Mythen von

Die häufigsten
Zecken-Irrtümer

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Heuer wird es kein "Zecken-Superjahr" geben. Das ging aus der aktuellen Prognose von Forschern der Vetmeduni Vienna hervor. Warum man dennoch Zecken niemals zerquetschen sollte und man auch außerhalb der "Zeckengebiete" nicht sicher ist. Wir räumen mit Irrtümern auf.

So sollen es 236 Zecken pro 100 Quadratmeter Wald- bzw. Wiesenareal werden, wie Franz Rubel vom Institut für Öffentliches Veterinärwesen sagte. 2018 hatte es mit 422 gefundenen Tieren pro 100 Quadratmeter ein besonders starkes Zeckenjahr gegeben. Der Schein trügt aber.

Irrtum Nr. 1: Zecken sitzen in den Bäumen

"Ihren Wirt finden Zecken in der Regel auf der Spitze von Grashalmen, auf Büschen und anderen Pflanzen, bis zu einer Höhe von etwa 1,5 Metern. Meist sogar darunter. Eine Wiese ist somit ein typischer Aufenthaltsort", klärt Dr. Georg Duscher vom Institut für Parasitologie auf. Wer also meint, die Zecke sitzt, auf Mensch oder Tier wartend, in einem Baum, um sich, sobald das potenzielle Opfer vorbeispaziert, auf dieses herabfallen zu lassen, der irrt. Das Einzige, wovon sich Zecken herabfallen lassen, sind die Wirte, also Igel, Hund, Mensch und Co., selbst.

Irrtum Nr. 2: Städter müssen sich nicht impfen lassen

Damit wären wir auch schon beim nächsten Irrglauben: Viele meinen, sie müssten sich nicht impfen zu lassen, weil sie erstens in der Stadt leben und zweitens ohnehin nie im Wald spazieren gehen. Das Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden, besteht trotzdem. "Die Parkwiese oder die Parkbank sind ebenfalls 'Überfallsplätze' für Zecken", warnt Duscher. Besonders wohl fühlen sich Zecken in einer schattigen, naturbelassenen Wiese. Noch besser, wenn diese mit Laub bedeckt ist. Doch auch ein gepflegter, nicht allzu sonniger Rasen bietet Zecken Heimstatt.

Irrtum Nr. 3: Zecken beißen

Klar, man sagt Zeckenbiss. Anatomisch gesehen stimmt diese Bezeichnung aber nicht. Denn Zecken beißen nicht - sie stechen. Genauer gesagt ritzen sie mit ihrem Mundwerkzeug eine kleine Öffnung in die Haut, in die sie dann ihren Rüssel hineinstechen. "Dieser ist mit Widerhaken besetzt und wird mittels einer Substanz, die als Zement bezeichnet wird, in die Wunde des Wirtes geklebt", erklärt Duscher. Ein Mix aus Gerinnungshemmern und Schmerzmitteln sorgt schließlich dafür, dass die Zecke einige Tage lang ungestört saugen kann.

Irrtum Nr. 4: Wer sich einsprüht, ist geschützt

Diverse Sprays, die man auf Haut oder Kleidung aufträgt, können das Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden, verringern. Gänzlich eliminieren können sie es aber nicht. "Gegen FSME bietet nur die adäquat durchgeführte Impfung wirklichen Schutz", betont Duscher. Anders bei Borreliose. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff. Hier hilft nur regelmäßiges Absuchen von Körper und Kleidung und - im Falle des Falles - rasches Handeln. Die Übertragung der Erreger dauert einige Stunden. Je rascher die Zecke also entfernt wird, desto besser. Apropos Kleidung: Wussten Sie, dass Zecken eine Maschinenwäsche von bis zu 40 °C überstehen?

Irrtum Nr. 5: Zecken am besten mit Öl entfernen

Prinzipiell gilt also, die Zecke so rasch wie möglich zu entfernen. "Allerdings nicht mit Hilfe von Chemikalien, Öl oder Alkohol", betont Duscher. Vermeintliche Hilfsmittel würden die Entfernung lediglich verzögern. Zumal ihr positiver Effekt nicht belegt ist. Der Experte empfiehlt die Verwendung einer Pinzette oder einer Zeckenzange. Setzen Sie sie so weit vorne wie möglich an und ziehen Sie das Tier mit einer leichten Drehbewegung aus der Haut. Auch Hin- und Herdrehen hilft - und zwar beim Lockern der an den Mundwerkzeugen der Zecke angebrachten Widerhaken.

Irrtum Nr. 6: Zecken sollte man zerquetschen

Zecken sollte man weder nach dem Entfernen und schon gar nicht währenddessen quetschen. Dass Erreger durch das Quetschen in die Wunde gedrückt werden, ist zwar ein Irrglaube. Es könnte aber dazu führen, dass der Körper des Tieres geöffnet wird. "In diesem Fall besteht eine gewisse Gefahr, dass dadurch Erreger freigesetzt werden", die dann durchaus in die Wunde gelangen können. Insofern sollte man Zecken auch nicht zwischen den Fingernägeln zerdrücken. Ebenso wenig empfiehlt es sich, sie in der Toilette hinunterzuspülen. "Denn das tötet die Zecken nicht ab, da sie bis zu 21 Tage unter Wasser leben können." Gute Dienste erweist dagegen ein Klebestreifen: die Zecke an ihm fixieren und im Hausmüll entsorgen.

Irrtum Nr. 7: Kinder müssen nicht geimpft werden

Im Gegenteil! "Gerade die Kleinsten sind beim Herumkrabbeln im Gras verstärkt der Zeckengefahr ausgesetzt", warnt Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer. Genauso wie bei Erwachsenen kann eine FSME-Infektion auch bei Kindern zu folgenschweren Erkrankungen wie etwa einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, einer Rückenmarks-, einer Nerven- oder Nervenwurzelentzündung und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. Es empfiehlt sich daher dringend, Kinder ab dem ersten Lebensjahr impfen zu lassen.

Irrtum Nr. 8: Außerhalb der "Zeckengebiete" ist man sicher

"Das Infektionsrisiko ist in ganz Österreich hoch. Erst im Vorjahr wurden in Oberösterreich gleich mehrere neue Infektionsorte entdeckt - alle abseits der Gebiete, von denen man schon wusste, dass dort FSME-infizierte Zecken vorkommen", so Schmitzberger. Was für die Gebiete gilt, gilt übrigens auch für die Jahreszeiten. Wer meint, Zeckengefahr bestünde nur während der warmen Jahreszeit, der irrt. Zecken können schon ab einer Temperatur von 7 °C aktiv werden. "Gerade in milden Wintern kann man also nicht einmal dann sicher sein", mahnt Mag. Suanne Ergott-Badawi von der Österreichischen Apothekerkammer.