ABO

Handelsflächen schrumpfen jedes Jahr um gut 40 Fußballfelder

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
In den großen Einkaufsstraßen ist der Flächenrückgang gering
©APA, THEMENBILD, TOBIAS STEINMAURER
Seit 2014 gehen die Verkaufsflächen im Einzelhandel zurück. 2024 und 2025 seien dabei Ausreißer nach oben gewesen mit Flächenrückgängen um 3,3 bzw. 3 Prozent im Jahresvergleich, so RegioPlan Consulting und Handelsverband. Das sei vor allem auf Schließungen bei den Möbelhandelsketten Kika und Leiner zurückzuführen. Im Schnitt liege der jährliche Rückgang bei 280.000 Quadratmetern, was rund 40 Fußballfeldern entspricht. Fast alle Branchen reduzierten dabei ihre Handelsflächen.

von

Neben den Schließungen bei Kika und Leiner mussten in jüngerer Vergangenheit auch mehrere größere Bekleidungs- und Schuhhändler ihre Ladennetze deutlich reduzieren oder ganz aufgeben. Wie kürzlich bekannt wurde, verkleinert etwa der Textildiskonter Kik laut Medienberichten sein Filialnetz in Österreich und plant im ersten Quartal 2026 neun Standorte zu schließen. Kik betreibt nach eigenen Angaben über 220 Filialen in Österreich.

RegioPlan-Geschäftsführerin Romina Jenei führt den Rückgang der Verkaufsflächen in den meisten Handelsbranchen auf den Wandel im Konsumverhalten zurück. "Einerseits ist der eCommerce zuletzt wieder stärker gewachsen, andererseits fließt ein immer größerer Anteil der Ausgaben nicht mehr in den klassischen Handel, sondern in Gastronomie, Freizeit und Dienstleistungen wie Fitness, Beauty-Behandlungen oder Kurse", so Jenei.

Der Handel reagiere darauf mit der Vergrößerung gut funktionierender Standorte, während schwächere Lagen aufgegeben werden würden. Mittlerweile zeige sich selbst im Lebensmittelhandel ein leichter Rückgang der Verkaufsflächen. Nur im Drogeriebereich habe es einen Ausbau bei den Verkaufsflächen gegeben, insbesondere die deutsche Drogeriemarktkette Müller expandiere hierzulande.

Nur einen leichten Verkaufsflächenrückgang von 0,4 Prozent gab es im Vorjahr bei den 25 "Top-Geschäftsstraßen", darunter etwa die Wiener Mariahilferstraße oder die Herrengasse in Graz. Die Leerstandsquote lag den Angaben zufolge im Schnitt bei 5,6 Prozent. In mittleren und kleineren Geschäftszonen dagegen schrumpften die Verkaufsflächen um 4,1 Prozent, die Leerstandsquote stieg auf 14,7 Prozent. "Der Strukturwandel ist im ganzen Land sichtbar, aber er verläuft differenziert", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. "Während schwächere Lagen stärker unter Druck geraten, zeigen Top-Standorte und gut positionierte Konzepte Stabilität."

Im europäischen Vergleich hat Österreich nach wie vor eine hohe Handelsflächendichte. Pro Einwohner kommen 1,5 Quadratmeter Verkaufsfläche, wie Handelsverband und RegioPlan berichten. In vielen mittelgroßen Städten sehen die Experten eine "Überversorgung mit Verkaufsfläche", eine weitere Flächenreduktion sei absehbar. Insbesondere Wiener Neustadt, Steyr, Wels, St. Pölten und Klagenfurt seien demnach mit Verkaufsflächen "überversorgt".

++ THEMENBILD ++ Illustration zu den Themen 4. Einkaufssamstag/Handel/Tourismus/Advent/Inflation. Im Bild: Blick auf die Mariahilfer Straße, aufgenommen am Samstag, 20. Dezember 2025, in Wien.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER