René Benko
©APA-Images / EXPA / Johann GroderNeben den Ermittlern des Amts für Betrugsbekämpfung ist auch René Benkos Innsbrucker Insolvenzverwalter hinter den geheimen Depots der Liechtensteiner Benko-Stiftung her.
Zwischen Weihnachten und Neujahr nahm die Causa um den seit fast einem Jahr in U-Haft sitzenden René Benko deutlich Fahrt auf. Recherchen von News zeigten bereits, dass Sonderermittler des Amts für Betrugsbekämpfung den Tiroler Milliarden-Pleitier ins Visier genommen haben. Im Zentrum der Ermittlungen soll dabei vor allem die Liechtensteiner Ingbe-Stiftung stehen.
Finanzermittler im Haus
Für die Steuerfahnder geht es dem Vernehmen nach um die Frage, ob die Stiftung faktisch unter der Kontrolle ihres Stifters René Benko stand und somit – entgegen den gesetzlichen Vorgaben – nicht als eigentümerloses Konstrukt bestand, sondern lediglich zum Schein. Sollte sich diese Rechtsansicht im Verfahren und vor Gericht durchsetzen, würde das Vermögen der Stiftung – in der weiterhin Hunderte Millionen Euro vermutet werden – Benko zugerechnet werden. Das hätte zudem eine Reihe finanzstrafrechtlicher Konsequenzen im Anwendungsbereich der Bundesabgabenordnung zur Folge.
Für Benko könnte dies noch zu einem erheblichen Problem werden: Mögliche Verurteilungen nach dem österreichischen Finanzstrafgesetz würden nicht in allfälligen Strafen für Vermögensdelikte aufgehen. Das bedeutet, dass auch für Finanzbetrug bis zu zehn Jahre Haft vorgesehen sind. Im schlimmsten Fall könnten dem Tiroler Finanz-Jongleur somit bis zu 20 Jahre Haft drohen. Für René Benko gilt die Unschuldsvermutung.
Klage in Vaduz
Anfang Dezember 2025 tat sich für Benko und seine Berater nun eine weitere Front auf. Der Tiroler Insolvenzverwalter Andreas Grabenweger ließ über eine Liechtensteiner Anwaltskanzlei eine Klage einreichen. Der 93-seitige Schriftsatz, der News und der Krone vorliegt, enthält brisante Details. Ziel der Klage ist es, die Stiftung aufzubrechen und deren Vermögen – von Villen am Gardasee bis hin zu Bargeld und physischem Gold – den Gläubigern des Milliardenpleitiers zugänglich zu machen.


Benkos Jäger: Der Insolvenzverwalter Andreas Grabenweger versucht mit viel Mühe, an die Geldtöpfe der Privatstiftung zu kommen.
© APA-Images / EXPA / Johann GroderDie Anwälte konnten zunächst mit der Erlassung einer einstweiligen Verfügung einen ersten Erfolg verbuchen, auch wenn Rechtsexperten dies als Formalakt des Fürstlichen Landgerichts in Vaduz werten. Die Handlungsfähigkeit der Stiftungsvorstände ist in den kommenden Wochen jedenfalls deutlich eingeschränkt und Vermögen in der Größenordnung von 50 Millionen Euro eingefroren. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Klageschrift liefern reichlich Munition, wie aus News vorliegenden Dokumenten hervorgeht.
Auffällige Millionen-Transaktionen
In der Klage wird insbesondere hervorgehoben, dass in den Wochen nach dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe mehrere auffällige Zahlungen durch die Liechtensteiner Stiftung erfolgt sein sollen. So wird darin unter anderem detailliert angeführt, dass die Ingbe-Stiftung am 18.01.2024 rund zehn Millionen Euro an die österreichische Laura Privatstiftung überwiesen habe. Die Zahlung sei über ein Treuhandkonto einer Wiener Rechtsanwaltskanzlei erfolgt, auf dem sich zuvor etwa 28 Millionen Euro aus dem Verkauf der Signa-Immobilie „Graben 19“ befunden hätten. Kurioses Detail: Als Zweck der Überweisung sei der Kaufpreis für ein Kunstwerk – konkret „Basquiat – Self Portrait“ – angegeben worden. Das Bild war zuvor im Bestand einer Tochtergesellschaft der Laura Privatstiftung.
Noch eine weitere Zahlung wird in der Klage erwähnt: Am 04.03.2024 sollen von dem Treuhandkonto der Wiener Rechtsanwaltskanzlei rund 9,34 Millionen Euro an einen Notar mit dem Verwendungszweck „AMERIA INVEST AG – Teilrückzahlung“ geflossen sein, obwohl bereits
ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gegen René Benko anhängig war. Nur wenige Zeit später, am 07.03.2024, habe die Ingbe-Stiftung zudem versucht, 2,5 Millionen Euro an die der Arual Stiftung zuzurechnende luxemburgische LANDGRAF S.A. zu überweisen, was jedoch nicht durchgeführt wurde. Einige Wochen später, am 21.05.2024, sei schließlich das auf dem Treuhandkonto verbliebene Geld durch das Landesgericht für Strafsachen Wien beschlagnahmt worden.
„Unsere weiteren Family Offices“
Wie die Recherchen von News und Krone nun exklusiv zeigen, gab es regelmäßig eine intensive Involvierung von René Benko in die Geschäfte der Privatstiftungen, sowohl in Österreich als auch in Liechtenstein, insbesondere im Umgang mit Banken. Der Kontakt und die Anbahnung von Geschäftsbeziehungen zwischen den Stiftungen Laura und Ingbe sowie den Banken liefen dabei mitunter direkt über Benko. Am 10. März 2021 kontaktierte Benko etwa einen Top-Manager des Schweizer Bankhauses Julius Bär persönlich; auf den Vorstand der Stiftung nahm er dabei nur beiläufig Bezug: im Zusammenhang mit den nächsten Schritten der Abwicklung. Die Stiftungen bezeichnete Benko als „unsere family offices“.


Bankenverbindungen: René Benko stand regelmäßig mit europäischen Top-Bankern in Kontakt, um frisches Kapital zu beschaffen oder das Stiftungsvermögen veranlagen zu lassen.
„Betreffend Laura Privatstiftung: wir würden unabhängig von der diskutierten Finanzierung im Laufe des April das Wertpapierdepot um weitere 50m bis 70m aufstocken, sodass JB (Julius Bär; Anm.) dann zwischen 80m und 100m verwalten kann; wir würden Euch bis nächste Woche weitere Unterlagen und Informationen zur Laura PS Gruppe zur Verfügung stellen – der Jahresabschluss der Stiftung zum 31.12.2020 liegt bereits vor und schicken wir gleich mit – dann können wir im Laufe März und April die Details zu einem angedachten Rahmenkredit für Laura PS und zusätzlich weitere 100m Wertpapiere bei Euch in der VV (Vermögensverwaltung, Anm.) im Management anpacken.“
Dem nicht genug. Im Zusammenhang mit der Ingbe-Stiftung schreibt Benko an den Bank-Manager: „Ich werde Dich auch mit dem Vorstand einer unserer weiteren Family Offices – der INGBE Stiftung (Vaduz) connecten – dann könnt ihr mit denen direkt über onboarding bei JB (Julius Bär, Anm.) und Vermögensverwaltung reden – ich denke die würden mit 2025m mal klein starten wollen.“
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 03/2026 erschienen.







