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Mikroplastik gilt - wenn es eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen wird - als Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier. Es stammt einerseits aus primären Quellen wie Reifenabrieb oder Textilfasern, andererseits aus Wiederaufwirbelung von bereits kontaminierten Landflächen oder Ozeanen. Allerdings war die Größenordnung dieser Emissionen und die Verteilung ihrer Herkunft bisher "höchst unsicher", wie Andreas Stohl vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien gegenüber der APA erklärte. Bisher wurden oft die Ozeane als Hauptquelle genannt.
Gemeinsam mit Ioanna Evangelou und Silvia Bucci hat Stohl 2.782 Messungen der Mikroplastikkonzentration aus 76 Studien an 283 Standorten weltweit zwischen 2014 und 2024 gesammelt und mit Modellsimulationen verglichen. Dabei zeigte sich, dass die mittleren Konzentrationen über Land bei 0,08 Partikeln pro Kubikmeter und über dem Meer bei 0,003 Partikeln pro Kubikmeter lagen, während die Modelle diese Werte um zwei bis vier Größenordnungen überschätzten.
Den neuen Berechnungen zufolge werden die jährlichen Emissionen auf 610 Billiarden Partikel vom Land und 26 Billiarden Partikel aus den Ozeanen geschätzt (jeweils mit einer Größe von fünf bis 100 Mikrometer). Das bedeutet, dass an Land über 20-mal mehr Mikroplastikpartikel freigesetzt werden als in den Meeren - und das, obwohl 71 Prozent der Erde von Wasser bedeckt sind. "Die emittierte Masse ist allerdings über dem Ozean sogar höher als über dem Land, was durch die im Schnitt größeren ozeanischen Partikel zustande kommt", erklärte Stohl in einer Aussendung.
Aus den Berechnungen des Forschungsteams ergaben sich auch verbesserte Abschätzungen für die Gesamtmenge an Mikroplastik, das in die Atmosphäre gelangt. Diese ist demnach um 100- bis 10.000-mal niedriger als bisher angenommen.
Allerdings betonen die Autorinnen und Autoren die Notwendigkeit, die globalen Emissionsschätzungen weiter zu verbessern. "Die Datenlage ist immer noch nicht zufriedenstellend, es bestehen weiterhin große Unsicherheiten. Es braucht mehr Messungen, damit wir wissen, wie viel Mikroplastik aus dem Verkehr und wie viel aus anderen Quellen stammt. Auch die Größenverteilung der Partikel ist höchst unsicher, und damit die insgesamt in der Atmosphäre transportierte Plastikmenge", so Stohl.
(SERVICE - https://doi.org/10.1038/s41586-025-09998-6 )
