Während immer weniger Österreicher in die USA reisen, bemüht sich die heimische Tourismuswirtschaft weiter intensiv um ausgabefreudige Gäste aus den Vereinigten Staaten; verstärkt auch im Winter – bislang mit Erfolg, aber ungewissen Aussichten.
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Seit Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump haben die USA als Reiseziel für Europäer stark an Attraktivität verloren. Ruefa-Geschäftsführer Michele Fanton berichtet, dass die Verkehrsbüro Travel-Sparte im Vorjahr ein Minus von 20 Prozent bei USA-Buchungen hinnehmen musste. „Das wird sich heuer tendenziell fortsetzen; womit sich die USA-Umsätze bis 2027 gegenüber 2024 wohl halbieren werden.“ Auch Gottfried Math, Österreich-Chef des TUI-Konzerns spricht von einem Minus im zweistelligen Bereich bei Buchungen in die Vereinigten Staaten.
Relevante und finanzstarke Zielgruppe
Doch wie sieht es umgekehrt aus? Sollten Amerikaner wegen der transatlantischen Dissonanzen Europa meiden, wäre das für Österreichs Tourismus ausgesprochen negativ – sind doch die Amis eine besonders potente Zielgruppe. Und liegen mit 2,6 Millionen Nächtigungen auf Platz zehn in der heimischen Gästestatistik.
Besonders erfreulich ist, dass US-Gäste in der Luxushotellerie, gemessen am Beherbergungsumsatz, auf Platz eins liegen

Norbert Kettner
© HANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.comIn der Bundeshauptstadt sind die USA der aufkommensstärkster Fernmarkt und spielen im Kultur- und Kongressbereich, aber auch im Luxussegment eine zentrale Rolle, so Wien Tourismus-Geschäftsführer Norbert Kettner: „Die vergangenen Jahren waren durch ein nachhaltiges Nächtigungswachstum gekennzeichnet, das auch 2025 ungebrochen blieb.“
Besonders erfreulich sei, dass US-Gäste in der Luxushotellerie, gemessen am Beherbergungsumsatz, auf Platz eins liegen, so Kettner: „Knapp 70 Prozent nächtigen in der Vier- und Fünf-Stern-Hotellerie.“ Mit 1,26 Millionen Nächtigungen lagen die USA 2025 an dritter Stelle der Wiener Herkunftsmärkte – nach Deutschland und Österreich. Prognosen, wie es künftig weitergeht, will Kettner jedoch keine abgeben. Stattdessen wird weiter intensiv entlang der Themen Kultur, Luxus und Meetingindustrie um finanzstarke Amis geworben. Etwa mit der Kampagne „Waltz into Space“: Gemeinsam mit den Wiener Symphonikern und der European Space Agency wurde der Donauwalzer ins All geschickt. Samt einem Walzerkurs unter freiem Himmel und einem Public-Screening des Konzerts in New York.
Auch bei Österreich Werbung (ÖW) sind bislang keine Auswirkungen auf das Reiseverhalten amerikanischer Gäste nach Österreich erkennbar, sagt Sprecherin Tanja Gruber. Auch der Trend für 2026 sehe positiv aus. Das Interesse der Tourismusbetriebe an US-Touristen sei groß: Diese stammen überwiegend aus einem kaufkräftigen, höher gebildeten und sozial stabilen Umfeld, das sich auch in herausfordernden Zeiten durch eine hohe Reisebereitschaft auszeichnet. Mit rund 333 Euro pro Kopf und Tag geben sie im Österreich-Urlaub fast doppelt so viel aus wie der durchschnittliche Gast, so die ÖW.
Kampagne zu Skiurlaub in Österreich
US-Gäste kommen aber nicht nur wegen Kultur und Kulinarik nach Österreich, sondern verstärkt auch zum Skifahren. Weshalb die ÖW eine US-Winterallianz initiiert hat, an der sich elf heimische Top-Skigebiete beteiligen – von Arlberg und Paznaun-Ischgl, über Kitzbühel, Schladming-Dachstein, Saalbach-Hinterglemm bis zu Montafon oder Obertauern. Eine Social-Media-Kampagne mit dem Titel „Ski Austria Like a Local – Chasing the Austrian Lebensgefühl“, bei der authentisches Wintererlebnis aus Sicht der Einheimischen im Fokus steht, soll den Amis Lust auf einen Winterurlaub hierzulande machen.
Wir punkten im US-Vergleich mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis und einem qualitativ hochwertigen Gesamtangebot

Mario Siedler
© APA-Images / Pressefoto Scharinger / Daniel Scharinger„Der US-amerikanische Markt gewinnt im Rahmen unserer Internationalisierungsstrategie zunehmend an Bedeutung. Nordamerika zählt zu den Fernmärkten mit großem Wachstumspotenzial für den alpinen Wintertourismus in Österreich – insbesondere bei qualitätsbewussten, kaufkräftigen Gästen, die längere Aufenthalte planen und Schneesicherheit suchen“, sagt Mario Siedler, Tourismusdirektor von Obertauern, das seit heuer neu bei der Kampagne mit dabei ist. „Neben der sehr guten Erreichbarkeit über internationale Flugverbindungen punkten wir im US-Vergleich mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis und einem qualitativ hochwertigen Gesamtangebot.“
Ähnliches ist auch aus St. Anton am Arlberg, das schon seit den 1930er-Jahren in den USA einen hohen Bekanntheitsgrad genießt, zu hören: „Der amerikanische Markt ist für uns besonders wichtig. Vor allem Gäste von der Ostküste reisen vermehrt an den Arlberg“, sagt Tourismusdirektor Martin Ebster: „In der Wintersaison 2024/25 haben US-Gäste mit 44.426 Nächtigungen Rang 7 von 52 in der Nächtigungsstatistik belegt.“
Neben der Bekanntheit der Region sei die einfache Anreise mittels Flugzeug nach Zürich und von dort in nur zwei Stunden mit dem Zug nach St. Anton eines der schlagenden Argumente. Zudem gebe es eine Städtepartnerschaft mit Vail und starke Verbindung zu Aspen. Ebster hofft, dass sich der Aufwärtstrend weiter fortsetzt, will sich aber ebenfalls auf keine Prognosen einlassen: „In diesen unsicheren Zeiten sind immer Überraschungen möglich, sodass jede Antwort nur auf Mutmaßungen beruht.“
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 06/2026 erschienen.







