Verantwortung
Kommunikation
Kochen und Ernährung
Gesundheit
Haushalt
Digitale Sicherheit
Arbeit
Je nachdem, wie alt die Kinder bereits sind, kann man ihnen schon früh aus jeder Kategorie unterschiedliche Fähigkeiten und Aufgaben zutrauen. Schon im Kindergarten können Kinder lernen, um Hilfe zu bitten, über Gefühle zu sprechen, Spielzeug am Ende eines Tages wieder zurück an seinen Platz zu legen und Frustration auszuhalten. Besonders wichtig ist in diesem Alter die Erkenntnis, dass eigene Taten Konsequenzen haben.
Im Volksschulalter kann langsam der Umgang mit Geld in Angriff genommen werden: Sparen, Preisvergleiche und die Verwaltung des eigenen Taschengelds sind wichtige erste Schritte. In diesem Alter kann das Kind sein Geschirr schon in die Geschirrspülmaschine räumen, Müll trennen und das Kinderzimmer halbwegs in Ordnung halten. Anhand von Hausübung, Schule und Freizeitaktivitäten kann geübt werden, Zeit einzuteilen und Termine einzuhalten. Eltern sollten ihrem Nachwuchs schon früh die Zeit geben, bei Problemen eigene Ideen oder Lösungsstrategien zu entwickeln. In der Volksschule können die meisten Kinder schon ihren Schulweg bewältigen und wissen, wie man Smartphones bedient.
Fähigkeiten und Fertigkeiten ab der 5. Schulstufe
Ab ca. zehn Jahren kann man dem Nachwuchs zutrauen, den Wecker selbst zu stellen und sich morgens für die Schule allein fertig zu machen. Butterbrot schmieren und Jause herrichten, den Geschirrspüler einschalten, im nahegelegenen Supermarkt kleine Einkäufe tätigen, Öffis nutzen, vielleicht sogar ein eigenes Konto verwalten: All diese Fertigkeiten sind nicht nur Selbstzweck und Übung für später, sondern geben Kindern zusätzlich Selbstbewusstsein. Sie fühlen sich schon ganz "groß".
Fit fürs Leben, schon als Teenager
Die Pubertät ist in vielerlei Hinsicht ein Meilenstein. Viele Eltern erkennen dann ihre an sich so lieben Kinder nicht mehr. Keine Sorge, bei den meisten Konflikten handelt es sich um Abnabelungsprozesse. Den Sprösslingen mehr Verantwortung zu übertragen und ihnen mehr Freiraum zu lassen, kann helfen. Ohnehin ist jetzt die Zeit gekommen, in der sie sich schon besonders reif fühlen möchten.
Mit 15 sind sie alt genug, um die Funktionsweise von Bankkonten zu verstehen, Termine (z.B. beim Zahnarzt) zu vereinbaren, größere Einkäufe zu machen, einfache Speisen zu kochen, Notfälle zu erkennen, Wäsche zu waschen und Deadlines zu verstehen, die in der Zukunft liegen. Jetzt sollte auch Medienkompetenz sitzen: Teenager müssen verstehen, wie Fake-News funktionieren, wie man seriöse Quellen erkennt, welche Internet-Scams es gibt und wie man sich sicher im Internet bewegt.
Fast erwachsen
Zwischen 16 und 18 ist es an der Zeit zu verstehen, wie größere Zusammenhänge funktionieren: Was kostet eine Wohnung (Miete, Strom), warum bezahlt man welche Steuern, wie kalkuliert man ein Monatsbudget, wie baut man einen finanziellen Polster auf, wie funktionieren Versicherungen, warum ist Gesundheitsvorsorge wichtig, wie erledigt man Behördenwege?
Für liebevolle Eltern besteht die große Aufgabe nicht darin, ihrem Nachwuchs alles abzunehmen, sondern die richtige Balance zwischen Unterstützung und Eigenverantwortung zu finden. Viele Kinder sind schon früh selbstständiger als andere. Der Weg zum Erwachsenwerden ist aber kein Sprint oder Wettbewerb. Eltern kennen Ihre Sprösslinge am besten und wissen daher, welches Maß an Verantwortung sie ihnen wann übertragen können.
