Kokain: Wirkung und Folgen des Koks-Konsums

Kokain ist eine der beliebtesten Szenedrogen der Welt. Viele sind sich der negativen Folgen des Konsums allerdings nicht bewusst. Bis das böse Erwachen kommt. So gut sich die Droge in den Alltag integrieren lässt, so gefährlich ist sie.

von Kokain © Bild: Elke Mayr

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Man geht davon aus, dass Kokain - umgangssprachlich auch Koks genannt - gleich nach Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge ist. Viele konsumieren sie nur ab und an. Ab welchem Zeitpunkt spricht man also von einer Abhängigkeit? Und wie kann man sich wieder aus dieser befreien? Was richtet Kokain in unserem Körper an? Und welchem Irrglauben haften viele an? Die wichtigsten Fakten zum Thema.

Wie wirkt Kokain?

Sigmund Freud umschrieb die Wirkung von "Cocain" folgendermaßen: "Man ist eben einfach normal und hat bald Mühe, sich zu glauben, dass man unter irgend welcher Einwirkung steht." Mit ein Grund, warum der Konsum so gefährlich ist. Im Zentralnervensystem führt Kokain zu einer Stimmungsaufhellung. Der Betroffene ist euphorisch, hat das Gefühl, aktiver und leistungsfähiger zu sein. Gleichzeitig treten Müdigkeits- und Hungergefühle in den Hintergrund, verschwinden quasi. An den peripheren Nerven angewandt wirkt Kokain schmerzstillend und betäubend. Nicht umsonst beruht das Wirkprinzip fast aller heute verwendeter Lokalanästhetika auf dem von Kokain.

Wie lange hält die Wirkung an?

Wie lange die berauschende Wirkung der Droge anhält, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der eingenommenen Menge und der psychischen Konstitution des Konsumenten spielt auch die Form der Einnahme eine Rolle. Wird Kokain geschnupft oder über den Mund konsumiert, hält die Wirkung am längsten, nämlich bis zu 45 Minuten an. Deutlich kürzer, dafür aber auch stärker ist die Wirkung, wenn die Droge gespritzt wird. In diesem Fall tritt sie binnen 30 bis 45 Sekunden ein und hält bis zu 20 Minuten an. Wird Kokain geschnupft, können zwei bis drei Minuten vergehen, bis sich ein Effekt zeigt. Bei der sogenannten oralen Einnahme sind es bis zu 30 Minuten. Der schnellste und gleichzeitig kürzeste Effekt wird durchs Rauchen erzielt. Hier tritt die Wirkung nach rund zehn Sekunden ein und hält bis zu zehn Minuten an.

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Ab wann spricht man von einer Abhängigkeit?

Grundsätzlich spricht man, so Dr. Wolfgang Preinsperger vom Anton Proksch Institut, dann von einer Abhängigkeit, wenn mindestens drei der folgenden Kriterien innerhalb des vergangenen Jahres vorgelegen sind:

  • Übermächtiges Verlangen oder Zwang, die Substanz zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Substanzkonsums
  • Körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums
  • Entwicklung einer Toleranz dem Suchtmittel gegenüber, die zu einer Dosissteigerung führt
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen und Interessen
  • Anhaltender Substanzkonsum trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen
»Auf Tage intensiven Konsums folgt oft eine Phase erschöpfter Abstinenz«

Zwar hat Kokain ein geringes physisches, dafür aber ein hohes psychisches Abhängigkeitspotential. "Der starke Drang, Kokain wiederholt zu konsumieren, hängt damit zusammen, dass dadurch Dopamin und andere Transmitter ausschüttet werden, die die euphorische Stimmung unmittelbar hervorrufen", erklärt Prof. Matthäus Willeit von der MedUni Wien. Da die Wirkung sehr rasch eintritt, lernt das Gehirn den Zusammenhang zwischen Handlung, also dem Konsum, und Belohnungsreiz, sprich dem Eintreten der gewünschten Effekte. Fast ebenso schnell, wie die Wirkung anflutet, ebbt sie auch wieder ab. Mit ein Grund für das hohe Missbrauchspotenzial der Droge. In der Regel wird Kokain nicht durchgängig konsumiert. "Auf Tage intensiven Konsums folgt oft eine Phase erschöpfter Abstinenz", so Preinsperger. Die Rede ist vom sogenannten Binge-Konsummuster.

Was hat es mit den Schlüsselreizen auf sich?

Eine wichtige Rolle bei der Abhängigkeit spielen die sogenannten Schlüsselreize. So kann etwa ein bestimmtes Geräusch, ein Geruch oder ein Bild dazu führen, dass das Verlangen nach der Droge steigt. Ebenso wie eine bestimmte Situation. Wo befindet sich der Betroffene gerade? Mit wem ist er zusammen? Und steht er vielleicht unter Druck? Für gewöhnlich verändern sich die Auslöser im Laufe der Zeit. So wie auch die Wirkung: Nach und nach verblassen die positiven Effekte des Konsums.

Warum wird Kokain konsumiert?

Personen mit starken narzisstischen Persönlichkeitszügen neigen eher zum Kokainkonsum, der wiederum die narzisstischen Züge - wenn auch nur vorübergehend - verstärkt. Auch Personen, die an dem Borderline-Syndrom leiden, tendieren stärker zur Einnahme von Koks. Willeit zufolge ist hier die Wahrscheinlichkeit, dass der Konsum zu einem medizinischen Problem wird, höher als bei Personen mit einer ausgeglicheneren Persönlichkeitsstruktur.

