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E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch betonte, dass Österreich weit von den Preisspitzen des Jahres 2022 entfernt sei. "Ich sehe jetzt einmal noch keine Krise", sagte er. Sollten die Kampfhandlungen rasch enden, werde sich der Preisanstieg an den Energiemärkten kaum bemerkbar machen. Halte der Konflikt jedoch länger an, könnte dies für Bestandskunden im kommenden Jahr ein Plus von etwa einem Cent pro Kilowattstunde bedeuten. Der Markt gehe bei der Sperre der Straße von Hormuz vorerst von einem Ausfall von wenigen Wochen aus. Das globale Ausfallspotenzial liege bei 1.000 Terawattstunden (TWh) Gas, was ungefähr dem Ausfall der russischen Pipelinlieferungen global entspreche. "Sobald Hormuz aufgesperrt wird sozusagen, verfallen relativ schnell auch wieder die Preise", zeigte sich Urbantschitsch zuversichtlich.
Angesichts der aktuellen Marktlage riet Urbantschitsch Haushalten, jetzt Verträge mit Fixpreisen abzuschließen. "Ich würde allen raten, jetzt ein Fixpreisangebot abzuschließen, weil man dann gut über den nächsten Winter kommt", sagte er. Wer derzeit einen dynamischen Tarif nutze, bei dem sich Großhandelspreise unmittelbar auf die Endkundenpreise auswirkten, sollte einen Wechsel prüfen. Es gebe derzeit noch attraktive Angebote am Markt, teilweise um die zehn Cent netto pro Kilowattstunde.
Anlass des Pressegesprächs war die Präsentation des aktuellen Tätigkeitsberichts des Energieregulators. Die Vorstände zogen dabei eine Bilanz der vergangenen fünf Jahre, die stark von der Bewältigung verschiedener Krisen geprägt waren. Nach dem Nachfrageeinbruch durch die Covid-Pandemie führte der russische Angriff auf die Ukraine zu beispiellosen Preisschocks. Gleichzeitig habe die Krise die Energiewende massiv beschleunigt: So wurden in den vergangenen fünf Jahren unter anderem rund 500.000 Photovoltaik-Anlagen an das Stromnetz angeschlossen.
Für Urbantschitsch war es nach zwei vollen Funktionsperioden und insgesamt zehn Jahren der letzte öffentliche Auftritt in dieser Funktion. Mit einem Schmunzeln merkte er zu den Lehren seiner Amtszeit an, er habe gelernt, sich nie wieder auf Prognosen zur Preisentwicklung einzulassen.
Da eine weitere Verlängerung gesetzlich nicht möglich ist, widmet er sich künftig primär seiner Professur für Öffentliches Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Energierecht an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), die er bereits im März 2025 in Teilzeit angetreten hat. Sein Vorstandskollege Alfons Haber bleibt der Behörde hingegen erhalten: Sein Mandat wurde im Jänner 2026 von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) für weitere fünf Jahre verlängert. Neuer zweiter Vorstand wird ab dem 25. März 2026 der bisherige Wien-Energie-Chef Michael Strebl. Dessen direkter Wechsel von einem der größten Energieversorger des Landes zur Aufsichtsbehörde hatte im Vorfeld für politische Diskussionen rund um eine fehlende "Cooling-off-Phase" gesorgt.






