Endlich abschaffen von

In diesen Produkten
steckt Kinderarbeit

Welttag gegen Kinderarbeit soll Konsumenten auf Leid der Kinder aufmerksam machen

Kinderarbeit in Ghana © Bild: Südwind/Christina Schröder

Handys, Kakao, Zucker, Baumwolle - in vielen Produkten des alltäglichen Konsumlebens steckt Kinderarbeit. Laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) tragen weltweit rund 168 Millionen Kindern zum Familieneinkommen bei. NGOs machen anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit auf das Leid dieser Kinder aufmerksam.

» Es wurde versprochen der Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 ein Ende zu setzen«

Die Hilfsorganisation "Jugend Eine Welt" ruft anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni zum Kauf von Produkten aus fairem Handel auf: Insbesondere auch Großverbraucher wie Vereine, Kantinen oder Kirchengemeinden sollten nach Möglichkeit auf die Produktwahl achten, wie die Organisation in einer Aussendung mitteilt. "193 Staaten, darunter Österreich, haben 2015 im Rahmen der Nachhaltigen Entwicklungsziele versprochen, Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 ein Ende zu setzen und so rasch wie möglich gegen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit vorzugehen", sagt Reinhard Heiserer von Jugend Eine Welt. Doch noch immer würden mindestens 128 Produkte in 74 Ländern von Kindern hergestellt, oft unter lebensgefährlichen Bedingungen und mit minimaler oder keiner Bezahlung. "Wir appellieren an Wirtschaftsbetriebe beziehungsweise den Handel, Transparenz in ihren Lieferketten einzufordern und faire Produkte verstärkt in ihr Angebot aufzunehmen", teilt Reinhard Heiserer mit.

Kinderarbeit, Mädchen in Benin
© Jugend Eine Welt Ein Mädchen bei der Feldarbeit in Benin (Westafrika)

Smartphones auf Kosten von Minenkindern

Die Hilfsorganisation fördert in etlichen Ländern Don Bosco-Projekte, die Kindern und Jugendlichen den Ausstieg aus missbräuchlichen Arbeitsverhältnissen ermöglichen und ihnen über Schul- und Berufsausbildung eine zweite Chance geben - so auch in der Demokratischen Republik Kongo. Der Staat ist das wichtigste Herkunftsland der für Mobiltelefone nötigen Rohstoffe Coltan und Kobalt. Nahe der Kleinstadt Rubaya in der Region Nord-Kivu hat Don Bosco eine kleine Schule neben einer Coltan-Mine errichtet, die von rund 80 "Minenkindern" besucht wird, wie "Jugend Eine Welt" berichtet. "Die Jungen arbeiten in den Minen, die Mädchen machen Essen und arbeiten leider häufig als Prostituierte. Die meisten Kinder stammen aus armen, entwurzelten Familien oder kommen aus Flüchtlingslagern, wo sie keine Perspektive für sich sehen", sagt "Jugend Eine Welt"-Projektpartner Pater Dominique Kubuya. Nun soll mit Hilfe aus Österreich auch ein kleines Mädchenhaus neben der Mine errichtet werden, in dem Mädchen, die schlimme Gewalterfahrungen machen mussten und häufig von ihren Familien verstoßen wurden, Schutz finden (Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf www.jugendeinewelt.at).

Die Kinderschützer mahnen auch große Mobilfunk-Anbietern zu mehr Verantwortung: Während "Drei" oder "A1" bis jetzt nicht die Möglichkeit anbieten, sich für ein "Fairphone" - ohne Kinderarbeit - zu entscheiden, hat "T-Mobile" ein solches im Repertoire.

Kinderarbeit in Indien
© Jugend Eine Welt Zwei indische Buben bei Flechtarbeiten

Kinderarbeit in der Kakaoproduktion

Aber nicht nur in der Mobilfunkbranche spielt Kinderarbeit eine Rolle. Die Umweltschutzorganisation "Global 2000" fordert nun erneut die Abschaffung der Kinderarbeit im Kakaoanbau und appelliert an Supermärkte ihre Eigenmarken-Schokoladen auf Fairtrade umzustellen. Konsumenten können sich beim Kauf von Schokolade zum Beispiel an dem von "Global 2000" und der Nicht-Regierungsorganisation "Südwind" veröffentlichten Schokoladen-Check orientieren. 24 Eigenmarken-Schokoladen wurden bei dem Test nach ihrer ökologischen und sozialen Qualität bewertet. "Um Kinderarbeit auszuschließen und ein faires Einkommen für Bäuerinnen und Bauern sicherzustellen, sollten Konsumentinnen und Konsumenten beim Kauf ihrer Schokolade auf das Fairtrade-Siegel achten", sagt Stefan Grasgruber-Kerl von Südwind.

43 Prozent der weltweit produzierten Schokolade wird in Europa konsumiert. 8,5 kg Schokolade isst durchschnittlich jeder Österreicher pro Jahr. Der Großteil der Kakaobohnen (73 Prozent) kommt wiederum aus Afrika. Laut einem Bericht der Tulane Universität, USA (2015) arbeiten allein in der Elfenbeinküste und in Ghana mehr als zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen. "Das Schleppen von bis zu 50 kg schweren Säcken verursacht bei Kindern schwere Rückenschmerzen und mitunter Leistenbrüche. Die Verletzungsgefahr durch die gefährlichen Erntegeräte, wie Macheten ist besonders bei Kindern groß. Der massive Einsatz von Pestiziden lässt die Gesichter der Kinder aufquellen", schildert Grasgruber-Kerl.

Bereits 2001 haben sich laut NGOs alle großen Schokolade-Unternehmen mit dem Harkin-Engel-Protokoll auf die Abschaffung der Kinderarbeit im Kakaoanbau geeinigt. Zwischen 2008 und 2014 sei jedoch die Anzahl der Kinder, die im Kakaoanbau tätig sind, weiter gestiegen, wie das Ergebnis der Untersuchungen der Tulane Universität zeigt. Die Frist für die Umsetzung des Harkin-Engel-Protokoll läuft 2020 endgültig aus. "Die Unternehmen müssen jetzt handeln. Eine bessere Zukunft für zwei Millionen Kinder muss endlich Realität werden", sagt Grasgruber-Kerl.

Im nordindischen Distrikt Haryana gibt es rund 500 Ziegelfabriken, in denen Kinder und Jugendliche ausgebeutet werden. Video: Kinderarbeit in Ziegelfabriken in Indien (Aufnahmen aus dem Jahr 2010):