Israel vs. Palästina von

Männer
des Zorns

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Die Palästinenser mit Not, Elend und Freiheitsverlust in ihren Gebieten. Die Israelis mit einem Leben in ständiger Terrorangst.

Am Montag feierte Israel 70 Jahre Staatlichkeit, und die TV-Schirme blieben gesplittet. Links lief Ivanka Trump durchs Bild und eröffnete im Namen ihres Daddys die nach Jerusalem verlegte US-Botschaft. Rechts stürmten aufgebrachte Massen durch Rauchschwaden auf den Grenzzaun zwischen dem Gazastreifen und Israel zu. Während in Jerusalem noch gefeiert wurde, starben 70 Kilometer weiter weg die ersten Menschen im Kugelhagel israelischer Scharfschützen. Da ist links die erträumte demokratische Insel im Nahen Osten, eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die sich über sieben Jahrzehnte behaupten konnte. Und da ist rechts deren größtes Versagen. Menschen, derart aufgestachelt von den Führern der radikalislamischen Hamas und so verzweifelt, dass sie sehenden Auges bereit sind, in den Tod zu laufen. Am Ende des Tages konnten beide Seiten, so zynisch es klingen mag, mit sich zufrieden sein.

Die Hamas, weil sie der geneigten Weltöffentlichkeit ein weiteres Mal vor Augen führen konnte, mit welcher Brutalität und Härte das Besatzerregime gegen die Palästinenser vorgeht. Israels Premier Benjamin Netanjahu, weil den USA unter Trump das völlig egal geworden ist und dieser mit der Botschaftsverlegung den Letzten klargemacht hatte, wo er steht. Der komplizierteste Konflikt der Welt ist damit endgültig in den Händen der Scharfmacher gelandet. Sowohl die Radikalen der Hamas als auch die Rechten unter Netanjahus Ägide leben gut von all dem Öl, das ins lodernde Feuer fließt. Je tiefer die Gräben, desto besser für die eigene Befindlichkeit und desto illusorischer wirken jene, die immer noch auf Aussöhnung und Frieden hoffen. Zu ihnen zählt Europa. Nicht gerade eine außenpolitische Großmacht, aber mit 600 Millionen Euro Unterstützung im Jahr der wichtigste Geldgeber der Palästinenser. Wäre Europa nicht, würden die Menschen gerade in Gaza verhungern. Doch auf das Engagement folgt kein Einfluss. Nicht "Wer zahlt, schafft an" gilt, sondern: "Wer zahlt, schweigt." Europa tut das humanitär Notwendige, was löblich und essenziell ist. Sonst darf es die Männer des Zorns weiter dabei beobachten, wie sie den Konflikt anheizen.

Was Europa bleibt, ist das Festhalten an Formeln. Das Reden von einer Zweistaatenlösung, zu der auf der einen wie der anderen Seite längst kein Wille mehr besteht. Zu dienlich ist der Status quo beiden geworden, als dass auch nur einer gewillt wäre, etwas daran zu ändern. Die Rechnung zahlt wie immer das Volk. Die Palästinenser mit Not, Elend und Freiheitsverlust in ihren Gebieten. Die Israelis mit einem Leben in ständiger Terrorangst. Und die Europäer mit ihrer Barschaft. Israel liefert im 70. Jahr seiner Existenz ein gespaltenes Bild aus Erfolg und Erschöpfung, Zweifel und Zorn.

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