Préalable von

Wie Österreich seine
Diplomaten auswählt

Eine neue Runde des anspruchsvollen Aufnahmeverfahrens hat begonnen

Préalable - Wie Österreich seine
Diplomaten auswählt © Bild: Getty Images/Chris Hondos

Es ist der Traumjob vieler: Als Diplomat Österreich im Ausland zu vertreten und dabei die Welt kennenzulernen. Der Beruf hat großes Prestige und ist auch mit gewissen Privilegien verbunden. Doch der Weg dorthin ist schwierig. Das A-Préalable, Aufnahmeverfahren in den höheren auswärtigen Dienst, gilt als extrem anspruchsvoll. Nun hat eine neue Runde begonnen, aber nur wenige Bewerber werden erfolgreich sein.

Alle paar Jahre in einem anderen Land leben und dabei sein, wenn internationale Politik gemacht wird, außerdem "Privilegien" wie Diplomatenpässe, -kennzeichen oder die Immunität: Diplomat zu sein gilt für viele als Traumjob. Es sind die wohl begehrtesten Stellen im Staatsdienst. Doch es in den "höheren auswärtigen Dienst" des Außenministeriums zu schaffen ist alles andere als einfach. Die Bewerber müssen ein dreistufiges Aufnahmeverfahren, das sogenannte (A-)Prèalable, durchlaufen, das Wissen auf verschiedensten Gebieten, von Kunst bis Staatengeschichte, verlangt. Die Ansprüche sind hoch, nur rund ein Dutzend Personen schaffte zuletzt pro Prèalable den Sprung zum Diplomaten. Jetzt gibt es wieder eine Chance.

Aufnahmekriterien wurden gelockert

Nach eineinhalb Jahren findet derzeit wieder ein A-Prèalable statt. Das Verfahren wird nicht regelmäßig, sondern immer je nach Personalbedarf angesetzt. Das kann zweimal im Jahr oder auch erst wieder nach drei Jahren sein. Vergangene Woche haben sich jene, die sich rechtzeitig beworben hatten, dem ersten Teil des aktuellen Prèalable gestellt. Bereits die Voraussetzungen für eine Bewerbung sind aber hoch: Neben der österreichischen Staatsbürgerschaft und Unbescholtenheit wird ein abgeschlossenes Studium auf Magister-/Master-Level gefordert. Wer "nur" ein Bachelorstudium absolviert hat, muss noch einen zweijährigen Lehrgang auf der Diplomatischen Akademie besuchen. Und neben ausgezeichneten Englischkenntnissen braucht es "sehr gute" Kenntnisse einer weiteren UNO-Amtssprache (Arabisch, Chinesisch, Französisch, Russisch oder Spanisch).

Beide Grundvoraussetzungen sind aber eigentlich Lockerungen gegenüber den früheren Regeln, die bei diesem Prèalable erstmals zur Anwendung kommen. Bisher wurden neben dem Studium an der Diplomatischen Akademie nicht alle, sondern nur die Studien Politikwissenschaft, Rechtswissenschaften sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften akzeptiert. Und bei den Sprachkenntnissen war die traditionelle Diplomatensprache Französisch ein absolutes Muss. Jetzt genügt auch eine andere UNO-Amtssprache, Französisch muss aber weiter zumindest passiv beherrscht werden. Wer das erfüllte, konnte am 27. Oktober online den "Kompetenz- und Wissenstest" im Multiple-Choice-Format absolvieren.

Bevorzugungen im mündlichen Teil?

Dieser hat die besten 100 Bewerber ermittelt. Für diese geht es jetzt weiter zum umfangreicheren zweiten Teil, der im Laufe des Novembers stattfindet und aus fünf unterschiedlichen Aufgaben besteht. Die Sprachkenntnisse in Englisch, Französisch und eventuell einer dritten Sprache werden durch schriftliche und mündlichen Sprachprüfungen noch einmal getestet. Dazu kommen ein weiterer Multiple-Choice-Test zu fachspezifischen Kenntnissen, ein Gedächtnistest, eine Klausurarbeit über ein außenpolitisches Thema und noch eine schriftliche Aufgabe auf Englisch. Erst danach geht es für die besten Bewerber zur letzten Hürde: Der mündlichen Prüfung im Jänner vor einer Kommission, der die höchstrangigen Beamten des Ministeriums angehören.

Wie viele letztlich als Diplomaten aufgenommen werden, ist unterschiedlich und hängt von den Ressourcen des Ressorts und vor allem der Zahl der unbesetzten Dienstposten ab. Denn neue Stellen werden im Außenministerium in aller Regel nicht geschaffen. 2010 haben sieben, 2013 18 und 2015 14 Bewerber die Aufnahme in den diplomatischen Dienst geschafft. Immer wieder gab es Kritik, dass bevorzugt Kandidaten ´mit Beziehungen zum Ministerium aufgenommen würden, sei es durch einen Besuch der Diplomatischen Akademie oder durch Familienbande. Bevorzugungen soll es demnach vor allem im mündlichen Teil durch weniger anspruchsvolle Fragen geben. Die schriftlichen Prüfungen werden ja anonymisiert. Nachweisen lässt sich das freilich nicht.

Versetzung alle drei bis vier Jahre

Nach erfolgreicher Absolvierung des Prèalable wird man als Vertragsbediensteter in den höheren auswärtigen Dienst aufgenommen, zunächst in der Zentrale des Außenministeriums in Wien. Dort durchläuft jeder Diplomat zunächst eine Ausbildungsphase, die erste Versetzung ins Ausland erfolgt frühestens im zweiten Dienstjahr. Was den Dienstort im Ausland angeht, kann der Diplomat zwar Wünsche äußern, muss aber auch einer Versetzung, die ihm nicht gefällt, Folge leisten. Der weitere Versetzungsrhythmus umfasst je drei bis vier Jahre an einem Dienstort. Vor allem was den Privat- und Familienbereich angeht, ist der Lebensstil also auch eine Herausforderung.

Kommentare

Echt österreichisch: Als Chef aller dieser exzellent ausgebildeten Leute reicht auch ein Studienabbrecher als Außenminister. Abgesehen davon, dass der aktuelle Außenminister schon die Einstiegsvoraussetzung eines Magisters oder Masters nicht erfüllen könnte, würde er wahrscheinlich bei allen diesen Prüfungen mit "Bomben und Granaten" durchsausen.

so gehörts eigentlich, aber politiker in österreich kann jedermann/jederfrau ausbildungslos werden. und DAS merkt man!

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