ABO

Kinder immer öfter von Nierensteinen betroffen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Kinder leiden heute öfter als früher unter Nierensteinen
©APA, dpa-Zentralbild, Arno Burgi
Kinder sind immer häufiger von Nierensteinen (Nephrolithiasis) betroffen. In den vergangenen 20 Jahren sei ein stetiger Anstieg zu beobachten, warnte die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) am Dienstag. Verantwortlich seien Übergewicht, zu viele fruchtzuckerhaltige Getränke, viel Salz in Fast Food, verminderte Flüssigkeitszufuhr sowie eine unzureichende orale Kalziumzufuhr. Aber auch der Klimawandel spiele eine Rolle.

von

Sogenannte Harnstein-Episoden treten laut den Fachleuten nach Phasen mit hohen Temperaturen häufiger auf. Dies hänge mit einer erhöhten Konzentration des Urins zusammen. Bei Hitze verliert der Körper mehr Flüssigkeit durch Schwitzen. Weiters könne zunehmender Einsatz von Antibiotika eine Rolle spielen, da diese Medikamente zur Vorbeugung wichtige Bakterien im Darm reduzieren können.

In Industrieländern wurde den Angaben zufolge ein jährlicher Anstieg der Erkrankungshäufigkeit von vier bis zehn Prozent berichtet. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Nierensteinen im Kindesalter habe sich im vergangenen Jahrzehnt verfünffacht.

"Damit sich Nierensteine bilden, wirken oft mehrere Faktoren zusammen. Nierensteine entstehen, wenn der Urin mit bestimmten steinbildenden Substanzen übersättigt ist und gleichzeitig schützende Stoffe fehlen, die die Kristallbildung hemmen", erläuterte Siegfried Waldegger, Kinder- und Jugendnephrologe und ÖGKJ-Mitglied. Zu den steinbildenden Substanzen zählen Kalziumoxalat, Kalziumphosphat und Harnsäure, zu den schützenden Zitrat und Magnesium.

"Während der Pubertät kommt es zu einem besonders starken Anstieg der Häufigkeit, wobei Umweltfaktoren eine große Rolle spielen. Bei Kleinkindern sind hingegen anatomische, metabolische und genetische Ursachen die Hauptauslöser für Harnsteine", sagte Waldegger, Oberarzt an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Innsbruck.

"Solange sich Steine in der Niere befinden, verursachen sie meist keine Beschwerden. Wandert ein Stein jedoch in den Harnleiter und bleibt dort stecken, kann es zu einem Harnstau und einer schmerzhaften Kolik kommen", schilderte der Arzt. Gehen die Steine nicht von selbst ab, können sie mit einer extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie unter Narkose behandelt werden. Für größere Steine kommen chirurgische oder laparoskopische (minimalinvasive) Verfahren infrage.

Vorbeugen kann man durch ausreichend Flüssigkeitszufuhr, vor allem mit Wasser und ungesüßtem Tee. Kinder von vier bis sechs Jahren sollten rund 0,8 bis einen Liter täglich trinken, Sieben- bis Neunjährige gut einen Liter, Kinder von zehn bis zwölf Jahren rund 1,2 Liter, Jugendliche von 13 bis 14 Jahren 1,3 und 15- bis 18-Jährige in etwa eineinhalb 1,5 Liter. Je nach körperlicher Aktivität, Außentemperatur oder Erkrankung kann der Bedarf auch deutlich höher liegen.

"Der Verzicht auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke ist besonders wichtig, da viele Limonaden einen hohen Zucker- und Fruktosegehalt aufweisen. Fruktose erhöht die Ausscheidung von Kalzium und Harnsäure über den Urin - beides wichtige Bestandteile von Nierensteinen - und kann gleichzeitig den Citratspiegel senken. Citrat wirkt normalerweise schützend, da es die Kristallbildung im Urin hemmt", betonte Waldegger.

Obst und Gemüse hingegen können helfen, weil sie viel Wasser enthalten. Verarbeitete Lebensmittel wie Wurst, Pizza, Chips, Fertigsuppen oder Brot aber enthalten häufig große Mengen Salz und sollten selten verzehrt werden.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER