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TU Graz verlängert Leben von Gleisbauteilen

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Die Haltbarkeit der Isolierstöße wurde ausgiebig getestet
©RID, APA, TU Graz
Auf österreichischen Bahnstrecken sind rund 33.000 Isolierstöße verbaut. Ohne sie würde der Zugverkehr um einiges unsicherer sein: Die seitlich an den Schienen angebrachten Bauteile registrieren, wann ein Zug einen Streckenabschnitt betritt und verlässt, und senden entsprechende Signale zur Gleisfrei-Meldeanlage. Auf stark befahrenen Strecken werden die Bauteile jedoch stark belastet und sie verschleißen zu schnell. An der TU Graz hat man eine Lösung gefunden.

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Isolierstöße unterteilen das Schienennetz in elektrisch voneinander getrennte Befahrungsabschnitte. Erst wenn das Teilstück wieder frei ist, darf der nächste Zug hineinfahren. Üblicherweise werden die kunststoffummantelten Stahllaschen im Abstand von ein bis drei Kilometern angeordnet und sind auch am Anfang und Ende von Weichen zu finden. Doch sie sind höchsten Belastungen ausgesetzt. Ihre Lebensdauer ist daher begrenzt und die regelmäßige Instandhaltung und Erneuerung verursacht hohen Aufwand. "Auf viel befahrenen Strecken verschleißen manche Isolierstöße sehr schnell, jede Zugachse beansprucht sie aufs Neue", erklärte Stefan Marschnig vom Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft der TU Graz.

Die Lebensdauer der Isolierstöße an Gleisen liegt derzeit bei rund acht bis zwölf Jahren, stellenweise aber auch nur bei einem bis zwei Jahren - je nach lokaler Belastung. Wie die TU Graz am Donnerstag mitteilte, haben die Experten der Institute für Eisenbahnwesen sowie Eisenbahn-Infrastrukturdesign gemeinsam mit den ÖBB und Martin Schienentechnik eine Lösung zur Verbesserung dieser Werte gesucht und gefunden. Es wurde ein Prototyp mit verbessertem Material und neuen Geometrien geschaffen, der so robust ist, dass er eine doppelt so lange Lebensdauer verspricht.

"Mit dem Research Cluster Railway Systems haben wir an der TU Graz Expertinnen und Experten aus allen relevanten Bereichen vereint", sagte Ferdinand Pospischil vom Institut für Eisenbahnwesen. Dem Team war es wichtig, das gesamte System zu betrachten - von der Belastung durch die Schienenfahrzeuge bis hin zur Kraftübertragung in den Untergrund.

Der Weg zur Lösung war geradlinig: Zunächst wurden mit Gleismesswägen Schwachstellen im Netz identifiziert. An defekten Isolierstößen führten die Experten Messungen vor Ort durch, um die Kräfte und Wechselwirkungen zwischen Zug, Gleis und Untergrund zu verstehen. Aus diesen Daten produzierten sie einen "digitalen Zwilling" - eine virtuelle Kopie des Gesamtsystems, mit der die Forschenden ihre Prototypen entwerfen und testen konnten.

Die Prototypen mussten sich in der Praxis beweisen. Die ersten Tests auf der Strecke zeigten vielversprechende Ergebnisse. Das optimierte Material und die neue Geometrie verursachen geringere Spannungen im Material, die auftretenden Kräfte würden sich besser verteilen, wodurch das gesamte System stabiler werde. Die Grazer Experten gehen davon aus, dass sich die Lebensdauer der Isolierstöße im Vergleich zu den bisherigen "zumindest verdoppeln" sollte. Das würde weniger Wartungskosten, weniger Verspätungen wegen Wartungen und nicht zuletzt ein zuverlässigeres Schienennetz für alle, die sich auf die Bahn verlassen können wollen, bedeuten.

GRAZ - ÖSTERREICH: FOTO: APA/RID - TU Graz

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