Leben von

So geht die "Generation Porno"
wirklich mit Sex um

Kein verfrühter Sex, Warten auf den Richtigen: Teenies sind eher konservativ

Teenie-Sex © Bild: istockphoto.com/Juhasz Peter

Teenies werden heutzutage nicht früher sexuell aktiv - viele warten auf den Richtigen. Verhütung ist Pflicht und ihre Ansprechpersonen in Sachen Aufklärung sind Eltern und Lehrer. Eine neue Studie zur Jugendsexualität in Deutschland zeigt: Die sogenannte "Generation Porno" ist in Sachen Sex verantwortungsbewusst und eher konservativ eingestellt.

Durchschnittsalter beim "ersten Mal"

Sexuelle Aktivitäten sind bei den unter den 14-Jährigen noch die Ausnahme: Nur 6 Prozent gaben an, schon Erfahrungen auf dem Gebiet gemacht zu haben. Bei den 17-Jährigen sieht die Sache schon anders aus: Mehr als die Hälfte hat in dem Alter das "erste Mal" hinter sich. "Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht", betont Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA.

BZgA-Studie Jugendsexualität 2015
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Unterschiede bei Frauen mit Migrationshintergrund. In der Studie wurde auch Augenmerk darauf gelegt, ob es dabei Unterschiede zu jungen Männern und Frauen mit ausländischen Wurzeln gibt. Die gibt es vor allem bei den Mädchen: Bei den Befragten mit Migrationshintergrund haben bei den 17-jährigen beispielsweise nur 44 Prozent ihre Jungfräulichkeit verloren, bei jungen Frauen deutscher Herkunft sind es mit 65 Prozent deutlich mehr.

Für Mädchen und junge Frauen aus Migrantenfamilien spielen daneben moralische Bedenken eine wichtige Rolle. Beispielsweise geben 28 Prozent das Motiv "vor der Ehe finde ich das nicht richtig" als Grund für die sexuelle Zurückhaltung an. Bei Mädchen und junge Frauen deutscher Herkunft trifft das in vier Prozent zu.

Für Mädchen und junge Frauen mit Migrationsgeschichte ist bis ins Erwachsenenalter hinein ein anderes Motiv relevant: die Angst, "dass die Eltern davon erfahren" (20 Prozent). Dieses Argument teilen Mädchen und junge Frauen aus deutschen Elternhäusern in jüngeren Jahren, mit zunehmendem Alter ist es weniger von Bedeutung.

Warum warten?

Eine feste Partnerschaft ist jungen Menschen beim 'ersten Mal' wichtig, erörtert Thaiss. Viele Mädchen und Jungen warten, bis sie den oder die "Richtige" finden.

BZgA-Studie Jugendsexualität 2015
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Teenies verhüten gut

Das Verhütungsverhalten der 14- bis 17-Jährigen ist ausgesprochen umsichtig. Über 90 Prozent der sexuell aktiven jungen Menschen sprechen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über Verhütung. Wie sehr sich das Verhütungsverhalten verbessert hat, zeigt der Langzeitvergleich, der für deutsche Jugendliche vorliegt: 1980 trafen 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Verhütungsvorkehrungen beim "ersten Mal", heute sind es nur noch sechs bzw. acht Prozent.

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Beliebtestes Verhütungsmittel. Das Kondom ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 25 Jahren mit deutlichem Abstand das Verhütungsmittel Nummer eins - und das noch vor der Pille.

Aufklärung: Lieber durch Eltern oder Schule?

Die Teens wissen - nicht zuletzt wegen vertrauten eindeutigen Bildern aus Pornos - technisch genau wie's geht - dieses Wissen schätzt Sexpertin Ann-Marlene Henning ("Make Love") aber eher oberflächlich ein, erklärt sie dem spiegel.de. Sie würden zwar vieles aufschnappen und nach Stellungen und Techniken fragen, alles verstehen würden sie aber nicht. "Aber die haben ein Gefühl dafür, dass es Show ist", erklärt Henning. Dennoch verglichen sich Jugendliche mit den Körpern aus Pornos und fühlten sich daher weniger wohl in ihrer Haut. "Der Druck da draußen steigt - OPs, Diäten - jetzt hat es auch noch die Jungs erfasst", so Henning.

"Das Elternhaus spielt bei der Sexualaufklärung eine wichtige Rolle. Eltern sind für ihre Kinder wichtige Vertrauenspersonen und eine zentrale Beratungsinstanz in Verhütungsfragen", sagt Dr. Thaiss. Je nach Herkunft leisten Eltern unterschiedliche Aufklärungsarbeit: Aktuell sprachen 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen deutscher Herkunft mit ihren Eltern über Verhütung, aber nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen aus Elternhäusern mit Migrationshintergrund.

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Aber auch der Institution Schule kommt eine wichtige Aufgabe zu: Im Schnitt geben 93 Prozent der Jugendlichen an, Themen der Sexualaufklärung im Unterricht besprochen zu haben. Auf die Frage nach der wichtigsten Bezugsperson im Rahmen ihrer Aufklärung gefragt, nennen Jungen Lehrer und Lehrerinnen an erster Stelle. Lehrer und Lehrerinnen sind gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund wichtige Bezugspersonen, weil ihnen vielfach die Eltern als Ansprechpartner fehlen.

Informationen zur deutschen Studie
Zum achten Mal wurden im Zeitraum Frühjahr bis Sommer 2014 im Auftrag der BZgA für die Studie 5.750 Interviews bundesweit geführt. 3.500 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie deren Eltern und 2.250 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren wurden zu ihrer Einstellung und ihrem Verhalten zu Fragen der Sexualität und Verhütung befragt. 1.750 davon mit Migrationshintergrund. Damit sind Jugendliche und junge Erwachsene gemeint, die selbst nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder bei denen mindestens einer der Elternteile bei Geburt nichtdeutscher Staatsangehöriger war.

Link zur Studie

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