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Typ-1-Diabetes - Kaum Gefahr bei Wintersport und Apres-Ski

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++ ARCHIVBILD ++ Wintersport muss kein Hindernis ein
©Michael Reichel, APA, dpa
Skifahren, Snowboarden, Skilanglauf oder Tourengehen gehören für viele Menschen zur kalten Jahreszeit. Typ-1-Diabetiker können das ebenfalls unbeschwert tun, wie jetzt die Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE) mit Berufung auf den Grazer Experten Othmar Moser in einer Aussendung geschrieben hat. Blutzuckerspiegel und eine gute Kenntnis bei Verwendung einer "Insulinpumpe" sind aber notwendig.

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Mit Typ-1-Diabetes (insulin-abhängiger Diabetes) ist mittlerweile auch eine Laufbahn im Profisport möglich. Bei den am Sonntag zu Ende gegangenen Olympischen Winterspielen in Italien haben das mehrere Teilnehmer gezeigt. "Ski-Cross-Athletin Hannah Schmidt (Kanada) und Skeletonpilotin Anna Fernstädtova (Tschechien) leben mit der chronischen Stoffwechselerkrankung. Wichtig ist, immer den Glukosestoffwechsel (Blutzucker; Anm.) sowie die Funktion der Medizintechnik bei kalter Witterung im Blick zu behalten", hieß es in der Aussendung. Im Profitennis ist wohl der Deutsche Spitzenspieler Alexander Zverev, seit seinem vierten Lebensjahr Diabetiker, das beste Beispiel.

Olympiateilnehmer trainieren auf höchstem Niveau und werden dabei ständig professionell betreut. Doch Wintersport muss auch für erwachsene Einsteiger oder Kinder mit Typ-1-Diabetes kein Hindernis ein. Viele vermeiden Bewegung aus Sorge vor Unter- oder Überzuckerungen (Hypo- bzw. Hyperglykämie).

Dabei zeigten Daten aus mehr als 420.000 Trainingseinheiten von 3.248 Menschen mit Typ-1-Diabetes, wie positiv sich körperliche Aktivität bei guter Planung auf den Glukoseverlauf auswirken kann, so Othmar Moser, Leiter der Forschungsgruppe Sportphysiologie, Trainingswissenschaft und Trainingstherapie am Institut für Bewegungswissenschaften, Sport & Gesundheit der Universität Graz: "Menschen mit Typ-1-Diabetes können Wintersport und auch das gesellige Beisammensein danach genauso genießen wie alle anderen. Entscheidend ist, dass sie ihren Glukoseverlauf (Blutzuckerwerte im Verlauf; Anm.) verstehen, Insulin und Kohlenhydrate bewusst einsetzen und ihre Technologie - also Sensor, (Insulin-)Pumpe oder 'smarten' Insulin-Pen - zuverlässig im Blick behalten".

Körperliche Aktivität und Sport kann den Glukosespiegel senken - insbesondere bei längeren, eher gleichmäßigen Belastungen. Hoch-intensive oder stressreiche Situationen können ihn dagegen auch ansteigen lassen. Wer auf der Piste unterwegs ist, sollte deshalb regelmäßig seine Blutzuckerwerte checken, deren Verlauf beachten und schnell wirksame Kohlenhydrate in Form von kleinen Snacks griffbereit haben, betonte der Experte für Diabetes, physische Aktivität und Sport. Hier gilt es vor allem, einer Hypoglykämie (unter 60 bis 70 Milligramm Blutzucker pro Deziliter Blut) zuvorzukommen.

Automatisierte Insulinabgabesysteme (AID, "Insulinpumpen") können beim Wintersport unterstützen. Während der Aktivität sollten Sensorwerte sorgfältig beobachtet werden. Liegt der Wert unter 126 Milligramm pro Deziliter, empfiehlt Moser, schnell wirkende Kohlenhydrate zuzuführen: "Vor allem unter Kälte funktioniert Traubenzucker einwandfrei."

Gleichzeitig gilt aber auch: Zu viele Kohlenhydrate können einen Blutzuckeranstieg auslösen und im Anschluss eine verstärkte Insulinabgabe nach sich ziehen. "Ein AID-System ist ein großartiger Trainingspartner, aber kein Autopilot. Wer Sport plant, sollte rechtzeitig reagieren, das System vorbereiten und nach dem Training auch verzögerte Effekte im Blick behalten", erklärt Moser.

Neben der körperlichen Belastung spielt im Winter auch die Umgebung eine Rolle. Kälte kann den Kreislauf belasten. Warme Kleidung, gut sitzende Schuhe und regelmäßige Pausen sind deshalb sinnvoll. Beim Wintersport sollten Menschen mit Diabetes ihre Technik - wie Insulinpumpe, CGM-Empfänger (Empfänger für die Blutglukosewerte von permanenten Sensoren) oder Smartphone - möglichst nah am Körper tragen, zum Beispiel unter der Jacke oder in einer körpernahen Innentasche.

Die Körperwärme schützt Akkus und Sensoren vor starker Kälte, da Batterien bei niedrigen Temperaturen deutlich schneller an Leistung verlieren. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, Ersatzbatterien ebenfalls warm aufzubewahren und Geräte nur kurzzeitig der Kälte auszusetzen.

Nach einem Tag auf der Piste gehört für viele Erwachsene der Besuch einer Skihütte dazu. "Alkohol ist für Menschen mit Diabetes nicht grundsätzlich tabu, sollte jedoch in Maßen konsumiert werden. Fachleute empfehlen für Frauen nicht mehr als zehn Gramm Alkohol täglich, für Männer nicht mehr als 20 Gramm. Auch hier gilt: Den Blutzucker regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf Kohlenhydrate zuführen.

ARCHIV - 10.01.2026, Thüringen, Ilmenau: Skifahrer sind auf der gespurten Loipe am Laura-Bahn-Weg im Thüringer Wald unterwegs. (zu dpa: «Schnee lockt Urlauber – Thüringer Wald gut gebucht») Foto: Michael Reichel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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