von
Das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft und Forschung sei essenziell, ebenso wie Forschungsintegrität und -ethik Qualitätsmerkmale exzellenter Forschung nach höchsten internationalen Maßstäben seien, betont der FWF in seiner Veröffentlichung der Daten über mögliches Fehlverhalten. Diese werden seit 2008 erfasst und seit 2021 jährlich publiziert.
Die 116 Verdachtsfälle seien "von externen Hinweisgebern an den FWF herangetragen worden bzw. von uns selbst oder von Gutachtern erkannt worden", erklärte Falk Reckling vom FWF gegenüber der APA. In 18 Fällen war der Verdacht so schwerwiegend, dass er an die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) zur Prüfung übergeben wurde. Ob die Zahl der Verdachtsfälle bzw. Verstöße hoch oder niedrig sei, lasse sich "schwer sagen, weil wir die Dunkelziffer nicht kennen". Internationale Vergleiche mit anderen Förderagenturen gebe es nicht, allerdings "einige Studien, die sich von unseren Erkenntnissen nicht so sehr abheben".
Reckling verweist auf eine Umfrage des FWF unter 3.000 Forscherinnen und Forschern aus dem Vorjahr, in der u.a. auch gefragt wurde, ob in den vergangenen Jahren ein Anstieg von Verstößen gegen die wissenschaftliche Integrität festzustellen sei. 56 Prozent bejahten diese Frage, wobei Streit um Autorenschaft an erster Stelle genannt wurde. Auseinandersetzungen darüber, wer zu den Autoren einer Publikation oder eines Antrags zähle und wer nicht, habe es wahrscheinlich schon immer gegeben, so Reckling. Die Frage sei früher wohl meist durch Hierarchie entschieden worden, während mittlerweile die Sensibilisierung stark zugenommen habe. "Das ist positiv, manchmal aber auch überbordend."
In der FWF-Statistik zählt die Nutzung von Ideen Dritter ohne Herkunftsangabe mit 39 Verdachtsfällen seit 2008 zu den häufigsten möglichen Verfehlungen, gefolgt von Mehrfachnutzung eigener Forschungsleistungen ohne Kenntlichmachung (18), Zweckentfremdung von Forschungsgeldern (16) sowie verweigerte Autor- bzw. Autorinnenschaft trotz Beitrag (10). Weitere Verdachtstypen betreffen Forschungsbehinderung/-sabotage (8 Verdachtsfälle), Verstöße gegen die Wissenschaftsethik (6), unzureichende Dokumentation von Forschungsergebnissen (4) und Fälschen oder Erfinden von Forschungsergebnissen (3).
In 65 Fällen konnte nach erfolgter Prüfung kein Fehlverhalten festgestellt werden. Von den 47 Fällen, in denen ein Verstoß identifiziert wurde, erfolgte in 30 Fällen eine briefliche Ermahnung, in zehn Fällen wurden Antragssperren zwischen einem und drei Jahren verhängt. In fünf Fällen kam es zu Korrekturen von Publikationen, einmal mussten zweckentfremdete Mittel zurückgezahlt werden. Und in einem Fall, der auch gerichtsanhängig war und zur Entlassung des betroffenen Wissenschafters geführt hat, kam es zur Einstellung des FWF-Projekts.
Nach Disziplinen deckt sich die Verteilung der Verdachtsfälle weitgehend mit dem jeweiligen Anteil unter den Anträgen auf FWF-Förderung: So wurden 25 Verdachtsfälle im Bereich Biologie registriert, gefolgt von den Geisteswissenschaften (20), Medizin (17), Physik (15) und Technischen Wissenschaften (11).
Ein Thema, das im Zusammenhang mit wissenschaftlicher Integrität in Zukunft wohl noch an Bedeutung zunehmen wird, ist Künstliche Intelligenz (KI). Der FWF hat derzeit die Verwendung von KI bei der Antragstellung nicht verboten, allerdings müsse ihr Einsatz dokumentiert werden. Bei der Begutachtung von Anträgen ist KI untersagt, "weil das Hochladen eines Antrags gegen den Datenschutz und die Vertraulichkeitsregeln verstoßen würde", so Reckling. Während bei Anträgen und Gutachten stichprobenartig Plagiats- und Befangenheitschecks durchgeführt würden, "gibt es für die Verwendung von KI noch keine Detektoren, die das eindeutig nachweisen könnten".
Service: FWF-Statistik: https://go.apa.at/MSVZwh80
25.09.2019, Hamburg: Ein Biologisch-Technischer-Assistent pipettiert im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) in einem molekularbiologischen Forschungslabor DNA auf eine Lagerplatte. Wissenschaftler am UKE wollen über eine detaillierte Analyse des Erbguts mehr über die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfahren. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.
