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Über 2.000 Lehrkräfte aus 23 EU-Ländern wurden zu ihren Erfahrungen mit Antisemitismus im Unterricht befragt, darunter auch in Österreich. Nach den UNESCO-Daten waren 78 Prozent der befragten Lehrkräfte mit mindestens einem antisemitischen Vorfall unter Schülern konfrontiert, während 27 Prozent Zeugen von neun oder mehr Vorfällen waren.
61 Prozent gaben an, dass sie mit Fällen von Leugnung oder Verfälschung des Holocaust unter Schülern konfrontiert waren, elf Prozent sogar häufig. Jeder zehnte Lehrer gab an, mindestens einen körperlichen Angriff auf jüdische Schüler beobachtet zu haben, während 44 Prozent Schüler gesehen hat, die Nazi-Gesten machten oder Nazi-Symbole zeichneten oder trugen. 42 Prozent der Befragten beobachteten Antisemitismus seitens anderer Lehrer.
"Hassreden, insbesondere Antisemitismus und Holocaustleugnung, haben seit dem Zweiten Weltkrieg ein beispielloses Ausmaß erreicht", sagte UNESCO-Generaldirektor Khaled El-Enany. Den meisten Lehrkräften fehle eine spezielle Ausbildung, um mit diesen Phänomenen umzugehen. Deshalb habe die UNESCO ein Schulungsprogramm zur Bekämpfung von Antisemitismus ins Leben gerufen. Seit 2023 habe die Organisation mehr als 1.300 Pädagogen und politische Entscheidungsträger in ganz Europa im Kampf gegen Antisemitismus geschult.
Laut einer neuen Eurobarometer-Umfrage nahmen mit 47 Prozent fast die Hälfte der Europäerinnen und Europäer einen Anstieg des Antisemitismus in ihrem Land in den vergangenen fünf Jahren wahr - das sind um elf Prozentpunkte mehr als 2018. In Österreich ist dieser Wert deutlich von 33 auf 50 Prozent geklettert. Über die Hälfte der EU-Bürger sehen laut der am Internationalen Holocaust-Gedenktag veröffentlichten Umfrage Antisemitismus als Problem in ihrem Land.
Fast sieben von zehn Europäerinnen und Europäern (69 gegenüber 54 Prozent im Jahr 2018) sind der Ansicht, dass die Konflikte im Nahen Osten die Wahrnehmung jüdischer Menschen in ihrem Land beeinflussen. In Österreich sind 74 Prozent dieser Meinung. Zu den am häufigsten wahrgenommenen Auswirkungen von Antisemitismus zählen Feindseligkeiten und Drohungen gegenüber jüdischen Menschen auf der Straße oder an anderen öffentlichen Orten, antisemitische Graffiti oder Vandalismus jüdischer Gebäude oder Einrichtungen, Online-Beschimpfungen und -Bedrohungen sowie tätliche Angriffe auf jüdische Menschen.
Laut Umfrage ist knapp die Hälfte der Europäerinnen und Europäer (48 gegenüber 43 Prozent im Jahr 2018) der Meinung, dass der Holocaust ausreichend im Schulunterricht behandelt wird. Zwei Drittel der in der EU und fast 90 Prozent der in Österreich Befragten kennen Gesetze, die zur Gewalt gegen Jüdinnen und Juden aufstachelndes Verhalten unter Strafe stellen. 52 Prozent (2018: 42 Prozent) kennen die Gesetze gegen die Leugnung des Holocaust, in Österreich sind diese 76 Prozent der Menschen bewusst.
Wie der für Auslandskultur zuständige Staatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) und die Vorsitzende des Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus Hannah Lessing anlässlich des Holocaust-Gedenktags bei einem Pressegespräch bekannt gaben, werden im Rahmen eines gemeinsamen Projekts zwei Forschungsaufenthalte zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus finanziert. Konkret soll mehr über die Familiengeschichten der über 43.000 "Wiederösterreicher" geforscht werden.
Nach der Novelle des Staatsbürgerschaftsgesetzes im Jahr 2019, durch die bisher über 43.000 Nachfahren von Opfern des Nationalsozialismus die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen haben, "geht es jetzt darum, den Dialog aufrecht zu erhalten", erklärte Schellhorn. Der Gedenktag erinnere nicht nur an die nationalsozialistischen Verbrechen, sondern auch "an die Verantwortung, die wir für Gegenwart und Zukunft tragen müssen."
In einem ersten Schritt ist daher die Vergabe von zwei Stipendien an Historikerinnen und Historiker aus Österreich geplant, die gemeinsam mit "Wiederösterreicherinnen und Wiederösterreichern" deren Familiengeschichten erforschen sollen. Dreimonatige Forschungsaufenthalte in Israel oder Großbritannien werden mit einer Summe von insgesamt 100.000 Euro im Frühsommer vom Außenministerium finanziert. Die Auswahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten erfolgt gemeinsam mit dem Nationalfonds. Nach einer ersten Evaluierung sei geplant, das Projekt fortzusetzen und auf künstlerische und pädagogische Bereiche sowie weitere Länder auszuweiten.
Am 27. Jänner wird weltweit der internationale Holocaust-Gedenktag begangen. Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2005 offiziell dieses Datum als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus festgelegt. Es ist der Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau 1945. Lesungen, Konzerte, Theateraufführungen und Gedenkveranstaltungen sollen helfen, die Erinnerung an den Nazi-Terror wachzuhalten.
Über eine Million Menschen wurden zwischen 1940 und 1945 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet, bevor die Rote Armee am 27. Jänner 1945 das Lager befreite. Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau steht daher wie kein anderes KZ für den Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch das NS-Regime unter Diktator Adolf Hitler. In Auschwitz wurden außerdem etwa 80.000 nicht-jüdische Polen, 25.000 Roma und 20.000 sowjetische Soldaten umgebracht. Heute befindet sich in der polnischen Stadt Oświęcim (Auschwitz) eine Gedenkstätte.
Österreich ist im Gedenkmuseum Auschwitz-Birkenau eine eigene nationale Ausstellung gewidmet. Sie wurde 2021 von Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnet. Ihr Titel "Entfernung: Österreich und Auschwitz" verweist auf die geografische Distanz, die Teil der nationalsozialistischen Verleugnungsstrategie des Massenmordes gewesen sei. Zugleich meint Entfernung auch Vernichtung: die physische Entfernung der nach Auschwitz Deportierten, die meist mit ihrer Ermordung endete.
In Österreich gilt offiziell seit 1997 der 5. Mai als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Anlass ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich am 5. Mai 1945.
Locator, Opfer nach ethnischer Zugehörigkeit. Quelle: auschwitz.org;.Die Auslieferung der APA-Grafiken als Embed-Code ist ausschließlich Kunden mit einer gültigen Vereinbarung für Grafik-Pauschalierung vorbehalten. Dabei inkludiert sind automatisierte Schrift- und Farbanpassungen an die jeweilige CI. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an unser Grafik-Team unter grafik@apa.at. GRAFIK 0117-26, 88 x 115 mm






