Der Unten-ohne-Trend

Der Trend liegt bei nackten Tatsachen: Über 97 Prozent der jungen Frauen und fast 80 Prozent der jungen Männer entledigen sich einer Leipziger Studie zufolge schon routinemäßig und selbstredend ihrer Körperbehaarung in mindestens einem Bereich ihres Körpers, die Bartrasur bei Männern ausgenommen. Stellt sich die Frage: warum?

von Dr. Monika Wogrolly © Bild: Matt Observe/News

Ein schwarzes Haar auf der großen Zehe von Heidi Klum entfachte vor einigen Jahren Diskussionen im Internet. Als sich ein schwedisches Model bei einer Promotion-Kampagne mit unrasierten Beinen zeigte, hagelte es Shitstorms. Kein Wunder, dass die meisten Frauen heutzutage fraglos zu Pinzette, Rasierer und Epilierer greifen. Oder sich nicht gerade angenehmen Waxing-Prozeduren unterziehen. Verbessert eine Intimrasur das sexuelle Empfinden, oder stört das eher beim Liebesspiel? Schamhaare erfüllen zahlreiche Aufgaben und gelten im Wandel der Zeiten immer wieder, je nach biopsychosozialer Tendenz, als mehr oder auch für Gesundheit und optimale Hygiene immer häufiger komplett rasiert. Im weniger schön oder als unschön bis ekelhaft. Schamhaar wird heute mutmaßlich Folgenden wenden wir uns "Pro und Contra Schambehaarung" zu, um zu verstehen, warum sich vor allem Frauen, aber auch Männer zusehends der natürlichen Körperbehaarung entledigen.

1. Natürlicher Filter. Das Haar im Genitalbereich ist überaus empfindlich und filtert Bakterien und Keime, weshalb die Annahme besteht, dass so das Risiko sexuell übertragbarer Krankheiten gemindert wird.

2. Reibung. Schamhaar reduziert die Reibung beim Laufen und beim Sex. In Liebesbeziehungen ist zweifelsohne wichtig, dass die Funken sprühen. Weniger wünschenswert ist, wenn man sich vor Begierde verzehrt und dann aneinander aufreibt. Somit macht die Behaarung im Intimbereich durchaus Sinn.

3. Ästhetik. Das Schönheitsideal eines marmorglatten Körpers ist seit der Steinzeit etabliert. Schon da wurden eigens zurechtgeschliffene Steine zur Haarentfernung genutzt. Der Modetrend in den westlichen Ländern geht immer mehr zu nackten Tatsachen, wogegen in den siebziger Jahren der "haarige Busch" im Trend lag: Und gerade bei Frauen für Selbstbewusstsein sprach, die sich Achselhöhle und die Scham eben bewusst "schamlos" buschig beließen.

4. Temperaturausgleich. Schamhaare sorgen für Temperaturregelung, so dass es sich an den Geschlechtsorganen beim Nacktsein "wohltemperiert" anfühlt - weder unterkühlt noch überhitzt. Insgesamt bieten Schamhaare Schutz vor Licht, Kälte und Hitze.

5. Duftstoffe. Eine weitere Funktion, die dem Schamhaar zugeordnet wird, ist die Verteilung von menschlichen Duft-oder Lockstoffen, den so genannten Pheromonen, was für die sexuelle Anziehungskraft durchaus vorteilhaft sein kann.

6. Gruppendynamik. Psychologisch gesehen besteht gegenwärtig ein "Gruppenzwang". Und die Nacktheit der Geschlechtsorgane ist zur ästhetischen Norm geworden, die viele zur Komplettrasur treibt.

7. Unterwerfung. Es mag ein Zeichen der Unterwerfung sein, sich als Frau "nackt, unschuldig und schutzlos" dem Mann beim Sex hinzugeben.

8. Emanzipation und Selbstbestimmung. Ganz im Gegensatz dazu kann das optische Outing des blanken weiblichen Genitals eine Form von Emanzipation und Selbstbestimmung sein. Gegen mehr Selbstwertgefühl bei Frauen spricht der mit der Schamhaarentfernung zunehmende Trend zu Intimoperationen. Dabei soll die Vulva auf gar keinen Fall optisch auffällig sein, sondern schön dezent zurückhaltend wirken. Ziel scheint eine fast kindlich wirkende weibliche Scham zu sein, glatt und anonym wie bei Barbie.

Fazit: Sich der Schambehaarung zu schämen, zeugt aktuell von einem zunehmenden Selbstwertproblem, Stichwort Bodyshaming, und einem gesellschaftlichen Prinzip, Stichwort behaarte Klumsche Großzehe; was nicht nur eigentlich, sondern wirklich lächerlich ist. Am wichtigsten ist, individuell zu entscheiden. Und sich der Körperbehaarung eben keinesfalls zu schämen, ihre natürlichen Funktionen zu erkennen, unabhängig von aktuellen Trends -gleichermaßen zu haarigen oder nackten Tatsachen zu stehen, so, wie es sich gerade am besten anfühlt.

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