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Vor rund zwei Wochen hat eine kanadische Studie im "New England Journal of Medicine", an der auch ein Innsbrucker Neurologe als Co-Autor beteiligt gewesen war, für Aufsehen gesorgt. In einer großen Wirksamkeitsuntersuchung mit 12.327 Patienten hatte die tägliche Einnahme des Medikaments Asundexian im Vergleich zu Placebo zu einer Verringerung der Häufigkeit weiterer Schlaganfälle um 26 Prozent geführt. Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Ursachen (Herzinfarkt, Schlaganfall) gab es während der Beobachtungszeit in der Asundexian-Gruppe mit einer Häufigkeit von 9,2 Prozent, in der Placebo-Gruppe bei 11,1 Prozent der Studienteilnehmer, was einer ebenfalls statistisch signifikanten Verringerung der Häufigkeit um 17 Prozent entsprach. Die Gesamtsterblichkeit (alle Ursachen, Herzinfarkt, Schlaganfall) reduzierte sich von 12,3 Prozent auf 10,5 Prozent.
Der Wirkstoff hemmt den Blutgerinnungsfaktor XIa und soll zusätzlich zu Arzneimitteln zur Hemmung der Blutplättchen und somit zur Blockade der Bildung von Blutgerinnseln verwendet werden. Vorerst zielt diese Strategie auf die Verhinderung weiterer Schlaganfälle nach einem ersten derartigen Akutereignis ab.
"Trotz Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Zwischenfälle (Sekundärprävention; Anm.) erleiden 5,1 Prozent der Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall (Thrombusbildung im Gehirn; Anm.) oder einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA; oft als Vorstufe zu einem Schlaganfall bezeichnet; Anm.) innerhalb eines Jahres einen (erneuten) Schlaganfall. Fünf Jahre nach einem leichten Schlaganfall oder einer TIA sind etwa 22 Prozent der Überlebenden verstorben oder behindert", schrieben Mukul Sharma von der McMaster Universität in Hamilton in der kanadischen Provinz Ontario und seine Co-Autoren im "New England Journal of Medicine". Derzeit erleiden in Österreich pro Jahr zwischen 20.000 bis 25.000 Menschen einen Schlaganfall.
Mike Sharma von der McMaster University hat die Daten aus der Studie für die Konferenz in Maastricht noch einmal aufgegliedert. So zeigte sich, dass der Blutgerinnungsfaktor-Hemmer nicht nur weitere Schlaganfälle verhinderte. Kam es trotz aller Bemühungen zu einem weiteren derartigen Ereignis, war es bei den Probanden unter Behandlung mit Asundexian nicht so schwer. Bei 22,9 Prozent war der Schlaganfall größer als der Wert 8 auf einer 42 Punkte umfassenden Bewertungsskala. In der Placebogruppe war das bei 30,3 Prozent der Personen mit einem weiteren Insult der Fall.
"Asundexian verringerte auch das Auftreten von Schlaganfällen, die zu Invalidität führten, um 31 Prozent", hieß es in einer Aussendung der Europäischen Schlaganfallorganisation. "Die Daten deuten darauf hin, dass wir mit der Blockade von Faktor XIa nicht nur weitere Schlaganfälle verhindern, sondern im Fall des Falles weniger Schaden entsteht. Das Faktum, dass wir das ohne ein größeres Blutungsrisiko schaffen, ist ein bedeutender Fortschritt in der Sekundärprävention nach einem Schlaganfall", sagte Sharma.
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