Menschen von

Dagmar Koller: "Nur die Liebe zählt"

Die Schauspielerin über ihre Beziehung zum 39 Jahre jüngeren Michael Balgavy

Dagmar Koller und Michael Balgavy © Bild: www.picturedesk.com/Schöndorfer

Dagmar Koller und ihren neuen Freund trennen knapp vier Jahrzehnte. Und separate Schlafzimmer. Und sonst nichts. Gespräch mit einer Frau, die neuen Lebensmut gefasst hat. Liebe zu dritt, mit zwei Wohnungen oder als Geliebte: Wie funktionieren unkonventionelle Beziehungen?

Frau Koller, die in der Vorwoche veröffentlichten Paparazzo-Fotos, die Sie mit dem um 39 Jahre jüngeren Michael Balgavy beim Bad im Indischen Ozean zeigen, sind in Wien Tuschelthema Nummer eins. Haben Sie sich deswegen in Ihr Haus in Portugal zurückgezogen?
Aber ich bitte Sie, ich bin ganz einfach deswegen hier, weil in Haus und Garten gewisse Arbeiten erledigt werden müssen. Und weil es zu Hause am allerschönsten ist. Dieses Anwesen ist mein Zuhause, weil es noch immer vom Geiste meines Mannes durchweht wird. Als er so schwer krank war, ist es uns ein vertrauter Platz geworden, er hat durch dieses Haus drei schöne Lebensjahre gewonnen. Sie glauben ja nicht, was ich seit seinem Tod vor acht Jahren durchgemacht habe und wie schwierig es war, endlich wieder ins Leben zurückzufinden.

Sie meinen dieses Zugeständnis an sich selbst, das Leben wieder genießen zu dürfen?
Ich hatte ja niemanden mehr, wenn man in Trauer ist, ziehen sich die Freunde zurück. Die haben natürlich keine Freude mit einer langweiligen, traurigen Frau, die immer nur vom Grab redet und den letzten gemeinsamen Monaten. Das will man vielleicht einmal hören, aber nicht die ganze Zeit. Ich bin ja jeden Tag auf den Zentralfriedhof nach Simmering hinausgefahren, das ist zu einem richtigen Ritual geworden. Diese Region Wiens bedeutete zu allem Überfluss auch noch eine schreckliche Begegnung mit meiner eigenen Jugend: Ich habe in Simmering mit 13 Jahren mein Leben in Wien begonnen, weil mich meine Mutter hier in ein Lehrlingsheim gesteckt hat und nach London gegangen ist. Als ich dann dauernd hier auf dem Friedhof war, fühlte es sich an, als würde sich ein weiterer Lebenskreis schließen, und das hat mich immer trauriger gemacht.

Keine neuen Freundschaften?
Die Damen vom Friedhof, die alle auf die Gräber ihrer Männer aufpassten - da entwickelten sich aus dem gemeinsamen Schmerz wirkliche Freundschaften. Doch im vierten Jahr bin ich an einem kalten Novembertag nach Hause gekommen, habe mich lange in den Spiegel geschaut und gedacht: "Das bin doch nicht mehr ich." Die Augen waren so trüb, so leer. Da habe ich mich geschminkt und wollte wissen: Kann ich zumindest noch ab und zu so ausschauen wie auf den Bildern von früher? Die Antwort lautete: Nein. Aber in dem Moment beschloss ich, mich selbst aus diesem Loch herauszuholen.

Mit therapeutischer Hilfe?
Nein, ich bin nie zu einem Psychiater gegangen, der hätte sich wohl zu Tode gelacht, wenn ich ihm einen Tag in meinem Leben geschildert hätte. Ich konnte ja auch nicht mehr richtig schlafen, habe immer diese blöde halbe Schlaftablette gebraucht. Hier in Portugal brauche ich das nicht.

»Ich habe mich selbst therapiert«

Und wie haben Sie den Turnaround geschafft?
Ich habe mich selbst therapiert, indem ich mir jeden Tag eine Aufgabe gestellt habe. Ich habe wieder begonnen, fleißig meine Bodenübungen zu machen und an meiner Stimme zu arbeiten. Als ich dann für mich selbst merkte, was wieder alles funktioniert, dass ich den gesamten Gesang und die Akrobatik aus dem "Mann von La Mancha" wie nichts spielen und singen kann, da sind auch die Menschen wieder auf mich zugegangen. Dazu kam auch noch die Erkenntnis, dass man mit seinem Alter sehr sorgfältig umgehen muss. Die Haut, das Gesicht, all das verändert sich, und das erschreckt einen zunächst. Doch man muss dem Alter Demut und Dankbarkeit entgegenbringen, dann kann man es auch annehmen.

