NEWS-Exklusiv: Die Mutter von Natascha Kampuschs Entführer im großen Interview

Waltraud Priklopil erstmals über Leben ihres Sohnes "Er muss wohl geistig schwer krank gewesen sein"

NEWS-Exklusiv: Die Mutter von Natascha Kampuschs Entführer im großen Interview © Bild: NEWS/Deak

Das sagt sie seinem Opfer: ,Ich wünsche mir nichts mehr auf der Welt, als dass Natascha Kampusch glücklich wird.‘

NEWS: Frau Priklopil, Ihr Sohn zeichnet für einen der aufsehen­erregendsten Fälle der Kriminalgeschichte verantwortlich …
Waltraud Priklopil: Das, was Wolfgang getan hat, empfinde ich
als genauso grauenhaft wie jeder andere Mensch auf dieser Welt. Dennoch, ich bin, ich war seine Mutter. Ich liebte meinen Sohn, ich liebe ihn immer noch, und ich trauere um ihn. Aber ich habe seine Tat nicht begangen, mit ihr nichts zu tun – und trotzdem sind bis heute Journalisten hinter mir her, als wäre ich eine Verbrecherin.

NEWS: Inwiefern?
Waltraud Priklopil: Reporter lauern am Grab meines Sohnes, warten dort auf mich. Sogar beim Begräbnis meiner Mutter waren Fotografen anwesend, schossen im Geheimen Bilder von mir, folgten mir dann bis an meine neue Adresse, drangen sogar bis zu meiner Wohnung vor, hielten ihre unerlaubt von mir gemachten Fotos vor den Türspion, drohten, sie meinen Nachbarn zu zeigen und ihnen zu eröffnen, dass ich die Mutter von Natascha Kampuschs Kidnapper bin – wenn ich sie nicht einlasse.

NEWS: Dort, wo Sie jetzt leben, weiß also niemand, wer Sie sind …
Waltraud Priklopil: Das soll, darf kein Fremder jemals erfahren. Nachdem das Verbrechen meines Sohnes bekannt geworden war, musste ich in die Anonymität flüchten, einen anderen Namen annehmen.

NEWS: Wenn Sie in Ihrem neuen Umfeld jemand nach Ihrer Geschichte fragt – was erzählen Sie?
Waltraud Priklopil: Nicht viel. Ich erkläre, dass ich einmal eine kleine Familie hatte, einen Mann und einen Sohn, und dass beide gestorben sind.

NEWS: Am 23. August wird es zwei Jahre, dass sich Frau Kampusch aus der Gewalt Ihres Sohnes befreien konnte und er in der Folge Suizid beging. Ihre Erinnerungen an diesen Tag?
Waltraud Priklopil: Ich kam damals nachmittags, so um 14.30 Uhr, nachhause in meine Wohnung in der Rugierstraße in Wien-Donaustadt, schon im Stiegenhaus sah ich vermummte Männer, Polizisten. Ich traf einen Nachbarn, fragte ihn, was in unserem Haus passiert sei – er antwortete: „Das muss etwas mit Ihnen zu tun haben, die laufen nämlich alle zu Ihnen nach oben.“

NEWS: Ihr erster Gedanke?
Waltraud Priklopil: Dass vielleicht bei mir eingebrochen wurde …

NEWS: Was geschah weiter?
Waltraud Priklopil: Die Beamten ­erklärten, sie suchten meinen Sohn wegen Schnellfahrens, sie wollten wissen, wo er sein könnte. Sie sollten nach Strass­hof fahren, meinte ich …

NEWS: Wann erfuhren Sie die Wahrheit?
Waltraud Priklopil: Die Polizei nahm mich dann zu einem Verhör mit, und langsam, in kleinen Schritten, wurde mir schließlich das Verbrechen meines Sohnes dargelegt. Er habe 1998 Natascha Kampusch entführt, sie seitdem daheim in einem Kellerverlies gefangen gehalten. Ich sagte, das gibt es nicht, so etwas hat Wolfgang nicht getan, dazu wäre er niemals fähig, außerdem kenne ich jeden Zentimeter des Hauses in Strasshof, ich habe es ja selbst mit aufgebaut, da gibt es keinen Bunker …

NEWS: Wann begannen Sie den Fahndern zu glauben?
Waltraud Priklopil: Bald. Sie wirkten sehr glaubhaft …

NEWS: Ihr Gefühl, als Sie zu begreifen begannen?
Waltraud Priklopil: Wie soll ich ­beschreiben, wie es war – als von einer Sekunde auf die nächste mein Leben zusammenbrach?

NEWS: Wurden Sie bei Ihrer Vernehmung mit Natascha Kampusch konfrontiert?
Waltraud Priklopil: Ich wusste, dass sie in einem Nebenzimmer war. Die Beamten zeigten mir ein aktuelles Bild von ihr, fragten, ob ich sie kenne, sie machten ein Foto von mir, brachten es dem Mädchen. Als klar war, dass wir einander noch nie zuvor begegnet waren, fuhren mich die Beamten am Abend zu meiner Mutter …

NEWS: Ihr Sohn galt zu dem Zeitpunkt noch als untergetaucht.
Waltraud Priklopil: Ich hatte schreckliche Angst um ihn …

NEWS: Wie erfuhren Sie von seinem Tod?
Waltraud Priklopil: Später, über das Fernsehen. Irgendwann, noch in derselben Nacht, wurde berichtet, er hätte sich umgebracht, am Wiener Nordbahnhof vor einen Zug geworfen.

NEWS: Ihre Reaktion?
Waltraud Priklopil: Ich brach zusammen. Aber so seltsam es klingen mag – gleichzeitig empfand ich auch Erleichterung. Denn jetzt war die Jagd auf Wolfgang vorbei …

Das ganze Interview finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin!