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Buckley verkörpert in "Hamnet" Agnes, Frau von Shakespeare und liebende mehrfache Mutter, die mit dem Tod eines ihrer Kinder fertig werden muss. Die 36-jährige Schauspielerin, die schon einst für Maggie Gyllenhaals "Frau im Dunkeln" als beste Nebendarstellerin für einen Oscar nominiert war, bekommt im Film von Chloé Zhao viel Raum, um ein breites Emotionsspektrum abzudecken. Für ihr intensives Spiel wurde sie bereits u.a. mit einem Golden Globe, bei den Critics Choice Awards, den BAFTAs und zuletzt auch bei den Screen Actors Guild-Awards ausgezeichnet. Dass ihr Siegeszug nun ausgerechnet bei den Academy Awards enden soll, ist höchst unwahrscheinlich, sind sich auch Branchenportale wie "The Hollywood Reporter" und "Variety" einig.
Dabei wäre die Konkurrenz durchaus stark. Emma Stone lieferte in "Bugonia" eine gewohnt souveräne Performance als Geschäftsfrau ab, die von Verschwörungstheoretikern gefangen genommen wird. Auch die Norwegerin Renate Reinsve ließ mit ihrer Darstellung einer mit ihrer Familiengeschichte ringenden Schauspielerin in "Sentimental Value" keine Wünsche offen. In etwas konkurrenzärmeren Jahren dürften sich wohl auch Rose Byrne ("If I Had Legs I'd Kick You") und Kate Hudson ("Song Sung Blue") berechtigte Hoffnungen auf einen Oscar machen.
Lange galt es als höchst wahrscheinlich, dass Timothée Chalamet heuer in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" im Dolby Theatre geehrt wird. Doch seine Serie an Auszeichnungen kam zuletzt etwas ins Straucheln. Er verkörpert im rasanten Film "Marty Supreme" von Josh Safdie einen Tischtennisspieler, der überzeugt davon ist, der beste der Welt zu sein. Auf seinem Weg, das zu beweisen, lässt er einiges zu Bruch gehen - auch Beziehungen und die Hoffnungen anderer Menschen. Für seine Darbietung wurde der 30-Jährige schon mit einem Golden Globe oder auch bei den Critics Choice Awards geehrt. Auf einen Oscar wartet er trotz mittlerweile drei Nominierungen noch. Geht er an ihn, wäre er der zweitjüngste Hauptdarsteller-Preisträger in der Oscar-Geschichte. Rekordhalter ist Adrien Brody ("The Pianist").
Eventuell muss sich Chalamet aber noch etwas länger gedulden. Beobachter sind sich zwar relativ einig, dass er Leonardo DiCaprio, der im satirischen Politthriller "One Battle After Another" einen linksradikalen, chaotischen Vater gibt, abhängen wird. Harte Konkurrenz kristallisiert sich viel mehr in Form von Michael B. Jordan heraus. Der 39-Jährige gewann zuletzt den Screen Actors Guild Award für seine Leistung im 16-fach nominierten Film "Blood & Sinners". Und auch "Variety" tippt mittlerweile auf einen Oscar für den US-Amerikaner. Im musikalischen Vampir-Horrorfilm spielt er gleich zwei Rollen: die Zwillinge Smoke und Stack, die in Mississippi ein Juke Joint eröffnen und es bald mit Vampiren und Ku-Klux-Klan-Mitgliedern zu tun bekommen.
Die beiden weiteren Nominierungen entfallen auf Ethan Hawke für "Blue Moon" und Wagner Moura für "The Secret Agent". Hawke (55) war bereits mehrfach nominiert und hat gewisse Außenseiterchancen. "Variety" sah ihn an der Spitze, bis das Branchenportal dann doch auf Jordan umschwenkte. Der Brasilianer Moura wurde bereits mit einem Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einem Drama und als bester Darsteller bei den Filmfestspielen in Cannes geehrt.
Großes Rätselraten herrscht noch in den Nebendarsteller-Kategorien. Bei den Männern wurden die Preise in der bisherigen Saison breit gestreut. Mit Stellan Skarsgård ist einer der großen der Branche erstmals für einen Oscar nominiert. Er spielt in "Sentimental Value" einen Regisseur, der mit seiner Tochter drehen will, die Beziehung zu ihr aber schwer angeknackst ist. Bei den Golden Globes fuhr der Schwede eine Auszeichnung ein und steht in den Prognosen von "The Hollywood Reporter" und "IndieWire" ganz oben. Mit Sean Penn, der einen rassistischen Cop in "One Battle After Another" gibt, hat er aber harte Konkurrenz. Sicherte sich Penn doch bereits die Auszeichnung bei den BAFTAs und den Screen Actors Guild Awards.
Benicio del Toro ("One Battle After Another") und Jacob Elordi werden heuer wohl eher keinen Oscar in Händen halten, wenngleich letzterer für seine Leistung als Frankensteins Monster in "Frankenstein" bei den Critics Choice Awards geehrt wurde. Die beiden Österreicher Christoph Waltz und Felix Kammerer spielten in dem Werk von Guillermo del Toro übrigens auch mit, blieben aber ohne Oscar-Nominierung. Dann wäre da noch Delory Lindo für seinen Auftritt als alter Blues-Musiker in "Blood & Sinners". "Variety" glaubt an den Hype um den Film und setzt in der Prognose auf ihn.
Relativ offen ist auch das Rennen bei den Nebendarstellerinnen, wobei sich primär Amy Madigan für ihre Leistung als versteckt operierende böse Hexe mit oranger Perücke im Horrorfilm "Weapons" und Teyana Taylor als bestimmt auftretendes Mitglied einer linksextremen Terrorgruppe in "One Battle After Another" Hoffnungen machen dürfen. Aber auch Wunmi Mosaku ("Blood & Sinners") kam heuer bereits in den Genuss einer Auszeichnung. Lediglich Außenseiterchancen haben dagegen wohl Elle Fanning und Inga Ibsdotter Lilleaas, die beide in "Sentimental Value" mitspielten.
Damit ist klar, dass das norwegische Drama mit vier Darstellerinnen und Darstellern zumindest quantitativ an der Spitze der Oscar-Schauspielnominierungen steht. Angesichts dessen ist es etwas rätselhaft, warum "Sentimental Value" bei den Nominierungen für die heuer zum ersten Mal vergebene Trophäe für das beste Casting nicht bedacht wurde. In dieser Kategorie sind mit Francine Maisler ("Blood & Sinners"), Cassandra Kulukundis ("One Battle After Another"), Jennifer Venditti ("Marty Supreme") und Nina Gold ("Hamnet") fast nur Frauen vertreten. Ausreißer ist Gabriel Domingues ("The Secret Agent").
Das Academy-Voting läuft noch bis Donnerstag, 5. März. Das streng gehütete Geheimnis, welche Schauspiel-Stars nach der Gala mit einem Oscar nach Hause gehen können, wird hierzulande in den frühen Morgenstunden des 16. März gelüftet. Der ORF überträgt das Event in gewohnter Manier. Die Live-Strecke startet am Sonntag, 15. März, um 22.55 Uhr auf ORF 1 und ORF ON mit der Vorstellung der Favoritinnen und Favoriten. Es folgen um 23.30 Uhr Ereignisse und Interviews vom Red Carpet und ab 00.00 Uhr die Übertragung der Show selbst.
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