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FFG sieht "solides Jahr" im Nachfrage-Hoch u

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Austro-Quantentechnologie gilt als wirtschaftliche Zukunftshoffnung
©HELMUT FOHRINGER, APA, Themenbild
Auf ein "solides Jahr trotz angespannter Rahmenbedingungen" blickt die Forschungsförderungsgesellschaft FFG in Bezug auf 2025 zurück. Bei den Förderzusagen im Bereich "Forschung & Entwicklung" (F&E) konnte man das Niveau halten. Da aber einige Infrastruktur-Förderprogramme ausliefen, fiel die Summe der neu bewilligten Mittel von 1,23 Mrd. Euro (2024) auf 878 Mio. Euro im Jahr 2025. Mittelfristig werde man im aktuellen Nachfrage-"Alltime-High" bald "neues Geld" brauchen.

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Die signifikant weniger zugesagten Mittel lassen sich zum größten Teil auf das Auslaufen der Energiekosten-Pauschale oder von Elektromobilitätsförderungen, die über die im Kernbereich auf die Unterstützung angewandter Forschung spezialisierte Agentur abgewickelt wurden, zurückführen, erklärten am Donnerstag die FFG-Geschäftsführerinnen Henrietta Egerth und Karin Tausz vor Journalistinnen und Journalisten. Insgesamt war man mit Projekt- und anderen Förderanfragen im Rahmen von 1,8 Mrd. Euro konfrontiert. Angesichts erneut "gestiegener Antragszahlen" und gleichzeitig nachvollziehbarem budgetärem Sparzwang in der Bundespolitik, laufe man in eine markante Schere hinein, so Egerth und Tausz.

Immerhin 34 Prozent der als hochwertig eingestuften Projekte konnte man 2025 aufgrund von Budgetmangels nicht bewilligen, erklärte Egerth. Um all dies zu fördern, hätte es weitere 430 Mio. Euro gebraucht. Man sehe: Seitens der Unternehmen - sie warben im Vorjahr 67 Prozent der FFG-Förderungen ein - und der Forschungseinrichtungen und Hochschulen sei die "Innovationsdynamik vorhanden", sagte Tausz. Leider steige die Zahl der vielversprechenden Projekte, die abgelehnt werden müssen, inzwischen "deutlich", so Egerth, die erklärte, dass man sich bei allem Verständnis für Sparvorgaben politisch die Frage beantworten muss: "Kann man auf Innovation verzichten?"

Das könne man "natürlich nicht", so wiederum Tausz. Trotzdem erwartet man für heuer bei der Mittelbindung im F&E-Bereich ein Minus im Vergleich zum Vorjahr: Nach 844 Mio. Euro 2025 beträgt diese heuer voraussichtlich 655 Millionen. Das sei darauf zurückzuführen, dass heuer keine Ausschreibung der hochdotierten "COMET-Zentren" ansteht, wohl aber eine im Umfang von 22 Mio. Euro für COMET-Projekte, wie das Wirtschafts- und das Infrastrukturministerium am Donnerstag mitteilten.

Selbige hatten kürzlich auch die "Industriestrategie" mit ihrem Fokus auf neun sogenannte "Schlüsseltechnologien" vorgestellt. Eine davon ist die "Quantentechnologie und Photonik". In dem Bereich hat sich der Physiker Rupert Ursin in den vergangenen Jahren als Start-up-Gründer einen Namen gemacht. Er hätte im akademischen Bereich "gemütlich in die Pension rutschen können", sei er aber nicht, so der Geschäftsführer der Quantenkryptographie-Lösungen anbietenden, in Wien ansässigen Hightech-Firmen ZeroThird und qtlabs.

In der Industriestrategie sei im Prinzip "alles drinnen, was es braucht", so der Quantenphysiker. Bei der Umsetzung brauche es jetzt aber vor allem politischen Mut: "Politiker müssen sich jetzt auch unbeliebt machen" - nämlich bei Förderempfängern in Sektoren, die nicht als Schlüsseltechnologien definiert wurden. Man werde nun sehen, wie ernst es mit der Ansage "weg von der Gießkanne" eigentlich ist, meinte Ursin, dessen Unternehmen aktuell rund 15 Mio. Euro Umsatz machen. Österreich habe das quantenphysikalische Know-how über Jahrzehnte von der wissenschaftlichen Pike auf aufgebaut, jetzt könne die Industrie "groß werden". Dazu brauche es aber weiter staatliche Unterstützung und tatsächlich mehr Fokus aus Hochtechnologie und Start-ups.

Man müsse sich eben überlegen, wo die künftige Wertschöpfung in Österreich herkommt: Zum Beispiel könnten Skigebiete nicht ewig weiter wachsen, für Ölkonzerne gebe es bekanntlich Grenzen und auch in der Automobilindustrie wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel, so der Physiker. Will man neue Industriezweige mit guten Rahmenbedingungen in Österreich haben, "muss man auch Geld auf den Tisch legen", so Ursin, der "eine Quantenmilliarde" forderte.

Bei der FFG sei man davon überzeugt, "das Gegenteil einer Gießkanne" zu sein, betonte Egerth. Gerade in der Quantentechnologie müsse man jetzt "massiv dranbleiben". Mit Blick auf die Industriestrategie, die eigentlich kein frisches Geld für die Schlüsselfelder beinhaltet, werde man bei den Ausschreibungen noch stärker den Fokus auf Bereiche legen, die Technologien anbieten, die am Weg zum Markt sind, erklärte Tausz. Für Egerth braucht es beides: eine stärkere Fokussierung und ein "Basisrauschen", da man nicht immer wisse, was in Zukunft das nächste Stärkefeld werden kann. Ja, man könne vieles weiter straffen, aber mittelfristig "bräuchten wir auch zusätzliches Geld", sagte Egerth.

Service: https://www.ffg.at/

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