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Prozess gegen Stronach in Kanada fortgesetzt

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Stronach bestreitet alle Vorwürfe
©APA, GEORG HOCHMUTH
Der Prozess gegen den österreichisch-kanadischen Magna-Gründer Frank Stronach wegen Missbrauchsvorwürfen ist am Freitag in Toronto fortgesetzt worden. Eine Anwältin des Milliardärs warf einer Klägerin vor, eine "Geschichtenerzählerin" zu sein, ging aus einem CBC-Bericht hervor. Die Anwältin stellt die Erinnerungen der Frau an die Ereignisse des mutmaßlichen Angriffs infrage. Die Klägerin gab an, dass sie vergewaltigt worden sei und bekräftigte ihre Aussage am Freitag.

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Die Frau hatte in ihrer Aussage zu Prozessbeginn einen angeblichen sexuellen Übergriff von Stronach geschildert. Dieser bekennt sich nicht schuldig und weist alle Vorwürfe von sich. Die Frau sagte, sie habe dem Sex mit dem rund dreißig Jahre älteren Stronach nicht zugestimmt, nachdem sie ihn in seinem Restaurant in Toronto getroffen hatte. Sie wisse nicht, wie sie in jener Nacht Anfang der 1980er-Jahre in seinem Bett gelandet sei.

"Sie haben Fakten und Details ausgeschmückt, schlussendlich sind Sie eine Geschichtenerzählerin", sagte dazu Stronach-Anwältin Leora Shemesh sinngemäß zur Klägerin und deren schweren Vorwurf, als sie diese befragte. Sie erzähle im Gerichtssaal eine Geschichte und diese erzähle sie auch weiterhin diversen Medien, sagte die Anwältin laut CBC-Bericht. Die mittlerweile über 60 Jahre alte Klägerin sagt, sie habe sich ursprünglich nicht an die Polizei gewandt, weil ihr sicher niemand geglaubt hätte. Am Freitag entgegnete sie der Anwältin zu ihrer Aussage über das Handeln Stronachs: "Ich weiß, was er mir angetan hat."

Staatsanwältin Julia Bellehumeur hatte zu Prozessbeginn am Donnerstag zunächst die Vorwürfe gegen den Milliardär dargelegt. Sie beschrieb laut kanadischen Medienberichten, dass mehrere Fälle einem einheitlichen Muster folgen würden: So soll Stronach Frauen in eine Wohnung in Toronto mitgenommen, sie dann überwältigt und sexuell missbraucht haben, so Bellehumeur. Die Übergriffe seien ohne Zustimmung der Frauen erfolgt, Stronach habe das "gewusst oder bewusst ignoriert". Der Austro-Kanadier stellt die Vorwürfe in Abrede. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Insgesamt werden laut kanadischen Medien die Anschuldigungen von zwölf Frauen gegen Stronach in Kanada verhandelt, wobei diese in zwei Verfahren gesplittet wurden. Beim Prozess in Toronto werden die Vorwürfe von sieben Frauen behandelt, die übrigen Vorwürfe sollen später im Jahr in Newmarket (Ontario) verhandelt werden. Die Verhandlung in Toronto findet nur vor einer Richterin statt, eine Jury gibt es nicht.

Ursprünglich hätte der Prozess bereits vor mehr als einer Woche starten sollen. Stronachs Anwältin Shemesh hatte jedoch das kanadische Gericht zunächst um Aufschub gebeten, um neue Unterlagen sichten zu können. Wenige Tage später stellte sie einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, da sie befürchte, dass einige Zeugen von der Staatsanwaltschaft beeinflusst ("coached") wurden.

Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Anschuldigungen der versuchten Vergewaltigung gegen Stronach bis ins Jahr 1977 zurück. Weitere Frauen werfen dem Milliardär Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in den 1980er, 1990er- und frühen 2000er-Jahren vor. Einige Vorfälle ereigneten sich demnach in Toronto, weitere auch in der kanadischen Stadt Aurora, wo Stronachs ehemalige Firma Magna International ihren Hauptsitz hat. Auch im Frühjahr 2023 soll der Milliardär sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen verübt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Stronach, gebürtiger Steirer, hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Auto-Industrie reüssierte. In Österreich wurde der heute 93-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

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