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Fische werden schon lange in Hochgebirgsseen eingebracht. So setzten Mönche im 15. Jahrhundert im Auftrag Kaisers Maximilian I. Fische in Tiroler Hochgebirgsseen aus, darunter atlantische Forellen (Salmo trutta). Manche Nachkommen dieser invasiven Tiere leben immer noch, etwa im Gossenköllesee. Rund 500 dieser Forellen schwimmen in dem auf rund 2.400 Metern Höhe gelegenen See in den Stubaier Alpen, berichtet der Wissenschaftsfonds FWF, der die Forschungsarbeiten gefördert hat, in einer Aussendung.
Auch heute werden noch Fische ausgesetzt, etwa für die Gastronomie oder die Sportfischerei. Der am Projekt "FishME" beteiligte Limnologe Ruben Sommaruga vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck vermutet, dass aus diesen Gründen "unter anderem Forellen in den Timmelsjochsee im Tiroler Ötztal und andere Hochgebirgsseen gelangt sind".
Ein solcher Fischbesatz kann laut Sommaruga fatale Auswirkungen haben. Die Ernährungsgewohnheiten der eingebrachten Fische schaden den Ökosystemen im und rund ums Wasser. Entwickeln sich beispielsweise weniger Larven zu Mücken, fehlen diese als Nahrungsquelle für Vögel und Reptilien.
Auch für die Fische sind die kargen Seen kein idealer Lebensraum. "Sie sind arm an Nährstoffen und wenig produktiv. Das bedeutet, die Fischpopulationen können sich nicht in einem gesunden Maße ernähren und vermehren", so Sommaruga. Mit seinem Team fand er in manchen Fischmägen auch Jungfische der eigenen Spezies vor. Französische Kollegen fischten Fische mit stark deformierten Köpfen und überdimensionierten Augen aus Hochgebirgsseen - eine Folge von Mangelernährung.
Dabei unterscheiden sich die Auswirkungen je nach Fischbesatz: In Seen, in denen Elritzen (Phoxinus phoxinus) oder Saiblinge vorhanden sind, gehen die einheimischen Tierarten stärker zurück als in jenen, in denen Forellen leben. "Elritzen sind die schlimmste Fischart, die in diese Seen eingeschleppt werden", so Sommaruga.
Die kleinen Fische werden häufig als Fischköder eingesetzt und fressen große Mengen an tierischem Plankton wie Wasserflöhe. Fehlen diese Kleinstlebewesen, kann sich pflanzliches Plankton stark vermehren, von dem sie sich üblicherweise ernähren. Das kann zu Sauerstoffmangel und hohen Nährstoffgehalten in den Seen führen - zumal die steigenden Temperaturen bereits vielerorts das Wachstum von pflanzlichem Plankton fördern. "In Seen in Pyrenäen, wo die Lufttemperaturen höher liegen als in den österreichischen Alpen, kann man diese Folgen bereits sehr deutlich feststellen", erklärte Sommaruga.
Das Problem ist auch die Unwissenheit: "Viele Menschen denken, dass Fische in Hochgebirgsseen gehören", betonte der Limnologe. So sagten in einer im Rahmen des Projekts durchgeführten Umfrage 332 Befragte, Fische zu besetzen sei eine gute Maßnahme, 338 gaben keine Antwort, 231 gaben an, es nicht zu wissen. Zudem gebe es in Österreich eine starke Fischereilobby, bei der man bisher auf taube Ohren stoße. Dabei würden Beispiele zeigen, dass man durch schnelles Handeln bei der Entnahme ausgesetzter Fische Kosten sparen kann.
Damit die negativen Folgen von Fischbesatz auf Ökosysteme im Hochgebirge niedrig bleiben, brauche es zuerst Wissen über diese Folgen und dann den Willen, die Fische zu entfernen, betonen die Forscher. "Es ist sehr wichtig, dass in den Köpfen der Menschen ankommt, dass Fische nicht in Hochgebirgsseen gehören", betonte Sommaruga. "Sonst könnten die Seen in ihrer Funktion als Warnsysteme für das ökologische Gleichgewicht in den Bergen verloren gehen."
