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Pro und Contra - Sollen die
Sommerferien verkürzt werden?

Die Debatte ist neu entbrannt: Was dafür und was dagegen spricht

Kommentar - Pro und Contra - Sollen die
Sommerferien verkürzt werden? © Bild: AshleyWiley/iStockphoto.com

Familienministerin Sophie Karmasin hat die Debatte um die Sommerferien wieder entfacht: Sie fordert kürzere Hauptferien und dafür fixe Ferien im Herbst. Um das Betreuungsproblem zu lösen, will sie die Ferien aufsplitten. Kann das funktionieren? Zwei Meinungen im Pro- und Contra-Clinch.

PRO: Her mit der Modernisierung der Schulferien

Die österreichische Familienministerin wärmt die Debatte über eine langersehnte Neuaufteilung der Schulferien auf. Wieso die Neuaufteilung so langersehnt ist? Weil das große Loch von neun Wochen im Sommer einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Die Zeiten, in denen die Kinder im Sommer bei der Ernte helfen mussten, sind schon lange vorbei. Trotzdem werden sie Jahr für Jahr komplett aus dem Schulrhythmus rausgerissen, um sich später im Herbst wieder mühsam einzugewöhnen. Hier ist der Stress vorprogrammiert.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kinder von häufigeren aber dafür kürzeren Ferien-Sequenzen eher profitieren, als von den einmaligen, langen Sommerferien. So kann akuter Stress unter dem Jahr leichter abgebaut und der Schulalltag abwechslungsreicher gestaltet werden. Es bleibt nämlich mehr Zeit für Fußballmatches, Ballettaufführungen und Pfadfinderlager.

Abgesehen von den negativen Auswirkungen der Sommerferien auf die Kinder, gibt es auch das Betreuungsproblem für die Eltern. Fleißig mithelfende Omis und Opis sind nicht selbstverständlich. Daher sind viele Eltern gezwungen, auf teure Ferienbetreuung zurückzugreifen. Auch ist es schon längst üblich, die Kinder bereits Ende August mit Hausaufgaben und Nachhilfe auf den Schulbeginn vorzubereiten. Dieser Mehraufwand kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Besonders den Familien mit mehreren Kindern und ohne hohes Einkommen zittern bei dem Gedanken an neun Wochen ohne Kinderbetreuung die Knie.

Ich hoffe, dass das nicht nur leere Worte von Frau Karmasin waren. Österreich hat eine Modernisierung der Schulferien dringend nötig.
(Teresa Rennhofer)

CONTRA: Die Ferien zu verkürzen, wäre wie den Schimmel vom Pausenbrot zu kratzen

Gerne erinnere ich mich an die Sommerferien meiner Kindheit zurück - gemeinsam im Urlaub mit den Eltern, gut behütet bei der Oma oder im Ferienlager mit Gleichaltrigen. Damals hätten mich kürzere Sommerferien und längere Herbstferien wohl nicht gestört, später dann schon. Als Jugendlicher beginnt die Praktikumszeit, weil die Schulen es verpflichtend vorschreiben oder weil die Eltern den Kindern eindrucksvoll vermitteln wollen: "Damit du weißt, wofür du in die Schule gehst." So viel sei zur Sicht der Betroffenen gesagt.

Das Kernproblem, das sich für viele Eltern stellt, ist die Betreuung ihrer Sprösslinge. Für die Kinder muss zumindest bis zu einem gewissen Alter gesorgt sein. Darum dreht sich der Löwenanteil der Debatte - auch wenn einige Bildungsexperten darauf hinweisen, dass die langen Ferien negative Auswirkungen auf die Lernkurve haben. Aber können kürzere Sommerferien dieses Problem lösen? Nein. Die Maßnahme klingt zwar im ersten Moment gut, löst aber das Betreuungsproblem nicht, sondern bekämpft nur dessen Symptome. An vernünftigen und leistbaren Betreuungsmöglichkeiten wird es auch trotz geteilter Hauptferien weiterhin hapern - wenn in diesem Bereich nichts passiert.

