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Neuer Datensatz für Forschung zu Einfluss musikalischer Expertise

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Türöffner für fundierte Studien
©TECHT, APA, THEMENBILD, HANS KLAUS TECHT
Ein neuer anonymisierter Datensatz von 1.438 jungen Menschen mit und ohne musikalischen Hintergrund soll Informationen für zukunftsweisende Forschungen dazu bereitstellen, was musikalische Expertise mit Menschen macht. Das Projekt wurde jetzt als wissenschaftliche Publikation vorgestellt.

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"In den Neurowissenschaften und in der Verhaltensforschung sind Wissenschafter oft an der Untersuchung von 'Expertengruppen' interessiert. Das sind Menschen, die sich mit einem spezifischen Thema lang und ausgiebig beschäftigen. Klassische Beispiele, die neurowissenschaftlich oder kognitionswissenschaftlich (Aufmerksamkeit, Denken, Lernen, Sprechen, Handeln; Anm.) häufig untersucht wurden, umfassten Londoner Taxifahrer, Leser der Braille-Schrift (Blinde; Anm.), Schachspieler oder Athleten. Ein wichtiges Forschungsziel ist dabei, zu verstehen, ob und wie solche langfristigen intensiven Erfahrungen Veränderungen der Gehirnstruktur und der Gehirnfunktionen hervorrufen sowie das Verhalten und das Denken beeinflussen", schrieben jetzt Francesca Talamini vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck und Dutzende Co-Autoren in "Scientific Data" (doi: 10.1038/s41597-026-06654-0).

Die Tür für solche Forschungen rund um den Einfluss von intensiver Beschäftigung mit Musik ist nunmehr buchstäblich weit offen. Mit den Informationen aus "Music Ensemble" der weltumspannenden Forschergruppe sollen sie ermöglicht werden. "Der Datensatz 'Music Ensemble' ist eine umfangreiche, länderübergreifende Datenbank mit detaillierten Informationen zu den musikalischen, kognitiven, persönlichkeitsbezogenen und demografischen Profilen junger Erwachsener mit und ohne musikalischen Hintergrund. Die Daten stammen von 1.438 Teilnehmern (10 bis 30 Jahre) an 35 Forschungsstandorten in Europa, Nordamerika, Südamerika und Australien", schrieben die Wissenschafter.

Die Probanden absolvierten bei Aufnahme eine umfangreiche Testbatterie mit objektiven Parametern. Die Tests wurden unter persönlicher Anwesenheit in entsprechenden Labors durchgeführt. Sie umfassten Messungen des verbalen, visuell-räumlichen und musikalischen Kurzzeitgedächtnisses, exekutiver Funktionen, nonverbalen Denkvermögens, Sprachverständnisses und der musikalischen Wahrnehmung. Die Testbatterie beinhaltete außerdem standardisierte und individuell angepasste Fragebögen zur Selbsteinschätzung, die musikalische Kompetenz, Auswirkungen der Musikausübung inklusive Belohnungsempfindungen, zu Persönlichkeitsmerkmalen, dem sozioökonomischen Status und zu demografischen Merkmalen.

Hinzu kommt auch die Möglichkeit von Vergleichen. "Der Datensatz enthält außerdem eine große Teilstichprobe von Musikern und Nichtmusikern, die hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bildung paarweise zugeordnet wurden (678 Paare). Es ermöglicht fundierte Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen musikalischer Expertise und individuellen Unterschieden in Kognition, Persönlichkeit und demografischen Variablen", so die Experten. Jetzt geht es darum, die entsprechenden Forschungsprojekte anhand der "Music Ensemble"-Datenbank aufzusetzen.

++ THEMENBILD ++ Illustration zum Thema "Musik / Streaming / Musikstreaming-Anbieter": Apps der Musikstreaming-Plattformen Spotify, Apple, Amazon, YouTubeMusik, Qobuz, Deezer, Tidal und SoundCloud auf einem Smartphone, aufgenommen am Montag, 08. September 2025.

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