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Kocher tritt am Montag Amt als Nationalbank-Gouverneur an

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Martin Kocher stellt sich einer neuen Aufgabe
©APA, HELMUT FOHRINGER
Die Nationalbank (OeNB) schlägt am kommenden Montag ein neues Kapitel auf: Martin Kocher, Ex-IHS-Chef und bis vor kurzem ÖVP-Wirtschafts- und Arbeitsminister, tritt sein Amt als Gouverneur und damit oberster Notenbanker des Landes an. Der 51-jährige Ökonom übernimmt die Geschäfte von Robert Holzmann, der sechs Jahre an der Spitze der OeNB stand. In der damit einhergehenden Funktion als EZB-Ratsmitglied dürften Kocher durchaus turbulente Zeiten erwarten.

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Schon seit längerem bläst der europäischen Wirtschaft rauer Wind entgegen. Neben relativ schwachen Konjunkturdaten und auseinanderklaffenden Inflationsraten der Mitgliedsländer sieht sich die EU seit einigen Monaten auch mit den Wirren um die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump konfrontiert. Die Europäische Zentralbank hat all das bei der Bestimmung ihres geldpolitischen Kurses zu berücksichtigen - insgesamt ein schwieriger Balanceakt. Als Mitglied im obersten EZB-Beschlussorgan wird Kocher künftig über die Geldpolitik im Euroraum mitentscheiden. Im Euro-Land Österreich selbst ist die Inflation deutlich höher als im Eurozonen-Durchschnitt.

Eine längere Eingewöhnungszeit in der Nationalbank, bevor es diesbezüglich ernst wird, hat Kocher nicht: Schon am 11. September, also in knapp zwei Wochen, wird er seine erste Ratssitzung bestreiten. Bei dieser steht auch die nächste Zinsentscheidung an. Nach einer Serie von sieben Zinssenkungen in Folge hatte die EZB unlängst die Pausetaste gedrückt und ihren Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen. Grundsätzlich ist es Ziel der EZB, die Inflationsrate nahe bei 2 Prozent zu halten und damit Preisstabilität zu garantieren. Gleichzeitig soll die aktuell strauchelnde Wirtschaft durch die Zinspolitik nicht abgewürgt werden.

Was seine geldpolitischen Positionen betrifft, die Einfluss auf sein Abstimmungsverhalten im Rat haben könnten, wollte sich Kocher, der auf ÖVP-Ticket in die Nationalbank kommt, bisher nicht näher äußern. Sein einst mit Unterstützung der FPÖ berufener Amtsvorgänger Holzmann galt im Rat jedenfalls als "Falke", also Anhänger einer straffen Geldpolitik, deren Fokus auf der Inflationsbekämpfung mittels höherer Zinsen liegt. Im Gegensatz dazu setzen sich "Tauben" für eine expansive Geldpolitik ein, mit der durch niedrigere Zinsen und billigem Geld die Wirtschaft angekurbelt werden soll. In welche Richtung Kocher tendiert, wird sich offiziell erst zeigen - dass er sich angesichts der Inflationsentwicklung in der Alpenrepublik für Niedrigzinsen einsetzen wird, gilt aber als unwahrscheinlich.

Während sich die Inflation in der Eurozone mittlerweile beim 2-Prozent-Ziel eingependelt hat, steht Österreich nämlich mit einem vergleichsweise hohen Preisauftrieb da, was hierzulande zuletzt wieder für hitzige Debatten gesorgt hat. Als österreichischer Notenbankchef wird Kocher das Thema also wie schon in seiner Zeit als Minister begleiten, wobei ihn nun auch der digitale Euro, die Bargeldversorgung sowie nicht zuletzt die Finanzen der Nationalbank beschäftigen werden - um nur wenige Themen zu nennen.

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