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Ursprünglich hätten viele Experten mit Werten um 2,6 oder 2,7 Prozent gerechnet. Ein wesentlicher Grund für die Punktlandung auf dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent sei die Entwicklung der Energiepreise, die weniger stark gestiegen oder sogar stärker gesunken seien als von vielen angenommen. Zudem sei der preistreibende Basiseffekt durch das Auslaufen der Strompreisbremse nun statistisch nicht mehr relevant.
Auch ein zweiter statistischer Effekt habe die Inflationsrate nach unten gedrückt, erklärte Kocher: Die aktuelle Jänner-Rate sei bereits auf Basis des alle fünf Jahre erneuerten Warenkorbs berechnet. Dieser berücksichtigt, dass Konsumenten bei hohen Preisen auf günstigere Produkte ausweichen (Substitutionseffekt), was inflationsdämpfend wirkt. Wie stark sich der Warenkorb-Effekt ausgewirkt habe, werde man Ende Februar wissen. "Wenn dieser Warenkorb-Effekt substanziell war, dann heißt das auch, dass wir in den letzten Monaten die Inflationsrate überschätzt haben. Das liegt daran, dass sich das Einkaufsverhalten in solchen Perioden mit etwas höherer Inflation auch verändert, und stärker verändert, als wenn die Inflation nur bei ein, zwei Prozent liegt."
Man müsse daraus auch die richtigen Schlüsse ziehen. "Einmalige Preissubventionen haben einen kurzfristigen positiven Effekt, wenn sie auslaufen, haben sie einen negativen Effekt, und nach einem Jahr ist der Effekt wieder herausgefallen." Man sollte jedenfalls nicht den Schluss daraus ziehen, "dass Preisfestlegungen in großem Stil die Inflationsrate langfristig nach unten bringen".
Für das Gesamtjahr 2026 zeichnet sich eine Korrektur der OeNB-Erwartungen ab. Im Dezember war die Nationalbank noch von einer Jahresinflation von 2,4 Prozent ausgegangen. "Die werden wir nach unten korrigieren müssen", kündigte der Gouverneur an. Neben den aktuellen Energiedaten seien in der alten Prognose auch dämpfende Faktoren wie die geplante Senkung der Lebensmittel-Mehrwertsteuer zur Jahresmitte noch nicht enthalten gewesen. "Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des Jahres eine Entwicklung haben werden, die ungefähr im Rahmen dieser 2 Prozent sein wird", so Kocher.
