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Auslöser waren aus Sicht der Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer, Georg Imlauer und Alois Rainer, allzu scharfe Worte Hebenstreits in einer OTS vom Montag, die dieser am Mittwoch zum Teil bekräftigte. Man sei die Angriffigkeit des vida-Chefs zwar gewohnt, auch Kritik könne immer geäußert werden, diesmal sei es aber zu weit gegangen. Der Gewerkschafter habe diesmal "eine rote Linie überschritten". Es sei versucht worden, den ganzen Wirtschaftszweig zu "kriminalisieren und diskreditieren". Vertrauen sei zerstört, das sei aber die "Basis der Sozialpartnerschaft".
Hebenstreit äußerte daraufhin sein "Bedauern" über den "überzogenen Schritt" der Arbeitgebervertreter auf Basis "berechtigter Kritik". "Verhandlungsverweigerung löst keine Probleme." Und: "Gerade um die vielen rechtschaffenen Betriebe nicht in Verruf zu bringen, ist es notwendig, Negativbeispiele klar zu benennen." Auf den Ruf nach einer Entschuldigung ging der Gewerkschafter erst gar nicht ein. Er forderte die Arbeitgeberseite auf, rasch Gespräche aufzunehmen.
Der Gewerkschafter verwies etwa auf ein "Zwischenparken" von Arbeitnehmenden zum Stempeln beim AMS, einen kürzlich aufgedeckten Registrierkassenbetrug, in dem es rund 20 Beschuldigte gibt, und einen Schwarzgeldfund bei einem Betrieb in Salzburg. Er empfahl der Branche beispielsweise "endlich unternehmerische Verantwortung zu lernen". Zum kürzlichen Nächtigungsrekord hatte Hebenstreit gemeint: "Was uns hier als Erfolg verkauft wird, ist in Wahrheit ein System, das von massiven Fehlentwicklungen, moralischer Schieflage und fiskalischer Malversation geprägt ist. Hinter den Jubelmeldungen verbirgt sich eine Branche, die Rekordgewinne privatisiert, aber ihre Risiken zu 100 Prozent sozialisiert."
Das hatte die Arbeitgeberseite nicht auf sich sitzen lassen. Hebenstreits Aussagen seien pauschal verunglimpfend und inakzeptabel. "Solange von Ihrer Seite keine Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit erkennbar ist, fehlt die Grundlage für seriöse Verhandlungen", schrieben Imlauer und Rainer in einem offenen Brief an Hebenstreit.
Laut vida-Angaben arbeiten rund 200.000 bis 240.000 Menschen im Regime des Hotellerie-/Gastro-Kollektivvertrags. Saisonbedingt gibt es Schwankungen. In Tourismusbundesländern gibt es einzelne eigene KV-Regelungen. Wie es nun mit den eigentlich anstehenden Gesprächen zu ihrem neuen Kollektivvertrag weitergehen soll, ließen sowohl ihre Vertreter der Arbeitgeber von der Wirtschaftskammer (WKÖ) als auch jene der Arbeitnehmer von der Gewerkschaft vida am Mittwoch offen.
