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Deutsche Studie: App hilft Frauen mit Inkontinenz

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App-Programm führte zu einer deutlichen Verbesserung der Probleme
©APA, dpa, Karl-Josef Hildenbrand
Eine unter Führung der Berliner Universitätsklinik Charite durchgeführt klinische Studie mit einer App für das Handy kann offenbar Frauen mit Harninkontinenz helfen. Im Vergleich zu einer "Placebogruppe" führte das Programm zu einer deutlichen Verbesserung der Probleme.

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"Etwa jede vierte Frau entwickelt im Verlauf des Lebens eine Harninkontinenz. Am häufigsten ist eine Stressinkontinenz gefolgt von Mischinkontinenz und Dranginkontinenz. Die Leitlinien empfehlen als erste Maßnahme ein Beckenbodentraining und eine Änderung des Lebensstils, die bei den meisten Frauen die Inkontinenz auch ohne Medikamente beheben können", schrieb dazu jetzt das Deutsche Ärzteblatt.

Für eine ausreichende Beratung fehle den Urologen und Gynäkologen oft die Zeit. Diese Lücke könne eine App füllen, die die betroffenen Patientinnen auf ihr Smartphone laden. Die App enthalte Anleitungen zum Beckenbodentraining und zum Blasentraining sowie ein mentales Training. Sie vermittle außerdem Strategien, wie die Frauen durch Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme die Miktionen besser planen könnten. In einem Miktionstagebuch können sie ihre Fortschritte notieren.

In der digitalen klinischen Studie (DINKS) wurden an urologischen und gynäkologischen Arztpraxen in Deutschland 194 Patientinnen per Zufall entweder einer drei Monate dauernden Anwendung der App oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die im Mittel 50 Jahre alten Frauen hatten seit etwas mehr als fünf Jahren an Inkontinenz gelitten (Stressinkontinenz 63 Prozent, Dranginkontinenz 22 Prozent, Mischinkontinenz 16 Prozent).

Die Ergebnisse wurden in "Lancet Digital Health" veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.landig.2025.100935). Laura Wiemer von der Berliner Charite und die Co-Autoren berichteten in der Studie, dass es in der Gruppe der Frauen, welche die App verwendete, zu einer Reduktion der täglichen Inkontinenz-Episoden von im Durchschnitt 3,71 auf 1,46 kam. In der Kontrollgruppe blieb das Problem mit einem Rückgang von 3,57 auf 3,42 pro Tag in etwa gleich. 22 von 96 Patientinnen (knapp 23 Prozent) mit Verwendung des Programms berichteten, dass sie am Ende der Studie keine Inkontinenz-Episoden mehr hatten. Das war in der Kontrollgruppe nur bei zwei von 98 Patientinnen der Fall (rund zwei Prozent).

"Die Besonderheit der medizinischen App (gegenüber anderen Angeboten aus den App-Stores) besteht laut Studienautorin Laura Wiemer darin, dass den betroffenen Frauen eine strukturierte, adaptive Physiotherapie, kognitive Verhaltensberatung und Bildungsinhalte angeboten werden", schrieb die deutsche Ärztezeitung.

ILLUSTRATION - 06.07.2022, Bayern, Augsburg: Person hält Handy in der Hand. (zu dpa: «Missbrauchsbilder getauscht - mehr als 250 Verdächtige») Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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