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Porr-Chef: Entspannung am Wohnungsmarkt frühestens ab 2027

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Zu wenig Wohnungen in Bau
©APA, HELMUT FOHRINGER, THEMENBILD
Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist nach wie vor angespannt. "Bezahlbarer Wohnraum ist knapp", hielt der Chef des Baukonzerns Porr, Karl-Heinz Strauss, am Mittwoch vor Journalistinnen und Journalisten fest. "Wichtig ist, dass der soziale Wohnbau angekurbelt wird", betonte er. "Wenn man mehr baut, sinken die Mieten." Die Gemeinnützigen hätten bereits verstärkt zu bauen begonnen - ein "Hoffnungsschimmer". Spürbar mehr Wohnungen würden erst ab 2027 oder 2028 auf den Markt kommen.

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Preislinderungen durch den Mietpreisdeckel der Regierung zweifelt Strauss an: "Er bekämpft ja nicht das Symptom - die hohen Mieten -, sondern reguliert nur deren Anstieg." Die Mietpreise reguliere am besten der Markt. Es müsse einfach mehr gebaut, also das Angebot erhöht, werden. Die Mietpreisbremse sei nur "ein Signal, dass hier was passiert, aber mehr nicht".

Es müsse nicht nur mehr, sondern auch günstiger gebaut werden. Der Konzernchef verwies dabei auf das Konzept "Porr Living" als Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum. "Wir haben damit Herstellungskosten unter 2.000 Euro pro Quadratmeter für sechs Geschoße." Dabei handle es sich um eine Art Elementbau plus Haustechniktool. Die Wohnungen seien mit Wärmepumpen ausgestattet - die Häuser seien im Winter beheizt und im Sommer gekühlt. "Das erste Projekt wird in Wiener Neustadt entstehen", berichtete Strauss. Auch in Deutschland habe die Porr schon Nachfrage nach Wohnungen mit diesem Konzept.

Die derzeit insgesamt schwache Konjunkturstimmung im Bausektor ist dem Konzernchef zufolge darauf zurückzuführen, "dass der Ein- und Zweifamilienhausbau stagniert". Das habe zum einen mit den zurückhaltenden Banken bei den Finanzierungen zu tun, zum anderen mangle es an gezielter Wohnbauförderung. "Ich plädiere wirklich für eine einheitliche Wohnbauförderung in Österreich, losgelöst von Ideologien", sagte Strauss mit Blick auf die 70er- und 80er-Jahre. Damals habe diese funktioniert - "sozial gestaffelt und mit gestützten Darlehen für 35 oder 40 Jahre".

Auch den Projektentwicklern geht es schlecht. "50 Prozent der Entwickler gibt es nicht mehr, die nächsten 25 Prozent sterben jetzt, der Rest wird gestärkt hervorgehen", so der Porr-Chef. "Also ich glaube, auf die Entwickler werden weiterhin harte Zeiten zukommen." Die Branche zerbreche an den "sehr teuren Grundstücken" in Relation zu den erzielbaren Wohnungspreisen. Man sehe noch keine großen Bewegungen - "die Preise steigen nicht". Es gebe auch kaum große Investoren, die für Projekte über 50 oder 60 Mio. Euro in die Hand nehmen. Bestehende Projekte würden im besten Fall aufgenommen, "viele Projekte werden überhaupt nicht realisiert".

Der Porr selbst geht es gut - der Wohnbau macht nur einen kleinen Teilbereich der Produktionsleistung aus. "Wir haben Hochkonjunktur - 2025 war eines der besten Jahre, 2026 scheint noch besser zu werden", so Strauss. Der Konzern profitiere von "Megatrends" wie leistbarem Wohnraum, Erhaltung und Erneuerung von Bahnstrecken und Digitalisierung mit steigendem Bedarf an Datencentern. Die Porr habe bereits acht in Polen, Deutschland und Österreich gebaut. "Das ist ein Zukunftsthema."

Auch im Gesundheitsbereich sei der Konzern "sehr breit aufgestellt" - nicht zuletzt durch die Übernahme der Vamed Standortentwicklung und Engineering GmbH (VSG) per Jahresende 2025. Unmittelbar vor Weihnachten hatte die Bundeswettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme des österreichischen Projektentwicklungsgeschäfts des Gesundheitsdienstleisters Viacama (vormals Vamed) vom deutschen Fresenius-Konzern gegeben.

"Wir kaufen Personal und laufende Aufträge, aber wir brauchen sonst keine Investitionen", erklärte Strauss. Der Personalstand der Porr ist mit der Übernahme um 140 Beschäftigte gewachsen. Altlasten seien durch den Kaufpreis abgefedert. "Der Sinn ist, dass wir in den Märkten, in denen wir bereits bauen, Medizintechnik hineinbringen und weiterentwickeln - wir bauen Rehakliniken und Gesundheitszentren, derzeit beispielsweise eines in Wien-Liesing", so Strauss.

"Gesundheitsinfrastruktur ist ein weiterer Megatrend", betonte der CEO. Der Anteil an der gesamten Bauleistung des Konzerns ist derzeit noch gering. "Momentan sind wir im unteren einstelligen Prozentbereich", umriss Strauss das Wachstumspotenzial. "Wir können planen, errichten und mit Partnern auch betreiben."

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