Dass längere Sommerferien nicht DAS Problem sind, zeigt sich auch im Europavergleich. Einige Länder haben ähnlich lange oder längere Hauptferien. Wie schaffen die das? Estland und Lettland zählen mit 13 Wochen Sommerferien zu den Spitzenreitern. In Estland sind Tagesbetreuungsstätten gut ausgebaut. In Schweden haben die Schüler 10 Wochen Ferien. Dort gibt es Kindergärten mit 24-Stunden-Service, die auch an Wochenenden Betreuung anbieten. Die öffentliche Kinderbetreuung ist in Schweden gesetzlich garantiert und das auf Ganztagsbasis und zu erschwinglichen Preisen. So kann eine Lösung aussehen.
(Carina Pachner)

Fakten-Box

Woher kommen die langen Sommerferien? Die bestehende Ferienregelung mit den langen Sommerferien geht zurück auf jene Zeit, in der aufgrund der Bedürfnisse der Landwirtschaft, die Kinder noch bei der Feldarbeit mithelfen mussten.

Wer legt die Ferientermine heutzutage fest? In Österreich werden die Ferientermine vom Bildungsministerin festgelegt.

Wie viel Herbstferien gibt es bereits? Einheitliche bundesweite Herbstferien gibt es in Österreich nicht. Je nach Schulen werden im Herbst mehrere schulautonome Tage so gelegt, dass kurze Herbstferien entstehen. Die Tage variieren von Jahr zu Jahr, auch abhängig von den Feiertagen (Nationalfeiertag, Allerheiligen und Allerseelen). Genau diese Herbstferien will Familienministerin Sophie Karmasin jetzt verlängern.

Wo liegt Österreich im Europavergleich? Die Sommerferien beginnen in Österreich laut Bildungsdatenbank Eurydice im europäischen Vergleich relativ spät und dauern durchschnittlich lange. 17 europäische Länder haben im Sommer länger schulfrei als hierzulande.

Wie fallen die Ferientage heuer bzw. 2017? Sommerferien: Burgenland, Niederösterreich, Wien vom 2. Juli 2016 - 4. September 2016 und Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg vom 9. Juli 2016 - 11. September 2016; Weihnachtsferien: 24. Dezember 2016 - 7. Jänner 2017. Osterferien: 8. April 2017 - 18. April 20171; Pfingstferien: 3. Juni 2017 - 6. Juni 2017

Kommentare

Kaum ist man mitten in der Arbeit und schon wieder durch Herbstferien zerissen!!! Keine Ahnung von der Schulpraxis, aber nur dumme Ideen!!!Was tun mit Herbstferien??? Meer nicht mehr interessant, wandern geht keiner,Wetter unbeständig, daher nur herumlungern und nicht wissen was tun!!!!Wenn kürzere Ferien, dann aber Verlängerung zu Ostern und Pfingsten. Da kann man schon viel unternehmen!!!

Petra Nigl

Jedes Jahr die gleiche Diskussion über die „langen“ Sommerferien, wie jedes Jahr wird sich nichts ändern. Es macht auch nicht wirklich einen Unterschied, ob man die Betreuung der Kinder im Sommer oder im Herbst regeln muss. Vielleicht sollte man einmal andenken, den Lehrern etwas von ihrem unverhältnismäßig umfangreichen Urlaub wegzunehmen, damit die Kinder in den Ferien z.B. mit Vorbereitungskurs

strizzi1949
strizzi1949 melden

Und wer betreut dann die Kinder in den Herbstferien? Das Betreuungsargument hinkt gewaltig! Jetzt haben Familien Zeit, innerhalb von 9 Wochen ihren Familiensommerurlaub zu verbringen. Danach aber nur mehr 6-7 Wochen! Da werden sie sich aber freuen, wenn sie in dieser Zeit kein Quartier mehr bekommen, weil alles ausgebucht ist! Es müssen ja mind. 2 Wochen kompensiert werden!

strizzi1949
strizzi1949 melden

Hat diese Bildungsministe keine anderen Sorgen? In der Bildung gibts so viele Baustellen - muss da eine Neue aufgemacht werden?

Diese verblödete weltfremde Funsn soll das bitte so lassen wie es ist...immer alles umdrehen wollen! Kümmert euch lieber um wirklich wichtige Dinge wie zB Zwei-Lehrer-Klassen zur Entlastung usw usw

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