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Aufbau quantensicherer Datenverbindung Wien-Frankfurt startet

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Das Innenleben eines eQKD-Gerätes von zerothird
©Alex Schwarz Photography, APA
Es gilt als ein Schritt auf dem Weg zu einem zukunftssicheren Datentransfer: Ziel eines gemeinsamen Projektes der Erste Group mit den Unternehmen zerothird und A1 ist es, eine quantensichere Verbindung zwischen den Finanzzentren Wien und Frankfurt herzustellen. Aufgrund der physikalischen Signaldämpfung in Glasfasern stellte diese Entfernung bisher eine große Herausforderung für die sogenannte Quantenschlüsselverteilung (QKD) dar, hieß es in einer Aussendung.

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Künftige Quantencomputer könnten klassische digitale Verschlüsselungsverfahren in wenigen Sekunden knacken, wie Experten immer wieder betonen. In einem Pilotprojekt in Wien sei nun erstmals eine kommerzielle auf Verschränkung basierende Quanten-Sicherheitslösung in die bestehende Glasfaser-Infrastruktur einer Bank integriert worden. Nun plane die Erste Group, ihre internationale Bankeninfrastruktur schrittweise weiter aufzurüsten. Man bereite sich auf die "Ära der Quantenkommunikation" vor, so Erste Group-Chef Peter Bosek.

Beim von zerothird geleiteten Projekt "QUAPITAL" wird eine quantensichere Verbindung zwischen den Finanzplätzen Wien und Frankfurt hergestellt. Herausfordernd ist den Angaben zufolge vor allem die Distanz, da Glasfasern die physikalischen Signale über große Distanzen stark dämpfen. Diese wie bei herkömmlichen Internetverbindungen zu kopieren und wieder zu verstärken, funktioniere bei Quantenverschlüsselung nicht. Es brauche Zwischenstationen ("Trusted Nodes"), bei denen jeweils ein Schlüssel ausgetauscht und dann weitergereicht wird.

Mit QKD gebe es eine Verschlüsselungsmethode, bei der manipulationssichere Quantenschlüssel zwischen einem Sender und einem Empfänger verteilt werden. Die Technologie schaffe "eine zusätzliche, physikalisch basierte Sicherheitsebene, die auch künftigen Quantencomputern standhält. Damit beginnt eine neue Phase der Cybersecurity in pan-europäischen Netzen, wirtschaftlich tragfähig und technologisch führend aus Österreich heraus", erklärte zerothird-Chef Felix Tiefenbacher. Er verweist auch auf einen Schritt in Richtung digitaler Souveränität.

Alejandro Plater, CEO der A1 Group, sieht in dem Pilotprojekt "einen Grundstein für die nächste Generation vertrauenswürdiger Datenübertragung". Die Lösung von zerothird sei in die kritische Infrastruktur der Erste Group implementiert worden "und läuft einwandfrei". Die erfolgreiche Ver- und Entschlüsselung von Daten belege die industrielle Reife und Skalierbarkeit der Technologie.

"Wir bauen die erste echte Infrastruktur von Wien nach Frankfurt", sagte zerothird-Ko-Chef Rupert Ursin gegenüber der APA: Darauf aufbauend wolle man "quer durch Europa sternförmig solche Links ausrollen und weitere Kunden hinzuziehen". Es handle sich derzeit um den ersten "Long-Distance-Link" - Frankfurt und Wien trennen etwa 1.000 Kilometer Glasfaserdistanz - in diesem paneuropäischen Netzwerk, meinte auch Tiefenbacher zur APA.

Dabei können die Faserdistanzen im Rahmen des eigenen QKD-Netzwerkes jeweils einen Abschnitt von 350 Kilometer abdecken - und damit eine sehr viel längere Strecke als die Konkurrenz, so die Experten. Für die Verbindung der einzelnen Abschnitte brauche man damit auch dreimal weniger Trusted Nodes und damit sei die Infrastruktur - quasi die Perlenkette mit weniger Perlen - auch kostengünstiger. Einer paneuropäischen Infrastruktur zur sicheren Kommunikation stehe nichts mehr im Wege.

"Andere Systeme, die angedacht wurden, haben nicht fünf Zwischenstationen zwischen Wien und Frankfurt, sondern etwa 16 Zwischenstationen für vergleichbare Strecken zwischen europäischen Metropolen vorgeschlagen", so Tiefenbacher. Zudem könne man über die eigene Technologie auch mehrere Kunden gleichzeitig bedienen. Ab Oktober 2026 sollen erste Schlüssel zwischen Wien und Frankfurt übertragen werden, ergänzte Ursin.

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Alex Schwarz Photography/Alex Schwarz Photography

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