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Analysiert wurden insgesamt Gewebeproben von 493 Hauskatzen aus fünf Ländern, darunter auch aus Österreich. Mit der umfassenden Analyse seien Tumorerkrankungen bei den beliebten Haustieren ein Stück weit weniger eine "Blackbox" als sie das bisher waren, heißt es in einer Aussendung der University of Guelph (Kanada), deren Forschende federführend an der Studie eines weitverzweigten Teams um Erstautor Bailey Francis vom Wellcome Sanger Institute (Großbritannien) beteiligt waren. Mit an Bord war u.a. auch der Pathologe Christof Bertram von der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed) Wien.
Für die Untersuchungen brauchte es nicht nur Tumorproben, sondern auch gesundes Gewebe von denselben tierischen Patienten. Dementsprechend groß war der Aufwand, um über verschiedene Tierpathologie-Institute hinweg ein großes und vielfältiges Pool an Untersuchungsmaterial aufzubauen, das die verschiedenen Krebsarten auch abbildet. Seitens der Vetmed konnte man "für diese Studie eine große Anzahl an Proben bereitstellen und für die anschließende Sequenzierung aufarbeiten", erklärte Bertram gegenüber der APA.
Trotz des Faktums, dass Krebs eine der häufigsten Todesursachen bei Hauskatzen ist - und Menschen bekanntlich nicht nur großes Interesse an Online-Videoclips, sondern auch am Wohlbefinden der Tiere haben -, gab es noch keine umfassende Untersuchung zu den genetischen Faktoren dahinter. All das sei auch angesichts der zunehmenden Erkenntnis interessant, dass sich in der Biologie und medizinischen Forschung immer größere Überschneidungen zwischen Mensch und Tier zeigen - Stichwort: "One Health"-Ansatz.
Während in der Humanmedizin im Sinne eines möglichst personalisierten Zugangs bei der Behandlung von Krebs die genetischen Eigenheiten der individuellen Erkrankungen mittlerweile intensiv analysiert werden, sei dieses Feld in der Tiermedizin "noch weitgehend unerforscht. Unsere Studie hat erstmals die Mutationsmuster bei Hauskatzen im großen Stil bestimmt und ebnet so den Weg für Präzisionsmedizin in der Veterinäronkologie", so Bertram. Gefunden hat man "deutliche Parallelen" zwischen menschlichen und tierischen Tumoren. Das zeige, "wie sehr beide Seiten von der vergleichenden Krebsforschung profitieren können", so der Vetmed-Forscher.
Als insgesamt häufigster Beteiligter an der Bildung von Krebs bei Katzen entpuppte sich ein Gen namens "FBXW7". Eine Mutation in diesem Gen fand sich in mehr als 50 Prozent der untersuchten Tumorgewebeproben. So auch bei aggressiven Brustkrebsformen. Und: Veränderungen in diesem Gen finden sich auch bei Mammakarzinomen mit schlechter Überlebensprognose bei Menschen. Auch bei Krebserkrankungen des Blutes, der Knochen, der Haut, in der Lunge, im Zentralnervensystem oder im Verdauungstrakt fanden sich speziesübergreifende Überschneidungen, berichten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter. Insgesamt fand das Team 31 Gene, Signaturen von Mutationen, Gensequenzen von möglicherweise mit Tumorentstehung in Zusammenhang stehenden Viren und Genvarianten, die die Krebsentstehung fördern dürften.
Da Hauskatzen und Menschen vielfach in der mehr oder weniger gleichen Umwelt mit den gleichen einwirkenden gesundheitsförderlichen oder -schädlichen Faktoren leben, seien die Überschneidungen nicht überraschend - dass sie so deutlich hervortreten, zum Teil aber schon. Aufgrund der Überschneidungen könnten aus klinischen Studien zu Tumormedikamenten und -behandlungen an Katzen auch Erkenntnisse für Menschen gewonnen werden, meinen die Forschenden.
(S E R V I C E - https://dx.doi.org/10.1126/science.ady6651 )
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Schlager/ROLAND SCHLAGER
