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Soziale Netzwerke wie Instagram, Tiktok, Linkedin und Co. verstärken das oft. Dort sieht man häufig inszenierte Momentaufnahmen - makellose Selfies, Traumurlaube, Erfolgsgeschichten. Dass sie kaum die Realität widerspiegeln, gerate aber oft in Vergessenheit und erhöhe den Druck, sagt die Psychologin Sonia Jaeger. Orientierung oder Motivation findet man dadurch selten; meist fühlt man sich sogar schlechter.
Das Vergleichen gab es zwar schon vor Social Media, doch "die Schwierigkeit bei Social Media ist, dass es einfach maximal verfügbar ist", sagt Elisabeth Dallüge, Psychologische Psychotherapeutin. Innerhalb von Minuten können wir uns mit Hunderten von Menschen messen.
Algorithmen verstärken das, indem sie bevorzugt Inhalte zeigen, die wir bereits kennen, weil eine entsprechende Präferenz bei uns festgestellt wurde: "Und wenn die Präferenz auf den eigenen Unsicherheiten basiert, kriege ich natürlich noch mehr davon vorgeschlagen", so Dallüge.
Gerade in Phasen von Umbrüchen kann das Druck und Wertung erzeugen - etwa in Themen wie Elternschaft oder Beziehung, wo Normen vermittelt werden, an denen man sich messen soll, so Dallüge.
Was dagegen hilft?
- Sich klarzumachen, dass wir auf Social Media meist nur inszenierte Ausschnitte sehen, die unrealistische Maßstäbe setzen
- Radikale Akzeptanz, dass es immer Menschen geben wird, die in bestimmten Bereichen besser sind oder mehr haben als wir
- Eigene Erfahrungen, Stärken und Entwicklung bewusst reflektieren, etwa mit einem Dankbarkeitstagebuch
Außerdem wichtig: Social Media kann Elisabeth Dallüge zufolge auch Chancen eröffnen. Denn soziale Medien erlauben auch Vergleiche mit Menschen, die früher weniger sichtbar waren - etwa zu sexueller Identität oder Diskriminierungserfahrungen. Und manchmal könne ein Vergleich auch tröstlich sein, weil er zeigt, dass man mit seinen Erfahrungen nicht allein ist.
BERLIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/gms/Niklas Graeber/Niklas Graeber