Und als Sie dann mit Ihrem Alter und Ihrer Lebenssituation endlich im Reinen waren, trat plötzlich ein junger Mann in Ihr Leben.
Es begann im vergangenen Oktober bei der Musicalgala im Raimundtheater, da waren so viele nette Kollegen um mich, alle mindestens eine Generation unter mir. Da war so viel Respekt und Verehrung, dass ich wieder gewachsen bin. Denn auch ich merkte, dass ich ihnen durch meine Erfahrung viel geben kann. Ich sang "Send in the Clowns" aus dem Musical "A Little Night Music", und Michael, der das Bühnenbild gestaltet hatte, schickte mir eine Mail, in der er schrieb, wie gut ihm mein Auftritt gefallen hat.

»Ja, warum denn eigentlich nicht?«

Und dann flogen Sie gemeinsam nach Sansibar?
Es war die Zeit vor Weihnachten, und ich hatte Angst vor der bevorstehenden Feiertagseinsamkeit. Da fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, mitzukommen. Und ich dachte mir: Ja, warum denn eigentlich nicht?

Der reifere Herr und die junge Freundin, an dieser Kombination findet kaum noch jemand etwas Anstößiges. Ist das denn umgekehrt auch so?
Der alte Herr und die junge Dame, ja, ich glaube, das ist in unserer Gesellschaft sehr ausgeprägt - aber nach wie vor ein ausgesprochenes Männerprivileg. Ich kenne keine Frau, die sich mit Leichtigkeit zugestehen kann, dass auch ein junger Mann an ihrer Seite Freude machen kann. Aber was heißt denn überhaupt junger Mann und reife Frau? Mich nervt es, dass immer und überall dabeisteht, dass ich 76 bin - deshalb habe ich beschlossen, es die nächsten zehn Jahre zu bleiben. Mein Arzt sagt mir, dass ich ohnedies 20 Jahre jünger bin, als der Kalender unterstellt.

Sehen Sie sich als Vorreiterin, als Tabubrecherin?
Nein, das ist, was die Medien aus mir machen. Aber leider sind Freundschaften wie unsere im 21. Jahrhundert noch immer nicht selbstverständlich. Als mir zwei gute Freundinnen am Telefon berichteten, was da jetzt alles geschrieben wird, dachte ich mir nur: "Um Gottes willen!" Dabei ist der Michael so ein ernsthafter, liebenswerter Mensch und noch dazu in einem beruflichen Milieu, in dem Konkurrenzkampf und Neid stark ausgeprägt sind.

Warum schlägt das denn solche Wellen?
Ich glaube, weil er blendend aussieht und weil er wirklich eine starke Persönlichkeit hat.

» Ich sehe in ihm einen Mann in den besten Jahren«

Sie betonen immer wieder, wie Helmut Zilk Sie geformt hat. Sind es nun Sie, die vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrung einen Jungen formt?
Den brauche ich nicht zu formen, ich sehe in ihm einen Mann in den besten Jahren, der mit mir absolut auf Augenhöhe ist. Eher hat er die Gabe, mich zu beeinflussen.

Inwiefern?
Ich finde seine jugendlichen Blicke auf die Dinge erfrischend. Facebook, iPhone, das eröffnet mir neue Perspektiven.

Er ist nicht erpicht auf Ihre Prominenz?
Meine Prominenz ist ein Teil von mir - und sicher ein Vorteil. Und das akzeptiert er natürlich.

» Frauen, traut euch! «

Was wäre denn nun Ihr Rat an reifere einsame Damen?
Ich habe oft gesehen, wie arm diese Frauen sind, die verlassen werden, die, wenn sie um die fünfzig sind, mit Scheidung konfrontiert werden. Wenn Frauen sich einschließen, weil sie einsam sind, kommen sie aus diesem Loch nur ganz schwer raus. Frauen, traut euch! Habt den Mut, euch alleine in Lokale reinzusetzen, egal ob das jetzt der Meinl am Graben ist oder ein einfaches Beisl! Ich bin ja auch jahrelang alleine beim "Bauer Gustl" gesessen und habe dort die nettesten Leute kennengelernt. Frauen, macht Pläne! Geht auf Reisen, heutzutage kommt man auch als alleinstehende Frau überall hin. Ich hätte das auch ganz alleine gemacht, aber jetzt habe ich den Vorteil, dass ich jemanden gefunden habe, der genau dieselben Dinge fühlt wie ich. Ich merke, da ist jemand, der mit mir wirklich gerne über die Kunst redet, der mit mir Theaterstücke anschaut. Er sagt, das sei eine Seelenverwandtschaft, aber ich hatte noch gar nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Man muss nur wollen, muss sich nach der Arbeit trotz Müdigkeit zusammenreißen und ein bisschen nett machen. Einsame Frauen müssen zeigen, dass sie bereit sind, fröhlich zu sein, und auch den Mut haben, Gespräche anzuknüpfen.

