von
In den Auen entlang der steirischen Grenzmur von Spielfeld bis Sicheldorf zeigt sich derzeit ein beeindruckendes Naturspektakel: Neben Millionen von Schneeglöckchen erblühen Haseln, Erlen und Birken. Und das in einer bisher kaum beobachteten Fülle von Blütenständen. "Die Masse an Blütenständen steigert sich von Jahr zu Jahr", sagte der Grazer Biologe Johannes Gepp gegenüber der APA.
Eine derartige Mastblüte wird möglich, wenn Bäume im Spätsommer ausreichend Lichtangebot und damit Energie für die Blütenbildung haben. Nachdem die Vegetationsperiode mittlerweile im Sommerhalbjahr um drei bis vier Wochen länger geworden ist, ergebe sich dafür ausreichend Energieangebot, so Gepp.
Die Energiereserven führen dazu, dass im Frühling gesteigert Blütenstände ausgebildet werden. Allerdings scheint mehr Energie in die Ausbildung von Blüten als in die Blattentwicklung zu fließen. "Sie geht in die Blütenbildung und weniger in die Blattknospen. Wer versorgt dann aber den Baum, wenn weniger Blätter gebildet wurden?", so Gepp nachdenklich. Nach einem Jahr mit günstigen Niederschlägen wie 2025 könnte ein trockener Sommer die Bäume schwächen, zeigte sich Gepp besorgt. Insbesondere die Schwarzerle stehe laut den Aufzeichnungen und aktuellen Wahrnehmungen von Gepp in diesem Frühling vor ihrem höchsten Blühangebot der vergangenen 50 Jahre. Er hat seit Jahrzehnten die Baumblüte in der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland im Blick und hat seit der Jahrtausendwende bereits überdurchschnittlich viele Mastblütenjahre gezählt.
In der traditionellen Forstwirtschaft in Österreich galten lange Zeit der Abstand von sieben Jahren als Richtzahl für Massenblühen - bei Eichen eher mehr, bei Fichten, Tannen und Buchen eher weniger. Bei Apfelbäumen sind es in der Regel zwei Jahre. Experten erklären sich dieses Phänomen damit, dass Bäume ihren Fressfeinden, wie Nagetieren, die die Früchte fressen, ein Schnippchen schlagen und so vermehrt Jungbäume entstehen können. Je öfter ein Baum dieses Manöver durch externe Einflüsse anwendet und der Ausnahmefall zum Normalfall wird, umso mehr wird er gestresst.
Hasel und Erle blühen im Flachland» vom 04.02.2017) Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
