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150 Mio. Jahre alter Hai mit Bartel stellt Forscher vor Rätsel

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Experten rästeln über Urzeithai mit auffälligem Kehlbartel
©Universität Wien, Jürgen Kriwet, APA
Ein Urzeithai mit Bartel stellt die Forschung vor ein Rätsel. Die 150 Millionen Jahre alten Fossilien lassen sich keiner der heute existierenden Haiordnungen eindeutig zuordnen, berichtet ein internationales Forschungsteam um den Paläontologen Sebastian Stumpf vom Naturhistorischen Museum Wien (NHM) und der Universität Wien im Fachjournal "Communications Biology". Demnach dürfte die frühe Evolution moderner Haie komplexer gewesen sein.

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Anhand eines 25 Zentimeter langen Fossils wurde Bavariscyllium 2005 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Mittlerweile wurden mehrere Fossilien dieser Tiere mit schlankem, lang gestrecktem Körperbau gefunden, alle aus den Solnhofener Plattenkalken, einer berühmten Fossillagerstätte in Bayern, erklärte Stumpf gegenüber der APA.

Die meisten ausgestorbenen Haie sind nur anhand ihrer Zähne bekannt, weil diese im Gegensatz zum Knorpelskelett widerstandsfähig sind. Aufgrund der besonderen Bedingungen sind in den Solnhofener Plattenkalken auch ganze Haiskelette erhalten. Und bei jenen von Bavariscyllium fällt ein bartelartiger Fortsatz auf. Viele Fische tragen solche Barteln genannte fadenförmigen Hautorgane am Maulbereich, die mit Geschmacksknospen und Tastkörperchen ausgestattet sind.

"Die für Bavariscyllium beschriebene Bartel liegt im Bereich der Kehle, eine Position, die heute nur bei wenigen Kragenteppichhaien vorkommt", erklärte Stumpf. Bei diesen zur Ordnung der Ammenhaiartigen gehörenden modernen Haien seien diese Kehlenbarteln paarig ausgebildet, während alle bekannten Bavariscyllium-Skelette lediglich eine einzelne, vermutlich mittig gelegene Bartel aufweisen.

Bavariscyllium weist zugleich aber auch Merkmale auf, die an heutige Katzenhaie erinnern, die zur Ordnung der Grundhaie gehören. Aufgrund dieser Ähnlichkeiten wurde das Fossil ursprünglich den Grundhaien zugeordnet.

Nach Untersuchung mehrerer neuer Skelette und isolierter Zähne von Bavariscyllium zeichnet das Forschungsteam um Stumpf nun ein differenzierteres Bild: Bavariscyllium lässt sich eindeutig weder den Ammenhaiartigen noch den Grundhaien zuweisen. Offensichtlich entwickelten moderne Haie schon viel früher eine größere Vielfalt an Körperformen als bisher angenommen.

"Bavariscyllium und andere Haie aus den Solnhofener Plattenkalken zeigen eine erstaunliche Bandbreite, vermutlich noch bevor sich die typischen Baupläne der heute lebenden Ordnungen etabliert haben", erklärte der Paläontologe. Dadurch sei es schwieriger, fossile Haie richtig einzuordnen und die evolutionäre Entwicklung von Arten zu rekonstruieren. Bavariscyllium mache deutlich, dass die frühe Evolution moderner Haie komplexer war als bisher gedacht.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.1038/s42003-025-09272-5 )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Jürgen Kriwet/Universität Wien

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