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Die Situation sei "tendenziell besser", weil dank steigender Zahlen bei den Lehramtsstudierenden mehr Personal aus den Ausbildungsinstitutionen komme. Regional und auch nach Fächern gebe es aber große Unterschiede, nach wie vor am schwierigsten gestalte sich die Personalsuche in Wien und Vorarlberg.
Ob es wirklich genug Lehrerinnen und Lehrer gibt, werde man erst nach dem Schulbeginn sehen. "Da ist noch einiges in Bewegung." Selbst wenn alle Posten besetzt werden können, stünden dann nicht immer Personen mit der entsprechenden Qualifikation in der Klasse, schränkte Kimberger ein. Im vergangenen Schuljahr hatten laut Zahlen des Bildungsressorts nur die Hälfte der neu Angestellten ein Lehramtsstudium abgeschlossen. Die übrigen waren vor allem Studierende und Sondervertragslehrer, ein Zehntel waren Quereinsteiger.
Dass es überhaupt zu den aktuellen Engpässen bei voll ausgebildeten Lehrern kommen konnte, ist für Kimberger ein "totales Politikversagen". Die Entwicklung sei seit 2009 bekannt gewesen, das Ministerium habe trotzdem bis 2022 nicht reagiert. Das habe mittlerweile auch der Rechnungshof bestätigt.
Der Fokus muss aus Sicht des Lehrervertreters jetzt darauf liegen, mehr voll ausgebildete Lehrer ins System zu bekommen. "Das wird uns langfristig mehr nützen als ein Schwerpunkt auf der Quereinsteiger-Schiene" - auch wenn in der Schule angesichts des Lehrermangels jede Unterstützung willkommen sei. Die Zunahme von Quereinsteigern mit einem facheinschlägigen Studium und passender Berufserfahrung sieht der Lehrervertreter weniger euphorisch als Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS), der sich davon wertvolle Impulse für das Schulsystem von Außen erhofft. "Die Rückmeldungen der Schulen gehen von 'wirklich großartig' bis zu 'ungeeignet'."
Handlungsbedarf sieht der Lehrergewerkschafter auch bei den Direktorinnen und Direktoren. Schon jetzt gebe es zu wenige Schulleitungen, bei Ausschreibungen gehe oft nur eine Bewerbung ein und die Pensionierungswelle schlage auch hier voll durch. "Wir müssen diese Tätigkeit schnellstens attraktiver gestalten, damit wir nicht Gefahr laufen, überhaupt keine Bewerbungen mehr zu bekommen."
Änderungen bräuchte es neben der Entlohnung auch bei den Rahmenbedingungen, etwa durch weniger Bürokratie. Mit der Einführung des neuen pädagogisch-administrativen Personals an den Pflichtschulen sei zumindest ein erster Schritt in Richtung Entlastung getan. Bei der von Wiederkehr versprochenen Entbürokratisierung warte er gespannt auf die Umsetzung, so Kimberger.
Zufrieden zeigte sich der Lehrervertreter mit der aktuellen Reform der Volksschullehrerausbildung, die zehn Jahre nach der großen Systemumstellung wieder deutlich praxisnäher werden soll. "Diese Korrektur ist ein erster Schritt, aber es müssen auch die übrigen Curricula angepasst werden", forderte er dieselbe Stoßrichtung für die Ausbildung der Lehrer für die Sekundarstufe (Mittelschule, AHS, BMHS), die mit Herbst um ein Jahr verkürzt und inhaltlich neu gestaltet werden soll. "Es darf nicht mehr passieren, dass ein fertig ausgebildeter Lehrer in eine Schule kommt, dort völlig überfordert ist mit der Realität und dann sagt: 'Das hab ich mir aber ganz anders vorgestellt." Die Studierenden müssten ab dem ersten Tag der Ausbildung in der Klasse stehen.
Kimberger pocht auch weiter auf die Wiedereinführung einer eigenen Sonderschullehrer-Ausbildung. Die Umstellung auf eine Spezialisierung bzw. einen Schwerpunkt im Studium zum Volksschul- bzw. Sekundarstufenlehramt sei ein "katastrophaler Fehler" gewesen, der zu einem extremen Personalmangel in der Sonderpädagogik geführt habe.
Eine weitere Baustelle sei in diesem Zusammenhang die Deckelung bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen, denen wegen einer Beeinträchtigung sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) attestiert wird. Derzeit gibt es über den Finanzausgleich nur für 2,7 Prozent der Schüler bis zur 9. Schulstufe zusätzliche Lehrerplanstellen, in der Praxis haben aber 4,5 Prozent der Pflichtschülerinnen und -schüler einen SPF. "Dadurch fehlen einige tausend Sonderspädagogik-Stellen", kritisierte Kimberger. In ihrem Regierungsprogramm hat sich die schwarz-rot-pinke Koalition zumindest eine Anhebung der Deckelung ab 2027 vorgenommen - das allerdings unter Budgetvorbehalt.