Wie wichtig ist denn dabei die Körperlichkeit?
Meine Körperlichkeit ist noch so frisch, dass es mir leidtut, mein Leben nicht schon früher wieder in die Hände genommen zu haben. Ich habe die Trauer erst zu spät abgelegt.

Gestehen Sie sich in Ihrer neuen Lebensphase das Recht auf Erotik zu?
Lassen Sie das getrost meine Sorge sein - schreiben Sie das genau so!

»Nur Liebe zählt«

Und die Liebe?
Mein Lebensmotto stammt aus dem Musical "Sorbas" und lautet: "Nur Liebe zählt, wenn sie fehlt, bleibt nichts mehr." Das wende ich auf mein ganzes Leben an. Wenn man liebt, ist das wohl das Schönste, was es gibt.

Was würde Helmut Zilk zu Ihrer jetzigen Lebenssituation sagen?
Ich glaube, er würde sehr zufrieden damit sein, dass ich wieder wach geworden bin.

Koller und Zilk 1985
© imago/Teutopress Dagmar Koller und Helmut Zilk

Können Sie sich vorstellen, noch einmal zu heiraten?
Nein. Der Helmut Zilk ist für mich eine so starke Persönlichkeit gewesen und ein Ehrenmann, der eine Bilderbuchehe führte. Da wäre ich doch blöd, wenn ich nochmals eine Ehe einginge. Außerdem, eine Ehe ist in der heutigen Zeit ohnedies etwas ganz Schwieriges. Aber ich könnte eine fixe Partnerschaft eingehen, wenn ich wüsste, dass wir weiterhin getrennte Schlafzimmer haben - das hält eine Beziehung jung.

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Kommentare

recht hat sie, gratuliere, wenn er kein Problem hat, ja warum nicht, das Lebven spielt sich nicht nur mit S..... ab.

lach .. ehrenmann zilk??ß ich werd nichtmehr... offenbar hat sie ganz "vergessen", wie der gute mann sämtliche frauen anmachte, wenn er einen über den durst getrunken hat. das hab ICH erlebt. und zwar SELBER!!! also ein ehrenmann ist bei mir was anderes. aber man redet sich ja alles schön ....

gott im himmel WANNNN!!! so frage ich mich, werden wir ENDLICH von neuigkeiten dieser dame verschont?? mich interessiert es einen feuchten dreck was sie tut mit wem sie es tut und überhaupt. wie KANN man nur so mediengeil sein... offenbar hat sie den abgang des zilk(und mit ihm die ganze pr maschinerie)nicht verkraftet.in den medien um jeden preis ,.. kotz

ja sie haben vollkommen recht, Annforever

Zweifellos muss man Frau Koller gratulieren, zu ihrer Jugend und ihrer Disziplin. Man darf aber bitte nicht ganz vergessen, nicht jede Frau in diesem Alter hat die Möglichkeiten etwas für ihr Aussehen zu tun, und auch das Leben davor spielt eine Rolle. Wie sehr man beansprucht wurde. Job, Familie usw. Trotzdem Frau Koller ist einfach Klasse!!!

ich kenne oder besser gesagt gesehen habe Dagmar Koller in jungen Jahren, sonst weiss ich nicht viel, auch H.Z. habe ich gesehen, Gustl-Bauer & Co. aber ich bin begeistert von D.K.

und vor allem dieses Alter, schaut euch um, wie sehen die alten Frauen aus, ich bin entsetzt wenn ich im strassenverkehr fahre... und das alles sehe live...

Dagmar ist einmalig, ich gratuliere ihr zu so einer tollen Figur und aussehen, ja und warum nicht, egal, junger mann oder nicht, die beiden müssen sich verstehen ... ich denke auch immer egal, wie man ist, wie man sich fühlt und aussieht und was daraus macht, das ist wichtig, ja ja ...

Gratuliere! Und noch viiiiiiiele schöne Jahre in Liebe, Achtung, Respekt und Gesundheit!

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