Abgesehen davon wird Kokain in erster Linie aufgrund seiner intensiven euphorisierenden Wirkung eingenommen. Weitere erwünschte Effekte sind eine erhöhte Aufmerksamkeit, eine gesteigerte Wachheit und Überwindung von Müdigkeit, eine gesteigerte Selbstsicherheit sowie ein Gefühl der Stärke und Unverwundbarkeit. "Hemmungen gehen verloren, auch sexuelle", so Preinsperger. Nicht wenige Konsumenten trachten beim Kokainkonsum auch nach einer Steigerung der Libido und dem verzögerten Eintritt des Orgasmus.

Kokain, Koks
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Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die möglichen negativen physischen und psychischen Folgen des Kokainkonsums sind enorm. "Akut kommt es oft zu Angstzuständen, Panikattacken, Wahnzuständen, auf körperlicher Ebene zu Herzrasen, erhöhtem Blutdruck, im schlimmeren Fall zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen", warnt der Experte vom Anton Proksch Institut. Häufige Folgen des Langzeitgebrauchs seien schwer heilende Entzündungen der Nasenschleimhaut, chronischer Schnupfen, Menstruationsstörungen, Impotenz, Gewichtsverlust und Erschöpfung auf körperlicher sowie Schlaflosigkeit, starke Paranoia und chronische Depressivität auf psychischer Ebene.

»Viele können sich die möglichen massiv negativen Folgen des Kokainkonsums schwer vorstellen«

Die sogenannte Kokainpsychose, bei der Betroffene mitunter glauben, unter ihrer Haut krabbelten Insekten, tritt zwar sehr selten ein, kann im schlimmsten Fall aber ein Leben lang bestehen bleiben. Und dann wäre da noch die Sache mit dem verminderten Hunger-, Durst- und Müdigkeitsgefühl. Wird das entsprechende Bedürfnis nicht wahrgenommen, wird es vermutlich auch nicht oder nur unzureichend gestillt. Hinzu kommt, dass Kokain die müde machende Wirkung von Alkohol aufhebt. Dadurch wird mehr Alkohol getrunken, werden die beiden Drogen doch häufig kombiniert konsumiert. "Ein Konsummuster, das über kurz oder lang gesundheitsschädlich ist", warnt Willeit. Schließlich kann Kokain auch das Empfinden von Furcht beeinträchtigen, womit wiederum das Risiko steigt, sich mitunter lebensbedrohlichen Situationen auszusetzen.

Was macht Kokain so gefährlich?

"Bei den wenigsten wird der Kokainkonsum zu einem medizinischen Problem", entwarnt Willeit. Weil die Droge weniger giftig ist als beispielsweise Heroin oder Alkohol. Harmlos ist Kokain dennoch nicht. "Viele können sich die möglichen massiv negativen Folgen des Kokainkonsums schwer vorstellen, vielleicht auch deshalb, weil es ja die Droge der Schönen, Reichen und Erfolgreichen ist", erklärt Preinsperger. Dass sich eine schwere psychische Abhängigkeit entwickeln, der Konsum mitunter zu schwersten Folgewirkungen führen kann, sei vielen nicht bewusst. "Das enorme psychische Abhängigkeitspotenzial und die massiven möglichen gesundheitlichen Folgen des Konsums auf körperlicher und psychischer Ebene" machen die Droge dem Experten zufolge besonders gefährlich.

Wie kommt man von Kokain wieder los?

"Beim plötzlichen Runterkommen wird die euphorische Wirkung häufig von Müdigkeit, Erschöpfung, einer depressiven, gereizten Stimmung und Schlafstörungen abgelöst. Manchmal entwickeln sich auch Angstgefühle, paranoide Symptome oder Halluzinationen", schildert Preinsberger. Körperliche Entzugssymptome im engeren Sinn gebe es bei Kokain nicht, wohl aber körperliche und psychische schwere Langzeitfolgen, die medikamentös und psychotherapeutisch behandelt werden können. Betroffenen rät der Experte, professionelle Hilfe zu suchen. "In Österreich gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten", sagt er. Primär sei eine ambulante Abklärung und Beratung sinnvoll, eventuell auch eine ambulante Behandlung. Bei ausgeprägter Abhängigkeit sei oftmals eine stationäre Therapie erforderlich.

Verzweifelte Frau
© Elke Mayr

Warum ist das Rückfallrisiko so hoch?

"Man kann nicht einmal entziehen und dann ist es wieder gut", sagt Willeit. "Das liegt daran, dass das Gehirn auf kokainassoziierte Reize stärker reagiert. Frühestens nach sechs Monaten legt sich das. Bis dahin ist das Rückfallrisiko hoch", erklärt Willeit. Die gute Nachricht: "Suchterkrankungen", so Preinsperger, "sind gut behandelbar. Manchmal werden Erfolge schon mit dem ersten Behandlungsversuch erzielt." Dies sei allerdings die Ausnahme. Oft seien mehrere Anläufe erforderlich, um eine nachhaltige Stabilisierung zu erreichen. "Ein Rückfall nach einer Behandlung ist nicht unbedingt etwas Tragisches, sondern im Verlauf einer Suchterkrankung normal."

»Man kann nicht einmal entziehen und dann ist es wieder gut«

Voraussetzung für einen erfolgreichen Entzug sind Preinsperger zufolge eine hohe Behandlungsbereitschaft und Mitwirkung des Betroffenen. Sodann müsse es ihm gelingen, "dranzubleiben, den Kontakt zu Therapeuten aufrechtzuerhalten und an der eigenen Entwicklung weiterzuarbeiten". Abgesehen davon sei, so Willeit, das vorrangige Ziel der Suchtmedizin heute nicht mehr die völlige Abstinenz. Vielmehr gehe es um eine Reduktion des Konsums und damit einhergehend auch der möglichen negativen Folgen.

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