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In seiner Studie nutzte das Forschungsteam um Iris Wahring vom Institut für Psychologie der Entwicklung und Bildung der Universität Wien Längsschnittdaten von 2.840 Erwachsenen zwischen 50 und 95 Jahren aus der Health and Retirement Study (HRS). Während sich die Forschung bisher oft auf Verlustereignisse wie Tod des Partners oder schmerzhafte Trennung konzentriert hat, untersuchten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter in der aktuellen Arbeit gezielt auch "Gewinnereignisse", etwa wenn im Alter noch einmal eine neue Liebe Einzug hält.
Dazu verglichen sie die Veränderungen des Wohlbefindens (anhand depressiver Symptome und Beurteilung der Lebenszufriedenheit) über einen Zeitraum von zwei Jahren zwischen Personen, die Veränderungen ihres Beziehungsstatus wie Trennung, Zusammenziehen mit einem Partner mit oder ohne Heirat sowie Heirat unter Lebenspartnern erlebt haben. Diese Daten verglichen sie mit einer Kontrollgruppe mit stabilem Beziehungsstatus.
Es zeigte sich, dass "der Übergang in einen gemeinsamen Haushalt mit einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner mit einem deutlichen Anstieg der Lebenszufriedenheit einherging", erklärte Wahring in einer Aussendung der Uni Wien. Dabei sei das Zusammenziehen entscheidender als der rechtliche Status, denn der positive Zusammenhang zeigte sich unabhängig davon, ob das Paar gleichzeitig heiratete oder nicht.
Als "überraschend" wertet das Forschungsteam den Befund, wonach bei Paaren, die bereits zusammenwohnten und erst später heirateten, durch das Ja-Wort "kein messbarer Zusatzgewinn an Lebensglück" zu beobachten war. Offensichtlich wird eine höhere Lebenszufriedenheit bereits durch den gemeinsamen Haushalt erreicht.
Beim späten Glück konnte das Forschungsteam keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen: Männer und Frauen würden gleichermaßen von einer festen Partnerschaft profitieren.
"Unerwartet" sei das Bild bei Trennungen: Entgegen den gängigen Erwartungen würden Beziehungsbrüche in dieser Altersgruppe nicht zu einem messbaren Absinken des Wohlbefindens führen. "Das deutet darauf hin, dass ältere Erwachsene über eine bemerkenswerte emotionale Widerstandsfähigkeit verfügen oder andere soziale Ressourcen nutzen, um solche Übergänge abzufedern", so Wahring.
Die Forscherinnen und Forscher verweisen in der Arbeit auf den gesellschaftlichen Wandel, wonach das Zusammenleben in "wilder Ehe" vor einigen Jahrzehnten noch selten und stigmatisiert war, heute jedoch in verschiedenen Altersgruppen weit verbreitet sei. Dies könnte erklären, warum in früheren Studien ein höheres Wohlbefinden festgestellt wurde, wenn das Zusammenziehen mit einer Heirat einherging, während heute die Auswirkungen der Heirat allein weniger ausgeprägt sein dürften.
Die Psychologin betont, dass die Ergebnisse statistische Durchschnittswerte widerspiegeln und individuelle Erfahrungen im Einzelfall variieren können. Auch wenn die Studie die Situation in den USA abbilde, seien die Ergebnisse aufgrund ähnlicher Beziehungsnormen in den beiden Regionen gut auf europäische Länder übertragbar.
(SERVICE - https://doi.org/10.1177/01650254261419712 )
