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Auch bei ausreichend Schlaf fehlt oft Erholung: 57 Prozent der Befragten wachen nicht ausgeruht auf, 51 Prozent fühlen sich nur oberflächlich regeneriert, geht aus dem zum Tag der Frauengesundheit (28. Mai) vorgestellten "Frauengesundheitsreport" der Firma Pure Encapsulations mit TQS Research & Consulting hervor. Jede dritte Frau schlafe an Werktagen im Schnitt höchstens sechs Stunden, etwas mehr als die Hälfte wache nachts zwei Mal oder öfter auf. 61 Prozent schlafen hingegen laut der Umfrage während der Arbeitswoche sieben bis acht Stunden. 62 Prozent fühlen sich im Alltag trotzdem häufig und unabhängig von der Schlafdauer erschöpft.
92 Prozent der Frauen denken, dass sie gesellschaftlich stärker dazu erzogen werden, sich für andere verantwortlich zu fühlen. 74 Prozent stellen demnach sich selbst häufiger hinter berufliche oder familiäre Anforderungen zurück. Bei der nächtlichen Care-Verantwortung etwa liegt die Hauptlast laut der Studie auf Frauen: 68 Prozent verorten sie überwiegend bei sich, 15 Prozent teilen sie sich etwa gleich auf, nur bei einem Prozent ist überwiegend die Partnerperson zuständig. 44 Prozent gaben an, dass ihr Schlaf durch Care-Verantwortung regelmäßig unterbrochen wird.
Zudem beeinträchtigt Stress die Schlafqualität, dadurch ist der Körper angespannt, was wiederum das Ein- und Durchschlafen verschlechtert: "Viele Frauen merken erst spät, wie sehr sich Anspannung und Mehrfachbelastung auf ihren Schlaf auswirken", sagte Schlafexpertin Elke Doppler-Wagner. Dann beginne eine Negativspirale mit Bedürfnisstörungen wie gesteigerter Nervosität und Aggressivität, Neigung zu depressiven Verstimmungen und verminderter Lebensfreude. Körperliche Folgen seien etwa Herzrasen, Magen/Darmprobleme oder Tinnitus.
52 Prozent berichten, dass ihre Erschöpfung beim Arzt "vorschnell als psychisch bedingt erklärt wurde". 72 Prozent sei vermittelt worden, sie sei in ihrer Lebensphase "normal". Bei 41 Prozent wurden Symptome "primär hormonell erklärt". Für Tina Werner von Pure Encapsulations wird Erschöpfung "oft bagatellisiert, nicht als medizinisches Signal wahrgenommen und von vielen Frauen als etwas erlebt, das sie auszuhalten haben". Besonders deutlich zeige sich die Belastung bei den 30- bis 44-Jährigen: Die Hälfte leide unter Schlafstörungen und anhaltender Müdigkeit.
"Man kann Schlaf verlernen, man kann ihn aber auch wieder erlernen", betonte Elke Doppler-Wagner. Dabei helfen Wissen über biologische Rhythmen und Regelmäßigkeit - beim Schlafen, Essen, Pausieren und beim Sport. Fachleute wie Schlafcoaches können Verhaltenstechniken vermitteln, die gegen "Grübelgedanken und negative Glaubenssätze" helfen sowie Atemtechniken und Entspannungsübungen lehren.
"Schlaf ist die dritte Säule zum Gesundbleiben neben Bewegung und Ernährung", unterstrich die Schlafforscherin Brigitte Holzinger. Zu oft werde bei Ein- und Durchschlafproblemen "pharmakologisch interveniert", dabei sollten Medikamente hier nur bis zu sechs Wochen lang und unterstützend zu Coaching und psychologischer Therapie eingesetzt werden.






