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Experten warnen: Italienische Sprache vom Aussterben bedroht

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Laut der Studie wird die italienische Sprache immer ärmer
©APA, dpa, Uwe Zucchi
Die italienische Sprache steht nach Einschätzung von Experten zunehmend unter Druck durch den wachsenden Einfluss des Englischen. Paolo D'Achille, Präsident der Accademia della Crusca, warnte bei einem Vortrag an der Universität Ferrara, ohne Gegenmaßnahmen könne sich das Italienische langfristig zu einer Art Dialekt entwickeln und sei im Extremfall sogar vom Aussterben bedroht.

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Laut der Studie werde die italienische Sprache immer ärmer. Nur mehr ein geringer Teil der insgesamt über 140.000 italienischen Wörter werde verwendet. Sprachwissenschafter warnen auch vor der ausufernden Verwendung von englischen Ausdrücken.

Um auch künftig von einer eigenständigen Standardsprache sprechen zu können, müsse rasch gehandelt werden, sagte der Sprachwissenschaftler. Andernfalls drohe eine "Destandardisierung", bei der Italienisch vor allem noch im Alltag und in informellen Texten verwendet werde - ein Prozess, der historisch auch beim Latein zu beobachten gewesen sei.

Die Debatte über den Einfluss des Englischen ist in Italien nicht neu. Bereits seit den 1960er-Jahren hätten sich zahlreiche Anglizismen im Alltag verbreitet, besonders in Wirtschaft, Informatik und Werbung. Häufig handle es sich dabei um angepasste oder sogar neu gebildete Begriffe, so D'Achille.

Nach Ansicht der Sprachakademie wird Englisch vor allem in Wissenschaft und Hochschulen immer dominanter. In vielen Bereichen sei es inzwischen notwendig, auf Englisch zu publizieren - auch um in Italien selbst Anerkennung zu finden. Zudem gebe es Studiengänge, die vollständig in englischer Sprache abgehalten würden.

Andere Länder wie Frankreich, Spanien oder Deutschland verfügten über stärkere institutionelle Instrumente zum Schutz ihrer Sprachen, betonte D'Achille. In Italien fehle eine vergleichbare Regelung.

Sprachforscher betonen jedoch, dass sich Sprachen grundsätzlich ständig verändern. Auch der Literaturwissenschafter Giovanni Tesio relativierte die Warnungen: Keine Sprache bleibe unverändert, aber auch keine verschwinde vollständig. Entscheidend sei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Offenheit für neue Einflüsse und dem Erhalt sprachlicher Identität.

Die italienische Fahne und ein Statuenkopf aus Pappmache liegen am Dienstag (20.09.2011) in einer Passage im osthessischen Bad Hersfeld vor einem Geschäft. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Italiens von «A+» auf «A» herabgestuft. Foto: Uwe Zucchi dpa/lhe +++(c) dpa - Bildfunk+++

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