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Frauen werden laut Studie schlechter reanimiert

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Frauen bei Reanimation benachteiligt
©APA/APA/BERUFSRETTUNG WIEN
Eine Untersuchung von Studierenden der Medizinischen Universität Innsbruck hat den Unterschied bei Reanimationen zwischen den Geschlechtern unter die Lupe genommen. Es wurden dabei internationale Studien bestätigt, die eine schlechtere Wiederbelebung von Frauen im Vergleich zu Männern zeigten, hieß es bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Dies führe gleichzeitig zu schlechteren Überlebenschancen für Frauen.

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Die wesentlichen Unterschiede lagen in der "Drucktiefe, Qualität und Beatmungsdauer", sagte Studienleiterin und Direktorin des Instituts für Diversität in der Medizin, Sabine Ludwig. Es wurde mithilfe einer in der Reanimationspuppe installierten App ein "Gesamtscore" bei den 164 Studienteilnehmern - allesamt Studierende der Human- oder Zahnmedizin - errechnet. Es zeigte sich, dass bei einer männlichen Puppe im Schnitt 80,4 Punkte erreicht wurden, bei der weiblichen jedoch nur 70,5 von 100 Punkten. Auch bei Studienteilnehmern mit Vorerfahrung - also beispielsweise durch eine Sanitäterausbildung - habe es Unterschiede gegeben.

Für die Studienteilnehmer sei beispielsweise das "Freilegen der Brust unangenehm" gewesen, berichtete Ludwig. Internationale Studien hätten gezeigt, dass Frauen eine um 14 Prozent geringere Chance hätten, im öffentlichen Raum wiederbelebt zu werden. Dies habe beispielsweise mit der Angst vor dem Vorwurf eines sexuellen Übergriffs zu tun, der Sorge vor der Verletzungsgefahr sowie auch damit, dass die Symptome von Frauen "nicht ernst genommen" würden. Der Student Jakob Stähr berichtete außerdem, dass der Umgang bzw. die Entfernung des BHs und die Positionierung der Hände Unsicherheitsfaktoren gewesen seien.

"Es gibt keinen medizinischen Unterschied bei der Reanimation zwischen Männern und Frauen", hielt Benjamin Treichl, Oberarzt an der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin fest. Die Druckpunkte, die notwendige Drucktiefe sowie die Position für das Anbringen der Defibrillator-Elektroden seien die gleichen. Auch die Sorge vor der Verletzungsgefahr sei unbegründet, diese sei bei beiden Geschlechtern gleich.

Bei Frauen wären gute Basismaßnahmen, die durch die händische Reanimation und Beatmung gewährleistet werden, aber sehr wichtig. Frauen hätten nämlich von vornherein bei einer Wiederbelebung eine "schlechtere Prognose", erklärte Barbara Sinner, Direktorin der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin. Dies habe damit zu tun, dass Frauen seltener einen "defibrillierbaren Rhythmus" hätten - also der Einsatz eines Defibrillators nicht dieselbe Wirkung zeige als bei Männern.

An der Medizinischen Universität Innsbruck sowie beim Roten Kreuz soll daher in der Lehre bzw. bei Erste Hilfe-Kursen auf die Problematik eingegangen werden und auch an weiblichen Puppen geübt werden. Allerdings haperte es hier bis dato auch an der Verfügbarkeit weiblicher Reanimationspuppen. An der Medizin Uni behalf man sich daher mit Puppen, auf die Brüste einfach aufgeklebt werden. Erst seit Kurzem seien weibliche Puppen auch am Markt zu bekommen, sagte Ludwig.

"Die Studienergebnisse stimmen mich nachdenklich", meinte der Geschäftsführer des Roten Kreuz Tirol und der Rettungsdienst Tirol GmbH, Andreas Karl. Er kündigte an, dass alle Ausbildungsmaterialien dahingehend "angepasst" würden, zudem würden schrittweise diversere Puppen angeschafft. In der Zwischenzeit werde man wohl auch mit den Brustaufsätzen arbeiten.

Seitens der Politik wurde indes betont, dass es einen stärkeren Fokus auf geschlechtersensible Medizin brauche. "Man glaubt das ja zuerst gar nicht", zeigte sich Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) über die Erkenntnisse erstaunt. Frauen seien in der Medizin jedoch schlicht "nicht so sichtbar" wie Männer. "Viel zu wenigen Menschen" seien dies bewusst. Auch Innsbrucks Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr (SPÖ), die für Frauenagenden zuständig ist, hielt fest, dass es schließlich nicht nur um die Lebensrealität von Frauen, sondern auch um deren "Überlebensrealität" gehe. In der Stadt werden jedenfalls für interne Ausbildungen Frauenpuppen angeschafft, erklärte Mayr.

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